Neuer Inhalt
Fuechse

Neues Gespann: Hanning und Kretzschmar wollen Fortschritt durch Reibung

Hanning, Kretzschmar

Schon jetzt für die Füchse im Austausch: Bob Hanning (l.) und Stefan Kretzschmar. 

Foto:

imago images / Contrast

Es war der Nachmittag von Dejan Miloasvljevic – und doch irgendwie auch nicht. Denn die formidable Leistung des Füchse-Torhüters beim 30:23 im ersten Heimspiel der Saison gegen den HC Erlangen wurde von vielen halt nur am Rande wahrgenommen. Im Mittelpunkt stand in der Schmeling-Halle ein anderer: nämlich der omnipräsente Stefan Kretzschmar, der ab Januar als Sportvorstand bei den Füchsen in den Bereichen Leistungssport, Kommunikation und Sponsoring für neue Impulse sorgen soll. In Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Bob Hanning, der am Sonntag sein Glück über den personellen Coup wiederholt mit einem breiten Grinsen zum Ausdruck brachte.

Soweit so schön. Trotz der allgemeinen Aufbruchstimmung drängt sich allerdings eine Frage auf: Können zwei derart starke Persönlichkeiten neben oder sogar miteinander arbeiten? Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die beiden nicht immer gut aufeinander zu sprechen waren und sich erst in den letzten Jahren eine Art Freundschaft entwickelt hat.

Zwei Charakterköpfe

Doch reicht das? Wenn zwei Charakterköpfe aufeinandertreffen und Dinge voranbringen wollen, müssen schließlich manchmal Kompromisse eingegangen werden. Und Bob Hanning ist nicht gerade bekannt dafür, dass er sich mit Menschen umgibt, die ihm Paroli bieten. Das dürfte mit Kretzschmar anders vonstatten gehen.

Die Lösung des Problems basiert vor allem auf dem gegenseitigen Respekt. „Man kann sich menschlich sicherlich streiten, aber vor dem, was Bob beruflich in Berlin und für den deutschen Handball geleistet hat und leistet, kann man nur den Hut ziehen“, sagt Kretzschmar. Da kann selbst Hanning nicht widersprechen und das Kompliment nur zurückgeben. Schließlich ist Kretzschmar das Aushängeschild des deutschen Handballs. 

Identifikation mit Berlin

Ein weiterer Punkt, auf dem die gemeinschaftliche Arbeit aufbaut, ist die Identifikation mit der Stadt Berlin und den Füchsen. Beide sind nicht in Berlin geboren, doch vereint sie eine spezielle Liebe zur Hauptstadt. Der Sportfunktionär aus Essen brennt wie kein anderer für die Füchse und betrachtet den Verein nicht ohne Grund wie sein eigenes Kind.

Kretzschmar auf der anderen Seite, wurde zwar in Leipzig geboren, kam aber im Alter von fünf Jahren an die Spree und betrachtet Berlin zeitlebens als seine Heimat.„Es fällt mir hier sehr leicht, mich für diese Sache zu emotionalisieren. Als das Angebot kam, war es eine der wenigen Sachen, die mich gereizt haben. Es ist meine Heimatstadt und der Verein der Hauptstadt, damit kann ich mich sehr gut identifizieren“, erklärte Kretzschmar seine Entscheidung, die in Leipzig und Magdeburg sicher für einige Verwirrung gesorgt hat.

Hohe Ziele

Die dritte Grundlage für eine funktionierende Zukunft sind die gemeinsamen Ziele – denn beide wollen hoch hinaus. Hanning, der schon seit einigen Jahren versucht, die Füchse in der Handballspitze zu etablieren, hat mit Kretzschmar sein ehrgeiziges Pendant gefunden: Die Champions League soll es sein, „mit nichts weniger würde ich mich zufrieden geben“. Den Ehrgeiz hat der 218-fache Nationalspieler anscheinend auch im sportlichen Ruhestand nicht verloren.

Kritiker mögen die Umsetzung dieser Pläne skeptisch betrachten. Momentan scheinen die Rhein-Neckar Löwen, der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt in einer anderen Liga zu spielen. Kretzschmars Aufgabe soll es nun sein, für den Verein Spieler mit Weltklasseformat und neue Sponsoren an Land zu ziehen, damit die Träume nicht frühzeitig platzen. Dass er dabei zum Schreibtischhengst wird, schließt der 46-Jährige allerdings von vornherein aus: „Man wird mich montags sicher nicht im Büro antreffen, aber vielleicht dienstags.“

Hanning tritt kürzer

In der Geschäftsstelle werden sich Hanning und Kretzschmar anscheinend weniger oft über den Weg laufen. Und genau da liegt vielleicht der Knackpunkt: Arbeitsteilung. Während Hanning bisher in allen Belangen die Finger mit im Spiel hatte, will sich er jetzt aus dem sportlichen Bereich zurückziehen und sich mehr der strategischen Arbeit widmen. Ob ihm das gelingt, wird interessant zu beobachten sein.

Gleichzeitig konstatierte Kretzschmar, dass er zwar für die sportlichen Belange zuständig sei, man ihn jedoch nicht in der Spielerkabine antreffen werde. Das sei die Abteilung des Trainers. Die Arbeitsbereiche sind anscheinend klar voneinander getrennt und genau darin wird der Schlüssel zum Erfolg liegen.