Neuer Inhalt

Tischtennis: So will TTC Eastside wieder Nummer eins in Deutschland werden

TTC Eastside Gu

China-Export: Die Chinesin Yuting Gu rangiert auf Platz 15 der Weltrangliste. Für Eastside spielt sie ausschließlich in der Champions League.

Foto:

imago/AFLOSPORT

So viel internationale Tischtennis-Klasse auf engstem Raum hat es selten gegeben. Als der im Mai entthronte Deutsche Meister der Frauen, der TTC Eastside, am Freitag in einem Berliner Hotel seine neu formierte Mannschaft vorstellte, wimmelte es vor Spitzenspielerinnen, die sich beinahe alle bereits in Europa viele Meriten erworben hatten.

So war es nur folgerichtig, dass Alexander Teichmann, der Klubpräsident, verbal in die Offensive ging und als Saisonziel verkündete: „Unser Motto heißt: Zurück an die Spitze! Wir wollen mit diesem Team in Deutschland wieder die Meisterschaft und den Pokal gewinnen und in der Champions League nach realistischer Einschätzung mindestens das Halbfinale erreichen.“

Der Stachel, im Mai nach Jahren der Dominanz den Meistertitel verloren zu haben und in der Champions League im Halbfinale gegen Bursa aus der Türkei ausgeschieden zu ein, saß tief, obwohl die Gründe dafür schlüssig waren. Schwangerschaften von Shan Xiaona, der Nummer eins, und von Kathrin Mühlbach sowie der Totalausfall der Nationalspielerin Petrissa Solja wegen „mentaler Erschöpfung“ waren nicht zu kompensieren. Der Meistertitel ging an Kolbermoor, es blieb nur der Gewinn des nationalen Pokals – zum fünften Mal in Serie.

ttc Berlin eastside 2018 (2)

Gut aufgestellt: Eastside-Trainerin Irina Palina, Nina Mittelham, Matilda Ekholm, Diya Parag Chitale, Gina Pota, Krittwika Sinha Roy (v.l.).

Foto:

Goessinger

„Wir haben uns deshalb als Konsequenz daraus vor allem breiter aufgestellt“, sagt Teichmann, „wir müssen und wollen variabler sein. Wenn wir – wie angestrebt – in alle Finals kommen wollen, werden unsere Aktiven rund 40 Spiele bestreiten müssen. Das ist eine sehr hohe Belastung.“

Neu in der Mannschaft sind die schwedische Internationale Matilda Ekholm, 36, die seit vielen Jahren auf europäischer Bühne eine gute Rolle spielt, und die deutsche Nationalspielerin Nina Mittelham, 21. Dazu kommen die Ungarin Gina Pota, 35, die in ihre elfte Saison beim TTC Eastside geht. Pota und Ekholm spielen zudem seit zwei Jahren erfolgreich als Doppel bei internationalen Turnieren. Neben der Inderin Krittwika Sinha Roy, 24, die schon im Vorjahr einige Bundesligaspiele bestritt, gehört auch die erst 15-jährige Inderin Diya Parag Chitale zum Team. Teichmann bezeichnet sie als „Ausnahmetalent“ und „Hoffnungsträgerin des aufstrebenden indischen Tischtennis.“ Chitale, die mit Familie anreiste, hat bisher bei den 15-Jährigen weltweit eine gute Rolle gespielt.

Rio-Zweite Shan Xiaona ist dabei

Der Kontakt zu den Inderinnen kam über den ehemaligen deutschen Spitzenspieler Peter Engel zustande. Der 64-Jährige Weltenbummler in Sachen Tischtennis trainierte einst Indiens Nationalteam, war zuvor auch als Nationalcoach in Holland und Spanien am Ball.

Weiter Schmettern für Eastside: Kathrin Mühlbach, 26, die im April Mutter eines Mädchens wurde und die Silbermedaillengewinnerin von Olympia in Rio Shan Xiaona. Die 35-Jährige brachte im Juli ein Mädchen zur Welt und soll Anfang 2019 zum Team stoßen. Mühlbach steht dagegen schon bald zur Verfügung.

Ausschließlich für die Champions League hat Eastside die Chinesin Yuting Gu, 23, gemeldet, eine Linkshänderin. Die „explosive Offensivspielerin“, so wird sie beschrieben, steht im Moment sogar auf Platz 15 der Weltrangliste. Da sie auch in der chinesischen Liga aktiv ist, darf sie nicht in der Bundesliga antreten, aber international für Berlin spielen. „Sie wird die ersten Duelle in der Königsklasse für uns bestreiten“, sagt Alexander Teichmann.

Saisonstart am Sonntag

Schon am Sonntag wird das Team von Trainerin Palina, 48, die seit 1997 beim TTC arbeitet, zum ersten Mal an die Tische treten. Beim Qualifikationsturnier um den deutschen Pokal sollen Pota, Mittelham und Ekholm die ersten Siege einfahren.

Matilda Ekholm, die erfahrene Schwedin, hat das Zeug zum Publikumsliebling in Berlin. „Ich wollte unbedingt einmal für Eastside spielen. Das war immer mein Traum“, erzählte die Nummer 28 der aktuellen Weltrangliste, „ich habe in Berlin und bei dieser Mannschaft ein Supergefühl.“ Ekholm gilt als sehr emotionale Spielerin, die die Zuschauer animiert und mitreißt. „Sie hat sehr viel Power“, sagt Irina Palina.

Mit Nina Mittelham, die von TuS Bad Driburg nach Berlin wechselte, hat der TTC „die talentierteste deutsche Spielerin“, so Präsident Teichmann, im Team. Sie hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben und soll in Zukunft die Nachfolge von Petrissa Solja als „Gesicht von Eastside“ antreten. Nationalspielerin Solja, 24, wechselte zum Erstliga-Aufsteiger TSV 1909 Langstadt.

In Berlin stieß ihr Verhalten in der Vorsaison auf Unverständnis. Nach einer Auszeit wegen „mentaler Erschöpfung“ und „Überspieltsein“ war sie nicht mehr in der Lage, für den TTC anzutreten, obwohl sie später internationale Turniere spielte und in der deutschen Nationalmannschaft schmetterte. Ihr Vertrag, den Eastside in für sie schweren Zeiten sogar verlängern wollte, lief im Sommer aus. Es kam zu einer „wortlosen Trennung“, so Präsident Teichmann. „Aber es bleibt vor allem eine erfolgreiche gemeinsame Zeit, Petrissa war ein wichtiger Teil von uns.“

Neues Trainingszentrum

 Eastside ist noch an einem anderen Projekt beteiligt. In der Paul-Heyse-Straße im Prenzlauer Berg, wo die Mannschaft trainiert und oft ihre Heimspiele bestreitet, soll ein Trainingszentrum für Tischtennis – fokussiert auf talentierte Mädchen und Frauen – entstehen. Die Umsetzung des ambitionierten Plans befindet sich im Anfangsstadium.

Das letzte Wort nach der Vorstellung der neuen Mannschaft gehörte am Freitag noch einmal TTC-Präsident Teichmann: „Wer Deutscher Meister werden will, der muss uns schlagen.“ Alle Spielerinnen nickten zustimmend.