Es ist an der Zeit für Alexander Zverev, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Im Duell mit Tennis-Wunderkind Carlos Alcaraz, dem neuen Liebling der Massen, der den Status des Olympiasiegers spürbar angreift, geht es für die deutsche Nummer eins am Dienstag um mehr als das Halbfinal-Ticket in Paris.

An einem Tag, auf den die Fans seit der Auslosung hinfiebern, der für Gezerre hinter den Kulissen der French Open sorgt und nicht nur den Weg in die Zukunft weist, sondern mit dem Gigantenduell zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic auch die Grand-Slam-Geschichte prägen könnte, muss Zverev liefern.

„Ich bin bereit, er ist einer der besten Spieler der Welt“, sagte der Hamburger: „Die Motivation bei einem Grand-Slam-Turnier ist für mich immer riesig. Ich bin 25 Jahre alt und denke schon, dass ich in einer Zeit bin, in der ich weit kommen und vielleicht auch mal eins gewinnen sollte.“

Auf dem Weg dorthin wäre ein Erfolg über Alcaraz besonders wertvoll. Zverev, dem 2020 im Finale der US Open nur zwei Punkte zu seinem ersten Majortitel fehlten, bekommt in Roland Garros zu spüren, wie sehr Alcaraz mit 19 Jahren in die Rolle des „Kronprinzen“ drängt und auch von den Veranstaltern gepuscht wird. Er habe das Gefühl, dass die anderen hochkarätigen Spieler „so ein bisschen links liegengelassen“ würden, bemängelte Zverev.

Dies ist vor allem an den wiederholten Ansetzungen der Alcaraz-Partien für den Court Philippe Chatrier, dem größten Stadion in Paris, und auch an Spielzeiten festzumachen. Die waren vor den Viertelfinals ein Thema auf der Anlage – allerdings in erster Linie mit Blick auf das elektrisierende 59. Duell zwischen dem Grand-Slam-Rekordchampion Nadal und Titelverteidiger Djokovic.

Welcher TV-Sender bekommt im Ausrichterland das Spiel der Spiele zwischen dem 21-maligen Majorsieger Nadal und dem wild entschlossenen Djokovic? Das öffentlich-rechtliche France TV, das die Partien am Tag zeigt, oder der Streamingdienst Amazon Prime, der die Rechte für die Night Sessions hält? Klar ist, dass Nadal frühere Spielzeiten bevorzugt, weil ihm die Bedingungen bei wärmeren Temperaturen mehr liegen.

Nadal hat Djokovic 19-mal auf Sand in die Schranken gewiesen, bei acht Niederlagen. Der Chatrier ist das „Wohnzimmer“ des langjährigen Sandplatz-Königs, der Djokovics Abwesenheit von den Australian Open aufgrund dessen Ausweisung für sich nutzte und mit dem überraschenden Triumph in der ewigen Major-Rangliste Djokovic und Roger Federer (jeweils 20 Titel) hinter sich ließ.

Djokovic muss verhindern, dass Nadal zum 14. Mal den Coupe des Mousquetaires in die Finger bekommt und seinen Vorsprung ausbaut. Aber auch Zverev oder Alcaraz könnten da noch mitreden. Einer von ihnen wird den Gewinner des Gigantenduells im Halbfinale herausfordern.