Berlin - Die Erleichterung über den wichtigen Teilerfolg hatte sich kaum gelegt, da preschten die ersten Verantwortlichen in der heiß diskutierten Zuschauer-Frage schon wieder nach vorne. Allen voran DFL-Chefin Donata Hopfen, die ein Schreckensszenario mit Milliardenverlusten zeichnete, die vor „massiven Auswirkungen“ auf die Bundesliga im internationalen Vergleich warnte – und deshalb gleich die nächsten Forderungen an die Politik richtete.

Dass schon am Wochenende an vielen Standorten wieder bis zu 10.000 Fans in die Stadien strömen dürfen, sei „erfreulich, aber sicherlich erst ein Anfang auf dem Weg in die Normalität“, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sie erwarte „weiterhin Lösungen, die verständlich, praktikabel und nach vorn gerichtet sind – und eine Perspektive, nicht mit einer fixen Obergrenze, sondern beispielsweise mit einem Stufenplan“. Noch deutlicher wurde Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic von Hertha BSC. Die neue Regelung sei zwar „okay, aber ganz ehrlich, ich bin nicht zufrieden damit. Das muss viel, viel schneller gehen“. In Bezug auf die Transferausgaben der Bundesliga im internationalen Vergleich könne man sehen, „wie uns das im Würgegriff hält“.

Erst am Mittwoch hatten sich die Landesregierungen auf die vom Profifußball geforderte einheitliche Regelung bei der Zulassung von Fans geeinigt. Die Kapazität im Freien soll zu maximal 50 Prozent ausgelastet werden dürfen – allerdings gedeckelt bei 10.000 Fans. In Hallen sind maximal 30 Prozent zulässig, bei höchstens 4000 Menschen. All das, obwohl die Inzidenz mittlerweile über die Marke von 1200 geklettert ist und Experten vor zu raschen Lockerungen warnen.

Für Bayern-Trainer Julian Nagelsmann sind 10.000 Fans „aber immer noch einen Tick zu wenig“. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach dagegen von einem „guten ersten Schritt in die richtige Richtung“ und Kölns Finanzboss Alexander Wehrle hofft auf „eine dynamische Entwicklung in den kommenden Wochen“.

Es zeigt sich: Schon jetzt erhöhen die Klubs den Druck weiter. Juristische Prüfungen der Zuschauer-Regelungen, wie sie etwa vom 1. FC Köln sowie von Arminia Bielefeld und Borussia Dortmund angestrebt wurden, scheinen auch in Zukunft nicht ausgeschlossen. Denn auf Dauer ist der Teilerfolg nicht genug, es geht schließlich um viel Geld.

Dass der Flickenteppich wohl doch noch nicht ganz der Vergangenheit angehört, zeigte sich bereits bei der Umsetzung der Bundesländer am Donnerstag. Beispiel: In Niedersachsen etwa bleibt die Obergrenze von 500 Fans bestehen, Sachsen-Anhalt erlaubt dagegen 15.000 Menschen im Freien. Baden-Württemberg setzt die neue Regelung dazu noch nicht vor dem Wochenende um. Und auch in Berlin wird erst am Dienstag der kommenden Woche noch einmal im Senat dazu getagt.