Zweiter Sieg: Volleys setzten den VfB im Finale unter Druck

Die 7552 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle standen beinahe den gesamten Tiebreak über vor ihren Sitzschalen. Und wer behauptet, das immer wiederkehrende Duell um die deutsche Volleyball-Meisterschaft zwischen Berlin und Friedrichshafen sei langweilig, hätte nur mal seinen Kopf in die Halle hineinstecken müssen.

Die Partie, der Spielverlauf, die Stimmung hätte ihn garantiert vom Gegenteil überzeugt. Die Lautstärke steigerte sich zum Ende der Partie hin, als Berlin vier Matchbälle hatte, als die Spieler das Publikum mit Gesten anstachelten, noch lauter zu klatschen, noch enthusiastischer zu jubeln. „Im fünften Satz war es sensationell, wie die Leute da mitgegangen sind“, sagte Berlins Trainer Stelian Moculescu.

Ein kurzer Pass von Pierre Pujol auf Mittelblocker Graham Vigrass – Matchball Nummer zwei saß. Die Halle tobte. Noch weiß ja niemand, ob es nicht das letzte Heimspiel der Berliner in dieser Saison gewesen ist, auch wenn Berlins Manager Kaweh Niroomand sagte: „Es ist immer noch alles offen, die Mannschaften sind auf gleicher Höhe.“

Die Routiniers als Zuschauer

Es hat in den vergangenen Jahren ja schon sehr viele Final-Play-offs zwischen den BR Volleys und dem VfB Friedrichshafen gegeben. So etwas, wie am Sonntag kam dabei aber so gut wie nie vor: dass Robert Kromm, der Kapitän der Berliner, und Paul Carroll, der Vizekapitän, eine Partie gemeinsam zu weiten Teilen von der Bank aus erleben.

Moculescu nahm die beiden ältesten Herrschaften kurz hintereinander zur Mitte des ersten Satzes vom Feld. Stattdessen schickte er Steven Marshall und Kyle Russell in den Kampf um die Meisterschaft. In den sozialen Medien des Klubs nennen sie das Team seit dem Auftakterfolg vergangenen Donnerstag in Friedrichshafen: die Russellbande.

Da hatte Diagonalangreifer Russell den Berlinern den nötigen Energieschub zum 3:1-Auftaktsieg am Bodensee verpasst. Am Sonntag profitierte die Mannschaft erneut von seiner Energie, seiner Angriffswucht, am Schluss auch von seinen Aufschlägen. Aber die Partie, die letztlich mit 3:2 (19:25, 29:27, 25:20, 17:25, 15:11) endete, war anders als die erste, weil sich die Berliner in den beiden Elementen schwertaten, mit denen sie sich den Sieg am Bodensee gesichert hatten: Aufschlag und Block. Dazu kam das Übel, mit denen sich die BR Volleys schon die gesamte Saison über das Leben schwer gemacht haben: die hohe Eigenfehlerquote.

„Wir haben etwas spröde angefangen, dann hat Kyle wieder Energie gebracht. Glückwunsch an die Mannschaft. Sie hat gut gefighted“, sagte Moculescu.

Jetzt steht es in der Best-of-five-Serie 2:0. Spiel drei findet am Mittwochabend (20 Uhr) in Friedrichshafen statt.