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UnionBerlin

Kreilach wechselt in die USA: „Es waren unglaublich schöne und emotionale Jahre“

Kreilach

Ein eiserner Förster weniger: Damir Kreilach macht Winke-Winke.

Foto:

Matthias Koch

Am Ende überstürzten sich die Ereignisse. Beim Auswärtsspiel in Bielefeld noch staunten nicht wenige, dass Damir Kreilach mal wieder zur Startelf gehörte. Zwei Tage später dann war er weg.

Der Mittelfeldmann Kreilach wandert aus in die USA. Mit sofortiger Wirkung. Statt Kultkick beim 1. FC Union geht der Kroate sein Profidasein künftig unter Mormonen in Salt Lake City an. Union verkündete großzügig, der Klub gestatte es dem verdienten Helden der Alten Försterei, seinen Zielen nachzugehen: „Jetzt hat sich die Chance geboten, einen Traum wahr werden zu lassen und mit meiner Familie nach Amerika zu gehen“, zitiert der Verein Kreilach, „deshalb bin ich Union sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit nutzen darf.“

Irgendwie hatte sich die Entwicklung in dieser unplanmäßig verlaufenden Saison angekündigt. In einer Mannschaft, die das Siegen verlernt hat, zählte Kreilach zu den plötzlichsten Verlierern. „In Rijeka habe ich als Kind mit dem Fußball angefangen und bin dort Profi geworden. Die Entscheidung ins Ausland zu wechseln ist mir nicht leichtgefallen, aber einen besseren Verein als Union hätte es für mich wohl nicht geben können“, sagt Kreilach, „es waren unglaublich schöne und emotionale Jahre.“

Unions Glück war sein Pech

Aber sie haben ein eher tragisches Ende genommen. Und das ohne Ankündigung. Es zählt zu den Härten des Profifußballs, dass um die elf Startplätze überall ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb herrscht. Kreilach weiß das. Als er sich einst auf das Abenteuer Union einließ, versprach der neue Arbeitgeber sich von dem Mann, der erstmals außerhalb seiner Heimatstadt Rijeka seinem Beruf nachging, eine zu Unkonzentriertheiten neigende Defensive im Mittelfeld abzusichern.

Kreilach funktionierte sofort tadellos. Trainer kamen und gingen, Kreilach blieb stets unter den ersten elf. Wenn er fit war, spielte er, und weil er immer zu den Fittesten gehörte, spielte er immer. Vier Jahre Union, sechs Spiele ausgesetzt, ausschließlich wegen Sperren. Und sein Zuständigkeitsbereich erweiterte sich. Auf dem Feld in die Offensive: Mit 33 Treffern fehlen ihm nur noch neun zum erfolgreichsten Zweitligaschützen der Eisernen, Torsten Mattuschka. Außerhalb des Feldes in die Exekutive: Als der Trainer zwischenzeitlich Norbert Düwel hieß, ersetzte Kreilach schon mal Mattuschka als Kapitän.

Serie aus Niederlagen 

Als Sascha Lewandowski das Amt übernahm, musste Kreilach die Verantwortung an Benjamin Kessel übergeben. Fixpunkt der Mannschaft auf dem Feld blieb er, sogar noch in dieser Saison. Mal spielte er zu Beginn hinter den Spitzen wie gegen Nürnberg, mal vor der Abwehr wie gegen Bielefeld, ganz nach den Notwendigkeiten der Taktik.

Doch als die Saisonziele vom Aufrücken unter Deutschlands Top 20 nach der zweiten Partie allmählich in einer Serie aus zwei Niederlagen und drei Unentschieden außer Sichtweite gerieten, erwischte die Trainerpanik Kreilach. Ausgerechnet gegen Kaiserslautern, dieses zum Torschussfestival einladende Abstiegsensemble, musste Kreilach zum ersten Mal seine Stammposition räumen.

Hoppla-hier-geh-ich

Müsste man sich auf einen Zeitpunkt festlegen, käme man wohl zum Schluss, dass es dieser Abend gewesen sein dürfte, an dem der Raum für Träume von seiner Zukunft in den USA geschaffen wurden. Mit Grischa Prömel gewann die Mannschaft 5:0 und danach auch noch in Aue und Regensburg sowie gegen Fürth. An der Personalie Kreilach dürfte das kaum allein gelegen haben, aber Unions Glück war sein Pech. „Da gibt es nicht allzu viele Anlässe, wieder zu wechseln“, sagte Trainer Jens Keller und änderte seine Meinung auch nicht, als sich die nächste Ergebniskrise einstellte.

Und auch bei seinem Hoppla-hier-geh-ich-Abgang war es nicht die Personalie Damir Kreilach, die die Entmachtung mit herbeiführte, sondern die des Kollegen Steven Skrybski, ein gleichsam Aussortierter. Jedenfalls brachte es Kreilach in den vergangenen 13 Spielen zusammen auf so viele Einsatzminuten, die er sonst in drei Partien erreicht hatte. Der Wechsel zu André Hofschneider half ihm so wenig wie dem Klub bisher.

„Für meine Familie und mich beginnt nun ein neues Abenteuer"

Alles soll sich ab dem 4. März nun wieder ändern, wenn die Real Salt Lake die US-Saison in Texas beim FC Dallas beginnen. Mit seiner körperlichen Präsenz und seiner Torgefahr wird er eine gute Rolle in den Staaten spielen, wo der Profifußball trotz der importierten Starspieler noch nicht über deutsches Zweitliganiveau hinausgekommen ist.

Mit 28 Jahren war er schließlich definitiv zu jung für die Bank, selbst wenn die in einem Kultstadion in Köpenick steht. „Für meine Familie und mich beginnt nun ein neues Abenteuer, auf das ich sehr neugierig bin. Noch mal ein neues Land, eine neue Sprache und eine andere Kultur – das wollte ich als Fußballer unbedingt noch erleben“, verabschiedet er sich: „Union wird in meinem Herzen bleiben.“