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Heftige Debatte um Union: So verdient der neue Hauptsponsor sein Geld

Das Hilton am Gendarmenmarkt gehört Aroundtown – ein Vorzeigeobjekt. Sonst konzentriert sich der Großkonzern auf weitaus weniger prestigiöse Immobilien.

Das Hilton am Gendarmenmarkt gehört Aroundtown – ein Vorzeigeobjekt. Sonst konzentriert sich der Großkonzern auf weitaus weniger prestigiöse Immobilien.

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imago / Steinach

Das Unternehmen, das jetzt als der neue Hauptsponsor des 1. FC Union im Zentrum einer heftigen Kontroverse steht, ist der mit dreifachem Abstand größte Gewerbeimmobilienkonzern in Deutschland. Leerstehende Geschäfte, veraltete Einkaufscenter am Stadtrand, marode Lagerhallen mit blinden Fenstern – wo andere möglichst schnell weg wollen, erkennt die Aroundtown Property Holding lukrative Geschäfte.

Immobilien mit Problemen

Aroundtown gehören Hunderte Gebäude, Bürotürme, Shoppingmalls, luxuriöse Hotels wie das Hilton am Gendarmenmarkt. Gewinne gemacht hat der Konzern aber vor allem mit einer, wie er selbst es nennt „Value Add Strategie“. Das bedeutet: Aroundtown konzentriert sich auf Immobilien, die mit Problemen verknüpft sind. Die Eigentümer stecken oft in finanziellen Schwierigkeiten und haben es eilig mit dem Verkauf. „Wir zahlen bar, wir zahlen schnell, aber wir zahlen weniger“, hat der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Andrew Wallis vor einigen Jahren der Immobilienzeitung erklärt.

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Prall gefülltes Portfolio: Das Shopping-Center "Der Clou" in Reinickendorf gehört Aroundtown. 

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imago/Andreas Gora

Mit dieser Strategie hat der Konzern viel Geld gemacht; das kommt vor allem institutionellen Anlegern zugute. Zu den größten Anteilseignern zählt etwa die Fondsgesellschaft Blackrock. Das Portfolio von Aroundtown ist mehr als 14 Milliarden Euro schwer, ein Fünftel der Immobilien liegen in Berlin. Über seine Beteiligung an der Gesellschaft Grand City Property (GCP) profitiert der Konzern außerdem vom rentablen Segment Wohnimmobilien: Aroundtown hält 39 Prozent von GCP, der 84 000 Wohnungen in Deutschland gehören.

Zusammen kontrollieren Aroundtown und Grand City Immobilien im Wert von 20 Milliarden Euro. Beide sind im MDax der Frankfurter Börse gelistet; dennoch blieb ihr enormes Wachstum bislang weitgehend unbemerkt. Nun fällt mit der Ankündigung des 1. FC Union ein Schlaglicht auf den Konzern, zugleich geriet der Verein wegen seines neuen Sponsors in die Kritik. Auf Twitter machten aufgebrachte Reaktionen von Fans unter dem Hashtag #NotMyHauptsponsor die Runde.

Zwar ist Grand City bereits seit zwei Jahren Sponsor der A- und B-Jugend von Union. Dennoch erweist sich das Engagement von Aroundtown als heikel: Die Wut über steigende Mieten in Berlin trifft hier auf die Sorge der Fans, Union könne mit dem Aufstieg in die Bundesliga seine bodenständige Identität verlieren. Auf dem Blog textilvergehen.de ist von einer „bemerkenswert instinktlosen Entscheidung“ die Rede.

Union-Fan Holm kritisiert

Schon vor Wochen brachte der Union-Fan und Stadtsoziologe Andrej Holm in einem Interview mit dem Magazin „11Freunde“ soziale Verdrängung in der Stadt und Gentrifizierung im Fußball in Zusammenhang: „Das Stadion an der Alten Försterei ist immer voller, quasi eine Metapher zu Berlin“, sagte er. „Es platzt aus allen Nähten. Natürlich stellen sich Fragen, wie viele Neue noch reinpassen und wie es für die wird, die schon immer da sind.“ Tatsächlich steht der Aroundtown, eine Holding mit verschachtelten Strukturen und Sitz in Luxemburg, für einen Wandel auf dem Immobilienmarkt, weg von privaten Vermietern, hin zu international agierenden Konzernen.

Bei Grand City liegen die Mieten in Berlin mit 7,60 Euro im Schnitt recht hoch, so steht es in einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung über große Immobilienkonzerne, trotz „relativ geringer Ausgaben für Instandhaltung und Modernisierung wurden die Mieten in den letzten Jahren jeweils um mehr als fünf Prozent erhöht“.

364 Millionen Euro netto

Grand City gibt seine Netto-Mieterträge in einer Präsentation mit jährlich 364 Millionen Euro an – und offenbar sind die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft: Das Marktpotenzial ließe 467 Millionen zu; es gebe viel Spielraum nach oben „für Mieterhöhungen auf Marktniveau“.

Union gab eine Zusammenarbeit bis 2021 mit Aroundtown bekannt, mit Option für eine Verlängerung um ein weiteres Jahr. Der Verein verkündete die Neuigkeit auf seiner Website. Dort wurde auch Wallis zitiert, der Vize-CEO von Aroundtown: Auf die Frage, wie es sein wird, das Logo seiner Firma beim ersten Bundesligaspiel auf der Brust der Spieler zu sehen, habe er gesagt: „Für uns alle im Unternehmen wird das ein sehr stolzer Moment sein.“