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Eigengewächs bei Hertha: Maxi Mittelstädt: „Ich kann auch hier Großes erreichen“

Als Linksverteidiger ausgebildet, aber offensiver eingesetzt: Maximilian Mittelstädt.

Als Linksverteidiger ausgebildet, aber offensiver eingesetzt: Maximilian Mittelstädt.

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imago/könig

Endlich mittendrin. Maximilian Mittelstädt, 21, wird auch am Sonntagabend auf Schalke (18.00 Uhr) in Herthas Startelf stehen. Er hat sich über den Sommer im Team von Pal Dardai einen Stammplatz erkämpft. Aber nicht nur das: Am Donnerstag wurde er erstmals für die U21-Auswahl des deutschen Fußball-Bundes (DFB) nominiert.

Was ganz gut zu seinen Plänen für den kommenden Sommer passt, er sagt: „Nächstes Jahr ist die EM in Italien, das wäre schon ein Ziel.“ Im Interview mit dieser Zeitung spricht der gebürtige Berliner über die Mischung von Jung und Alt bei Hertha, seine Mutter als wichtigste Ratgeberin, Heimatverbundenheit und Geduld sowie den Effekt, den Nationaltorhüter Manuel Neuer ausmachen kann.

Herr Mittelstädt, Sie gelten mit Ihrer Flexibilität als ein Gewinner der Vorbereitung. Trainer Pal Dardai hat bereits vor dem Saisonstart gesagt: „Wir müssen Maxi auf beiden Positionen ernst nehmen.“

Ich freue mich über eine solche Aussage. Mir ist es egal, ob ich vorne oder hinten spiele. Ich weiß, dass mit Marvin Plattenhardt noch ein starker Mann hinten agiert. Wenn der Trainer mich deshalb weiter vorne einsetzt, dann kann ich damit gut leben. Ich bin aber eher gelernter Linksverteidiger. Deshalb fühle ich mich auf der hinteren Position etwas wohler.

Was sind denn die Vor- und Nachteile des neuen 3-4-3-Systems?

Auf jeden Fall gibt es uns in der Defensive mehr Sicherheit. Dafür haben wir im Zentrum einen weniger, aber wenn man es gut anstellt, kann man das mit der Fünferkette kompensieren und in der Mitte Überzahl schaffen. Mit den drei Stürmern ist es natürlich attraktiver und man hat mehrere Optionen. Bisher haben wir es mit Arne Meier auch gut geschafft, das Zentrum dichtzumachen.

Durch die offensivere Position könnten Sie Ihr erstes Bundesligator erzielen. Wie reizvoll ist der Gedanke?

Ich habe noch nicht viele gemacht, außer in der Jugend. Mein Ziel ist schon, auch einmal in der Bundesliga zu treffen. Mal sehen, was passiert, wenn ich weiter vorne spiele. Jeder Junge träumt ja davon, in der Bundesliga ein Tor zu machen.

Sie galten schon in der vergangenen Spielzeit als Kandidat für die Startelf. Wie ungeduldig wird man als junger Spieler, wenn es dann doch nicht so schnell geht?

Das liegt vielleicht auch am Typ. Ich war nie so ungeduldig. Natürlich will man spielen, aber ich stelle mich schon hinten an, wenn ich weiß, dass da erfahrene Spieler spielen, die der Mannschaft helfen. Es gibt auch ungeduldige Spieler, die dann direkt den Verein wechseln wollen. Hertha BSC hat mir einen Plan aufgezeigt, wie ich mich weiterentwickeln soll. Da habe ich dem Trainerteam vertraut.

Haben Sie eine Vertrauensperson, die Sie in solchen Phasen berät, wenn sie mal ins Zweifeln kommen?

Ich habe große Unterstützung durch meinen Berater, aber in erster Linie von meiner Familie, vor allem von meiner Mutter. Sie weiß, was das Beste für mich ist. Ich höre auf das, was sie sagt. Bisher hat es immer funktioniert.

Gegen Braunschweig im Pokal und Nürnberg zum Ligauftakt standen mit Jordan Torunarigha, Arne Maier und Ihnen gleich drei junge Spieler aus der eigenen Akademie in der Startelf. Mit Dennis Jastrzembski wurde ein weiterer eingewechselt. Geht da ein gemeinsamer Traum in Erfüllung?

Wir haben es gehofft. Mit Jordan Torunarigha habe ich auch geredet, wie es ist, wenn wir zusammen auf einer Seite spielen. Dass es so klappt, ist super und zeigt den Weg, den der Verein einschlägt. Es gibt ja nicht nur Spieler aus der Akademie. Karim Rekik oder Ondrej Duda sind ja mit 23 auch noch jung.

Wie wichtig sind erfahrene Spieler?

Die Älteren sind durch ihre Abgebrühtheit extrem wichtig. So wie Vedad Ibisevic, der das Zepter auf dem Platz in die Hand nimmt, die jungen Spieler führt. Die Balance ist sehr wichtig. Wenn es so weitergeht, haben wir gute Chancen auch mal etwas zu erreichen.

Gibt es einen Traumverein, für den Sie eines Tages gerne mal spielen würden?

Jeder Junge träumt davon, mal einen Sprung in die oberen Regionen zu machen. Egal, ob das jetzt Real Madrid, der FC Barcelona, Bayern oder englische Topklubs sind. Ich habe jetzt erst einmal das Ziel, mich bei Hertha als Stammspieler zu etablieren. Und dann schauen wir mal, was passiert. Das kommt auch auf die Entwicklung des Vereins an. Wenn ich in fünf Jahren sage, ich bin gereift, aber der Verein spielt auch oben mit, dann kann ich auch hier Großes erreichen.

Apropos Real. Sie sollen ein großer Fan von Marcelo sein. Was fasziniert Sie an dem Linksverteidiger?

Er ist einfach technisch so überragend, der macht sich keine Platte. Er ist auch torgefährlich, schlägt gute Flanken, ist körperlich stark. Er bringt einfach alles mit.

Sie wirken in dieser Saison sehr kopfballstark. Haben Sie viel am Pendel trainiert?

Eigentlich nicht. Mir ist auch aufgefallen, dass auf einmal die Bälle auf mich geschlagen werden und ich Kopfballduelle gewinne. Meine Sprungkraft ist ganz okay. Ich denke, ich habe ein gutes Timing. Das macht viel aus.

Sie sind ein Berliner Junge und sehr heimatverbunden. Sie engagieren sich bei Ihrem ersten Verein SC Staaken?

Der Kontakt zum SC Staaken ist mir sehr wichtig. Ich habe nicht vergessen, wo ich herkomme. Da habe angefangen, meine Oma wohnt direkt gegenüber vom Platz. Mein kleiner Bruder spielt da noch in der A-Jugend. Da schaue ich manchmal zu. Und es gibt die Maximilian-Mittelstädt-Ferienfußballschule. Ich bin dann immer einen Tag da, gebe Autogramme und mache Fotos.

Was hat sich in den zweieinhalb Jahren als Profi verändert?

Früher wollte ich zu viel in einem Spiel, bin auch mal blind in einen Zweikampf gegangen. Aber je mehr Einsätze man hat, umso mehr bekommt man ein Gefühl dafür. Jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich weiß, wie ich am besten in einen Zweikampf gehe, ohne zu stürzen oder Foul zu spielen.

Sie und Jordan Torunarigha waren im Sommer mit der U 20 Sparringspartner für die A-Nationalelf vor der Weltmeisterschaft in Russland. Was haben Sie dort gelernt?

Das war schon sehr beeindruckend. Wir haben ja mit A-Elf trainiert und zwei Spiele gemacht. Das ist eine ganz andere Qualität. Im ersten Spiel haben wir uns ganz schön umgeschaut, wie schnell das Spiel dort war. In der zweiten Partie haben wir uns weniger gefallen lassen, haben gut gespielt, aber auch verloren. Aber es war ein schönes Erlebnis. Wir haben auch einen Grillabend gemacht, uns mit einigen Nationalspieler wie Antonio Rüdiger und Leroy Sané unterhalten. Das war eine gute Erfahrung.

Manuel Neuer stand im zweiten Spiel bei Ihnen im Team im Tor. Wie war das für Sie?

Das war schon etwas anderes, wenn du einen Manuel Neuer hinten im Tor hast. Er hat die Spieler vielmehr gelenkt, hat ein paar Dinger rausgeholt. Wenn der vor dir steht, da hast du schon Respekt. Und er gibt dir als Abwehrspieler komplett Sicherheit. Du weißt, wenn mal einer durchkommt, dann steht da noch der beste Torwart der Welt.

Das Gespräch führte Sebastian Schmitt