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Hertha-Kolumne: So kann ein Mentalitätsspieler den Blau-Weißen jetzt helfen

driehorst

Gerd Driehorst hat als Mentalcoach früher Hertha BSC betreut. Jetzt berät er Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik.

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Imago Images

Ganz ehrlich: Ich schaue mit Bauchgrummeln auf das Spiel zwischen Mainz 05 und Hertha BSC. Am Sonnabend trifft der Tabellenletzte Mainz auf den Vorletzten aus Berlin. Was Hertha bislang gezeigt hat,  ist für mich noch kein Beinbruch, aber die zwei heftigen 0:3-Niederlagen zuletzt schufen eine prekäre Situation, die sich bei einer weiteren Pleite in Mainz zu einer handfesten Krise ausweiten könnte. Was also tun? Wie Gegensteuern?

Ante Covic: "Brauchen Stabilität"

Trainer Ante Covic sagt: „Wenn du wie wir acht Gegentore in drei Spielen bekommen hast, brauchst du eine gewisse Stabilität auf dem Spielfeld und Mentalitätsspieler.“ Genau. Doch was zeichnet  Profis aus, die als Mentalitätsspieler tituliert werden und die in komplizierten  Situationen ganz besonders begehrt sind?

Ich habe mir Antworten von Gerd Driehorst geholt. Heute 57, war er 1998 der erste Mentalcoach bei Hertha und auch der erste offizielle Mentaltrainer in der gesamten Bundesliga. Der damalige Manager Dieter Hoeneß sicherte sich die Dienste des anfangs geheimnisumwitterten Mannes, eines studierten Germanisten und promovierten Philosophen. Trainer Jürgen Röber tolerierte dessen wertvolle Hilfe im Hintergrund, die damals viele Profis in Anspruch nahmen. 2004 endete die Zusammenarbeit. Driehorst berät  Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik.

Er sagt: „Mentalitätsspieler besitzen eine hohe Widerstandskraft. Sie bringen unabhängig von den Rahmenbedingungen ihre Leistung auf dem Platz. Sie haken Fehler sofort ab und sind schnell wieder fokussiert. Sie lieben Druck, spielen häufig sehr körperlich.“ Für Driehorst waren  Tennis-As Boris Becker oder Fußball-Profi Matthias Sammer großartige Mentalitätsspieler.

Driehorst glaubt, der  Auftakt  beim FC Bayern (2:2) habe sich  als Ballast erwiesen, weil sich viele Spieler in Sicherheit und  auf dem richtigen Weg wähnten.  Für Driehorst war der Druck auf Trainer und Team vor Saisonbeginn sehr hoch,  weil Manager Michael Preetz über mehr Geld auf dem Transfermarkt verfügte als je zuvor und höhere Ziele formuliert wurden. „Jetzt muss man  vom Ziel abrücken, attraktiven Fußball zu bieten, und Punkte holen. Man muss den Druck herausnehmen, was die Ansprüche betrifft. Vorerst jedenfalls“, sagt Driehorst: „Jetzt bräuchte man mehrere Profis vom Schlage eines Pal Dardai. Der war  ein toller Mentalitätsspieler.“

Doch diese Typen sind im aktuellen Kader  eher rar gesät. Die Hoffnungen ruhen  auf Zugang Marius Wolf, dem eine starke Mentalität nachgesagt wird. Für mich passen in diese Kategorie auch Vedad Ibisevic und Per Skjelbred.

Driehorst: Covic ist kommunikativ

Und der Trainer? Driehorst hält Covic für  kommunikativ, eloquent,  „aber der Stress für ihn ist in der Bundesliga ungleich höher und intensiver, als etwa in der Regionalliga. Dort war wenig Druck vorhanden.“ Der auf Rhetorik, Kommunikation und Konfliktbewältigung spezialisierte Mentalcoach empfiehlt Covic eine klare Ansprache ans Team, „entschlossen und mit einer gewissen Distanz, aber natürlich kann er einen Spieler auch mal in den Arm nehmen.“ Driehorst sagt: „Ich hoffe, Covic strahlt weiter Energie aus, kann dem Team schnell den Punch zurückgeben, dann könnte die im Moment schwierige Situation schnell vergessen sein.“

Driehorst liegt verbale Einmischung in das Geschehen bei Hertha fern. Ich habe ihn  um seine Meinung gefragt. Die halte ich für interessant.