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„Schlawiner“ der Bundesliga: Warum Claudio Pizarro ein unerreichter Serientäter ist

Claudio Pizarro, ältester Torschütze der Bundesliga.

Claudio Pizarro, ältester Torschütze der Bundesliga.

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dpa

Ist Claudio Pizarro ein Schlitzohr oder mehr der Typ Spitzbube? Eher Schlingel oder doch ein Schelm des Strafraums? Das jedenfalls sind die S-Kategorien, die den Stürmer seit über zwanzig Jahren begleiten. Auch beliebt: Spaßvogel und Sympathieträger. Pizarro selbst favorisiert Schlawiner. Weil: „Ein Schlawiner hat ein gutes Auge. Er sieht alles. Überall! Auf dem Platz, neben dem Platz, sogar auf dem Oktoberfest.“ Hier muss man sich bitte ein Grinsen vorstellen, am besten ein spitzbübisches.

Rekordmann Claudio Pizarro: 463 Spiele 195 Tore

Pizarro war 40 Jahre und 136 Tage alt, als er am Sonnabend ein Freistoßtor im Olympiastadion erzielte. Für Werder Bremen, gegen Hertha BSC. Für die Geschichtsbücher, gegen den Jugendtrend im Fußball. Pizarro ist nun der älteste Torschütze der Bundesliga. Andere Rekorde, die der Peruaner hält: die meisten Spiele (463) und die meisten Tore (195) eines ausländischen Profis. Erzielt hat er diese zwischen 1999 und 2019, in jedem Jahr mindestes eines – diese Serientat ist unerreicht.

Müssten sich die deutschen Fußballfans auf einen gemeinsamen Liebling festlegen, Pizarro wäre ein heißer Kandidat. Einerseits sind seine Tore – für Werder, die Bayern oder den 1. FC Köln – nicht selten fußgemachte Kunst. Heber, Schlenzer, gerne Absatzkicks. Andererseits sind es diese ansteckend gute Laune und dieser ungebrochene Optimismus, die ihn ausmachen. Pizarro, so das öffentliche Bild, sagt einfach Ja zum Leben. Auf dem Platz und neben dem Platz, sogar auf dem Oktoberfest – oder in der Münchner Promidiskothek P1.

Pizarros Karriere, die ihn kurzzeitig auf die Ersatzbank beim FC Chelsea führte, aber nie zu einer Weltmeisterschaft, hätte noch erfolgreicher sein können. Das sagten seine Trainer. Das weiß er selbst. Es reichte ja auch so zu sechzehn Titeln. Pizarro war nie einer, der immer alles gab. Harten Zweikämpfen ging er aus dem Weg, von schweren Verletzungen blieb er verschont. Dass er selbstbestimmt und würdevoll altern kann im Fußball-Business hat damit zu tun.

Werder-Profi Claudio Pizarro: Annahme, Drehung, Schuss – alles in einer fließenden Bewegung

Seit Jahren schon ist Pizarro ein Teilzeitarbeiter. Meist wird er eingewechselt, wenn das Spiel eine Wende, eine besondere Pointe braucht oder die Stadionstimmung belebt werden muss. Manchmal gelingt ihm noch eine Aktion, die ihre volle Schönheit erst in der Zeitlupe entfaltet.

Annahme, Drehung, Schuss – alles in einer fließenden Bewegung. Meistens aber trabt er über den Platz, als wäre er auf einer Ehrenrunde. Ob Pizarro sich im Sommer endgültig in den Ruhestand verabschieden wird? „Ich muss darauf hören, was mein Körper sagt.“ Und auch hier bitte das Grinsen nicht vergessen.