Bielefeld - Bislang noch gänzlich unerforscht ist die Fragestellung, was Fußballspieler eigentlich von all dem verstehen, was ihre Trainer ihnen ständig zurufen aus dem imaginären Zwinger namens Coaching Zone.

Kann ja ziemlich laut werden in so einem Stadion, und es kann ja auch vorkommen, dass ein Spieler gerade andere Dinge im Kopf hat, als den akustischen Kontakt zum Trainer zu suchen. Noch unerforschter ist vielleicht nur die Frage, ob die vielen Handzeichen, die ein Trainer im Laufe eines Spiels gibt, besser: darbietet, von den Spielern verstanden werden.

Bis zur abschließenden Klärung beider Fragen muss man, zumindest nach dem Zweitrundenspiel im DFB-Pokal zwischen Arminia Bielefeld und Hertha BSC, davon ausgehen, dass die Berliner wenig bis nichts von dem richtig gedeutet haben, was ihr Trainer ins Spiel gerufen bis geschrien hat, was er ihnen mit links und rechts in die Luft malte.

Bis zur zweiten Verlängerung hat Jos Luhukay auf einen Angriff gewartet, der seinen Vorstellungen vom schnellen Umschaltfußball entspricht – vergebens. Und bis zum Elfmeterschießen auf ein Tor seiner Mannschaft. Dann erst traf Ronny, danach Jens Hegeler, aber dann scheiterten Julian Schieber und Sandro Wagner an Torwart Alexander Schwolow.

Am Ende stand es 4:2 nach Elfmetern für die Bielefelder, die es sich natürlich nicht nehmen ließen sofort das Berlinlied anzustimmen, dass alle anstimmen, die vom Pokalfinale träumen. Luhukay: „Wenn man das ganze Spiel sieht, dann haben wir uns heute keine Chance erspielen können.“ Pause. „Das war unser größtes Problem.“

Rotation wird der Hertha zum Verhängnis

So richtig wollte der Trainer es nicht zugeben vor diesem Spiel, dass er in den vergangenen beiden Pokaljahren gelernt hat, wie wichtig dieser Wettbewerb ist für seinen ebenfalls vom Finale träumenden Klub. Zuletzt war Hertha auch nicht über die zweite Runde hinausgekommen, weil – so die Theorie – der Trainer zu viel rotiert hat.

Diese Mannschaftsrotation setzte in Worms und Kaiserslautern die entgegengesetzten Kräfte frei. Statt kräfteschonend zu gewinnen, hat Hertha nervenverschleißend verloren. In Bielefeld musste Luhukay, ob er wollte oder nicht, aber trotzdem wieder umstellen, weil drei Spieler verletzungsbedingt ausfielen. Für Nico Schulz, Änis Ben-Hatira und Per Skjelbred kamen Marcel Ndjeng, Genki Haraguchi und Jens Hegeler. Sie fielen nicht auf. An diesem Dienstagabend fiel niemand auf.

Als Luhukay nach etwa zwanzig Spielminuten zum ersten Mal von seinem Anrecht auf einen Sitzplatz Gebrauch machte, schoss einer seiner Spieler gerade zum ersten Mal aufs Tor. Wobei man bei Valentin Stocker korrekterweise nicht von Torschuss sprechen sollte, weil der Ball das Spielfeld an der Seitenauslinie verließ – was haben sie gelacht, die Bielefelder.

Schon seltsam, dass sich ein Erstligist so wenig traut gegen einen Drittligisten. Keine Pässe in die Tiefe, keine öffnenden Flankenwechsel, keine Dribblings, und die wenigen Freistöße, die Hertha hatte, die landeten überall nur nicht da, wo es hätte gefährlich werden könnte. Seltsam auch, dass von dem Selbstbewusstsein, dass sie sich nach drei Heimsiegen in Serie selbst attestiert hatten, nichts zu spüren war. Der Pokal kennt keine Vergangenheit, nur den Moment – und der war bitter.

Schon nach der ersten Halbzeit korrigierte ein vielleicht Siebenjähriger seinen Vater auf dem Weg zum Bratwurststand. „Wieso? 2:0“, sagte der Sohn. Der Vater, der immerhin einen halbwegs torwerten Kopfball von Salomon Kalou gesehen hat, hatte zuvor gesagt: „Es hätte schon 2:1 für uns stehen können.“ Torhüter Thomas Kraft beließ es mit zwei flinken Reflexen – ein Mal oben, ein Mal unten – bei einer Null für Bielefeld.Es wurde nicht besser nach den Wechsel, auch wenn dieses eine Handzeichen von Luhukay offenbar richtig verstanden worden war.

Der Trainer zeigte Richtung Ronny, Ronny kam – Ronny war mal wieder die Hoffnung auf etwas Besonderes, zu dem die anderen diesmal nicht fähig waren. Und am Ende konnte er sich nicht mal über den verwandelten Elfmeter freuen.