Berlin - Es passt irgendwie zu Tim Freihöfer, dass er nicht von sich behauptet, sehr gut Spaghetti Bolognese kochen zu können. Stattdessen seien es Käsespätzle, die er sehr gut zaubern kann. Na gut, er ist gebürtiger Schwabe. Aber: Auch nicht jedem Berliner gelingt das beste Eisbein mit Sauerkraut. Und für Käsespätzle den Teig in der richtigen Konsistenz anzurühren und anschließend die Nudeln perfekt in das heiße Wasser zu schaben, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Aber wenn man den 18-jährigen Linksaußen der Füchse Berlin so reden hört, springt einem dessen Selbstbewusstsein durch das Telefon förmlich an. Und auch in seinen Einsätzen im Profiteam zeigt Freihöfer alles andere, aber keine Nervosität.

Erst A-Jugend, dann im Auto von Bob Hanning zum Final Four

Alles nur Show, angeborene Coolness oder das Ergebnis intensiver Arbeit? „Als Sportler muss man versuchen, seine Psyche in den Griff zu bekommen“, sagt er, „als junger Spieler bringt es mir nichts, verunsichert auf dem Spielfeld zu stehen, weil ich dann ganz genau weiß, dass ich von den erfahreneren Spieler angegriffen werde. Und deshalb muss man einfach versuchen, so ruhig und cool wie möglich zu bleiben und die Aufregung nicht nach außen zu lassen.“ Das ist ihm bislang so gut gelungen, dass auch Jaron Siewert gern auf die Dienste des 18-Jährigen zurückgreift. Sechsmal hat er den Nachwuchsspieler bereits in der Bundesliga in den Profikader der Füchse berufen, schenkt ihm auch am Wochenende beim Final Four in der European League das Vertrauen.

Vorher aber möchte Freihöfer mit der A-Jugend am Freitagabend (17 Uhr) das Halbfinal-Hinspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Melsungen gewinnen: „Darauf liegt erst einmal der Fokus.“ Erst im Anschluss steigt er in das Auto von Bob Hanning und fährt mit ihm gemeinsam nach Mannheim. Die rund sechs Stunden als Beifahrer des Füchse-Managers sind nicht ungewohnt für Tim Freihöfer, schließlich ist Hanning auch sein Trainer in der A-Jugend. „Gerade in der Zeit, als ich in der Geschäftsstelle tätig war, hat er mich oft zum Training mitgenommen oder vom Morgentraining mit in die Geschäftsstelle“, erzählt der Linksaußen. Da ist schon ein Vertrauen in die Fahrkünste des Managers gewachsen. Aber ohnehin ist Bob Hanning „eher ein entspannterer Fahrer“, so Freihöfer.

Sicherlich wird im Auto das Freitagspiel ausgewertet, aber auch schon das Halbfinale beim Final Four ausführlich besprochen. Erst Anfang des Monats waren die Füchse in Mannheim und haben dort die Rhein-Neckar Löwen bezwungen. Tim Freihöfer stand bei dieser Partie zwar nicht im Kader, kann sich aber als Ersatz für Tim Matthes gute Chancen ausrechnen, dass er am Sonnabend (ab 20.45 Uhr) zum Einsatz kommen wird. Diese Möglichkeit hat er sich in den vergangenen zwei Wochen in den Spielen gegen Meister THW Kiel und gegen Göppingen verdient. Beide Male erzielte Freihöfer drei Treffer und leistete sich insgesamt nur einen Fehlwurf.

Auch wenn er seine Torpremiere in der Bundesliga bereits am ersten Spieltag dieser Saison feierte, ist jeder Treffer für den Linksaußen keineswegs Normalität. „Es ist etwas extrem Geiles, drei Tore gegen Niklas Landin, den besten Torhüter der Welt, zu werfen“, schwärmt er noch immer vom Spiel gegen den THW Kiel, „da muss man sich manchmal so ein bisschen selbst kneifen, um zu merken, dass das alles wirklich wahr ist.“

Reflektierende Gespräche mit Teamkollegen aus der A-Jugend

Bei all diesen Erfolgsgeschichten hat sich sein Status in der A-Jugend aber nicht verändert. „Man muss jede Woche seine Leistung bringen. Ich kann mir von den drei Toren gegen Göppingen nichts kaufen, wenn ich im Halbfinale am Freitag null von sechs werfe. Dann kann ich noch so viele Bundesliga-Tore haben“, sagt der 18-Jährige. Natürlich geben ihm diese Leistungen auch das Selbstvertrauen für kommende Aufgaben, andererseits sucht er weiterhin den Dialog mit seinen Teamkollegen in der A-Jugend. „Lasse Ludwig und Robin Heinis helfen mir dabei sehr gut“, so Freihöfer, „weil wir sehr viele reflektierende Gespräche führen und uns über Leistungen und den Sport austauschen. Das hilft mir, um mit einem gefestigten Gefühl da reinzugehen. Wenn die Mannschaft einem Sicherheit gibt, kann man Sicherheit zurückgeben.“

Und an manchen Abenden auch mal für sie Käsespätzle kochen. Am Sonnabend im Halbfinale und vielleicht auch am Sonntag im Endspiel aber werden sie auf die Kochkünste des Teamkollegen verzichten müssen und ihm stattdessen die Daumen für das Final Four drücken. Geht es nach Tim Freihöfer, haben die Füchse eine sehr gute Chance. „Der Titel geht nur über uns“, sagt er mit seinem überbordenden Selbstbewusstsein.