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UnionBerlin

Union-Kolumne Eisern: Es könnten sich bei Gentner, Subotic oder Ujah erste Risse auftun

fischerenttäuscht

Wegschauen? Von wegen! Union-Trainer Urs Fischer ist vor dem Augsburg-Spiel auch als Moderator gefragt.

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imago images / Matthias Koch

Was tun nach solch einer klatschenden Ohrfeige wie dem 0:4 im vorläufigen Spiel der Spiele? Was lernen aus der Vorführung gegen den zwar ungeliebten, trotzdem aber haushoch überlegenen Gegner aus Leipzig? Wie die Enttäuschung, den Frust, die nicht nur gefühlte, sondern tatsächliche Machtlosigkeit gegen den Vorjahresdritten verarbeiten? Wie den Klassenunterschied (nicht den in der Vereinsphilosophie, sondern den in allen Bereichen des eigentlichen Spiels) erklären? Vor allem aber: Wie das nächste Spiel anpacken, das am Sonnabend in Augsburg gegen den, nun ja, Tabellennachbarn?

Fragen über Fragen stellen sich nach dem, man kann es durchaus so nennen, Desaster. Fragen, die sich so ähnlich vielleicht auch Urs Fischer gestellt hat. Etwa die, ob es richtig war, in der Abwehr auf die Erfahrung aus 209 Bundesliga- und 36 Länderspielen von Neven Subotic zu verzichten. Oder die, warum gerade Christian Gentner, mit zwei Meistertiteln und 377 Erstligaeinsätzen im Rücken die Routine schlechthin, zur Pause in der Kabine bleiben muss. Eventuell auch die, warum Suleiman Abdullahi trotz Trainingsrückstandes erste Wahl gewesen ist und es nicht mit Anthony Ujah besser gegangen wäre.

Ich weiß, hinterher sind alle schlauer. Urs Fischer, jetzt als Seelentröster gefragt und als Mehrfach-Schalter-Umleger, natürlich auch. Wahrscheinlich wäre der große Tag für den Verein und auch für jeden Spieler trotzdem nicht mit einem Sieg oder wenigstens einem Punkt gekrönt worden. Zu stark nämlich, auch das sollte man anerkennen, war der Gegner. Die Gefahr, die ich bei allem aber sehe, ist: Es könnten sich schon nach den ersten 90 Minuten bei Gentner, Subotic, Ujah und vielleicht auch Marcus Ingvartsen Risse auftun, Haarrisse nur, die noch niemand wahrnimmt, die sich aber ins Gemüt fressen und die später nicht einmal durch den Support der Anhänger gekittet werden. Zumindest ist es ungewöhnlich, dass Königstransfer 1 spektakulär ausgewechselt wird und Königstransfer 2 gar nicht spielt. Damit braucht Urs Fischer nun auch die Kunst des Moderierens.

ujah

Augen auf und durch: Anthony Ujah muss jetzt beim FC Augsburg Vollgas geben. 

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imago images / Camera 4

Die nächsten Fragen dabei sind: Was jetzt? Und vor allem: Was tun? Klar, die Demontage, so weh es tut, aber es war eine, abhaken. Ebenso klar, alle Kraft auf Augsburg. Die Schwaben, auch klar, sehen es genauso, nur umgekehrt. Sie stehen nach ihrem 1:5 in Dortmund sogar mehr unter Druck. Gegen wen, werden sie sich aufziegeln, sollten wir zu Hause gewinnen, wenn nicht gegen Union.

Andererseits weiß alle Welt, dass Druck nicht immer der beste Mitspieler ist. Auch, dass ein Punkt für die Eisernen gefühlt ein Sieg wäre und für die Augsburger eine Niederlage. Wichtig ist: Das eiserne Herz darf nicht kollabieren.

Ach ja, das letzte Mal, dass ein Bundesliga-Aufsteiger mit einer Vier-Tore-Demütigung in die Saison startete, war 1994. Damals, es gab für einen Sieg noch zwei Punkte und nicht drei, verlor 1860 München bei Borussia Dortmund ebenfalls 0:4. Wie ewig lange das her ist, wird an den Namen der Spieler deutlich. Beim BVB gab Matthias Sammer, in zwei Wochen wird er 52, den Ton an, für die Löwen spielte der in der Alten Försterei nicht ganz unbekannte Jens Keller.

Das Beste daran aber ist: Für beide ging die Saison gut aus. Dortmund wurde vor Bremen (!) und Freiburg (!!) Meister, die Bayern wurden nur Sechster (!!!) und 1860 – Beispiel nehmen, Union! – hielt souverän die Klasse.