Unbeeindruckt von seinem ersten Satzverlust in Melbourne: Alexander Zverev.
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Melbourne/BerlinNach dem ersten Satz schien Ungemach zu drohen, doch dann war Alexander Zverev nicht mehr zu stoppen: Im Stile eines Champions zog der Hamburger mit einem 1:6, 6:3, 6:4, 6:2 gegen Stan Wawrinka (Schweiz) ins Halbfinale der Australian Open ein. Bei seiner 19. Teilnahme an einem Grand Slam ist der Weltranglistensiebte damit erstmals nur noch zwei Siege von seinem ersten Triumph bei einem der vier großen Turniere entfernt.

Es fühlt sich fantastisch an, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für mich bedeutet.

Alexander Zverev

Als nach 2:19 Stunden Spielzeit beim ersten Matchball eine Vorhand von Wawrinka ins Aus flog, hob Zverev kurz den Zeigefinger der rechten Hand und lächelte glücklich hinüber in seine Box: „Es fühlt sich fantastisch an, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für mich bedeutet“, sagte er nach dem Match und ergänzte, er hoffe, sein erstes Halbfinale sei „erst das erste von vielen, die noch kommen.“

Im dritten Anlauf nach den French Open 2018 und 2019 gewann Zverev erstmals ein Viertelfinale bei einem Grand Slam, dies war zuletzt 2009 Tommy Haas in Wimbledon gelungen. Letzter Deutscher im Finale eines Majors war 2003 bei den Australian Open Rainer Schüttler. Ehe er dort angelangt, muss Zverev am Freitag zunächst den Weltranglistenersten Rafael Nadal (Spanien) oder den Weltranglistenfünften Dominic Thiem (Österreich) besiegen - gegen beide hat er eine negative Bilanz.

Eindrucksvoll zurückgekämpft

Das Match gegen den dreifachen Grand-Slam-Sieger Wawrinka (34) lief zunächst überhaupt nicht, wie Zverev das geplant hatte. Sein Aufschlag ließ ihn meist im Stich, zum 0:2 und 0:4 kassierte er ein Break im ersten Satz, in dem der Weltranglisten-15. Wawrinka fast fehlerfrei und clever spielte. Dabei landete sein erster Aufschlag kaum im Feld, Zverev aber kam mit dem zweiten Service des Schweizers gar nicht zurecht. „Ich habe mir schon überlegt, wie ich erkläre“, dass ich in drei Sätzen verloren habe„, sagte er.

Doch wie bereits in den vergangenen vier Matches behielt Zverev bei Temperaturen um 30 Grad in der Rod Laver Arena die Nerven in einer für ihn kritischen Situation - und kämpfte sich eindrucksvoll zurück in das Match. Im zweiten Satz kam plötzlich sein Service, er gewann alle fünf Aufschlagspiele ohne Punktverlust und nutzte seine Chance zum Break zum 5:3 in einem Moment, als Wawrinka kurz schwächelte.

Der dritte Satz begann kurios: Zunächst gelang Zverev ein Break, dann Wawrinka das Rebreak. Doch der Hamburger ließ sich erneut nicht aus der Ruhe bringen, und nahm seinem Gegner, dem zunehmend Fehler unterliefen, zum 3:2 erneut den Aufschlag ab. Danach servierte Zverev souverän zum Satzgewinn durch und ließ Wawrinka danach auch nicht mehr zurück ins Match. Nach Breaks zum 1:0 und 3:0 im vierten Satz war die Tür zum Halbfinale offen.