Interview mit Unions Michael Parensen: „Mein Weg hier ist noch nicht zu Ende“

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Bei Drehungen und Wendungen im Nachteil: Michael Parensen.

Foto:

Matthias Koch

Längst ist bei Michael Parensen in Vergessenheit geraten, dass er gar kein Berliner ist, sondern aus Bad Driburg stammt. Seit 2009 ist er da. 198 Zweitligaspiele für Union! In seinem vielleicht letzten Sommertrainingslager für die Eisernen hat sich der 32-Jährige in Klosterpforte Zeit genommen, um ein paar Dinge zu erklären.

Herr Parensen, wissen Sie, dass Sie gefährlich leben?

Wieso das denn?

Sie haben einem Fotografen versprochen, dass er in Sachen Foto alles mit Ihnen machen darf, wenn Sie die 200-Spiele-Marke voll machen. Zwei Spiele fehlen noch.

Das wäre sehr schön. Sich aber darauf zu fokussieren, wäre fehl am Platze. Vor einem Jahr haben mir noch zehn Spiele zur 200 gefehlt, und wir waren alle der Meinung, dass sehr viel passieren müsse, damit diese Marke überhaupt in Reichweite kommt. Jetzt ist halt viel passiert. Wer hätte gedacht, dass auf einmal ein neuer Trainer kommt, und ich wieder eine echte Rolle spiele? Wichtig ist, bereit zu sein, sein Ding zu machen. Ich habe mir eigentlich nur vorgenommen, so viel Spaß wie möglich zu haben. Auch wenn mir jetzt nach den ersten Tagen die Beine ein bisschen wehgetan haben.

Sie haben ja mehrere Trainer Union-Trainer erlebt. Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Urs Fischer?

Bislang rundum positiv. Von der Kommunikation ist da eine gewisse Art von Lockerheit da, ohne die Ernsthaftigkeit des Fußballspiels vermissen zu lassen. Der Trainer transportiert das ganz gut in die Mannschaft. Er gibt uns viel Freiheit auf dem Platz, auch die, Fehler zu machen. Er sagt, dass wir auch in kritischen Situationen die Ruhe behalten sollen. Das strahlt er auch aus. Deswegen bin ich absolut positiv gestimmt nach den ersten Tagen.

Aber er greift oft ein bei Fehlern.

Ja, genau, er korrigiert. Er hat seine Idee, und zu Beginn muss man halt viel darüber sprechen. Natürlich kriegt man so etwas nicht in den ersten Tagen rein. Von daher ist es ja gut, dass wir uns untereinander darüber unterhalten, aber er eben natürlich auch viel mit uns spricht.

Das Team hat viele Zugänge mit Erfahrungen dazubekommen. Das lässt durchblicken, dass in der Vorsaison Mentalitätsspieler gefehlt haben und es nicht nur Pech war.

Sehe ich ähnlich. Ich glaube absolut nicht, dass es nur Pech war. Das haben wir uns schon selbst zuzuschreiben. Wir haben gute Jungs dazubekommen, die eine gewisse Ruhe ausstrahlen können. Weil sie schon viel erlebt haben, aufgestiegen sind oder Schlachten gegen den Abstieg geschlagen haben. Sie haben sich schon gut eingefügt, und ich hoffe, dass wir einen Spirit hinbekommen, um die Zweite Liga anzunehmen.

Einige kommen von Absteigern. Tragen die nicht ein Päckchen mit sich?

Ich glaube, dass sie das allein durch den Vereinswechsel relativ schnell abhaken können. Es wäre anstrengender, wenn man abgestiegen ist und dorthin wieder zurückkehren muss. Das dann alles wieder sieht und mit den Leuten von draußen ständig im Kontakt ist, merkt, wie enttäuscht sie sind. Das wäre schwieriger. Hier haben sie ein neues Umfeld, einen neuen Trainer. Das hilft. Klar, man spricht auch ein bisschen darüber, wie das passieren konnte. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass sie nur mit sich selber beschäftigt sind.

Was nehmen Sie mit in die neue Saison nach einer Saison der Enttäuschungen?

Wir haben unsere Lehren gezogen. Ich für mich auch. Beispielsweise zu beobachten, wie man in so eine Situation kommt. Wie sich so etwas entwickelt, ohne dass man es kommen sieht oder kommen sehen will und dann nicht reagiert oder zu spät reagiert. Wir haben im letzten Jahr viel zu spät als Mannschaft reagiert, waren zu passiv. Weil jeder mit seinen eigenen nicht erfüllten Ansprüchen klarkommen musste. Das ist etwas, das ich mitgenommen habe: auf solche Signale zu achten. Und ich will, Teamgeist ist ein großes Wort, aber ja, die Leute in die richtige Richtung drängen. Das kann dieses Jahr eine Aufgabe von mir sein.

Wo würden Sie sich am liebsten einbringen? Sie können von allem etwas, hinten links, linke Außenbahn, Innenverteidiger – und Sie haben gezeigt, dass Sie auch auf der Position des zentralen Mittelfeldspieler gut zurechtkommen. Doch letztlich ist Ihnen stets ein Spezialist einen Tick voraus.

Mittlerweile ist die zentrale Position für mich ein bisschen mehr gemacht als die Position außen. Ich habe das Spiel lieber vor mir. Die Jungs da außen bringen ja heute alle eine gewisse Dynamik mit, die mir mittlerweile fehlt. Da haben wir ein paar Jungs, die das besser draufhaben als ich. Die gegnerischen Außenspieler werden auch immer flinker.

Ist aber unfair, dass die Herrschaften immer schneller werden ...

Okay, ich werde schon langsamer. Das muss man sich eingestehen.

Von Verfall ist bei Ihnen nichts zu sehen, mal abgesehen von den grauer werdenden Haaren.

Man merkt das beispielsweise, wenn es darum geht, Abbrechbewegungen zu machen oder sich schnell abzudrücken. Drehungen, Wendungen. Da sieht man, dass man nicht mehr der Allerjüngste ist. Die Jungen heutzutage sind auch vom Körperlichen her besser auf den Profifußball vorbereitet worden. Viel agiler, als wir es damals waren.

Seit wann merken Sie das bei Ihnen?

Seit gestern. Nein im Ernst, vielleicht spielen die Verletzungen eine Rolle, bei denen ich früher immer gedacht habe, dass die mich eigentlich nicht so viel an Substanz gekostet haben. Aber es summiert sich wohl mit den Jahren. Man regeneriert nicht mehr so gut. Da geht eine gewisse Dynamik flöten.

Wie gehen Sie damit um?

Man muss sein Spiel ein bisschen umstellen und versuchen, dank der Erfahrung im Kopf einen Schritt schneller zu sein. Man kann viele Situation im Geist vorher abrufen, weil man sie schon mal erlebt hat. Das ist vielleicht für einen Defensivspieler etwas einfacher. Weil man eher reagieren muss als ein Offensivspieler.

Sie hätten es sich einfacher machen und noch ein paar Jahre eine Liga tiefer rumspielen können oder so.

Ja, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich nie den einfachsten Weg gehe. Und ich bin Union sehr verbunden, habe hier viel Positives erlebt. Den ganzen Rückhalt bei Verletzungen. Davon, was der Verein und die Menschen drum herum mir gegeben haben, möchte ich viel zurückgeben. Deswegen ist mein hier noch nicht zu Ende.