Noch einmal wollen wir den garstigen Namen aussprechen: Zigeunerschnitzel. So, und jetzt ist Schluss damit. Jedenfalls hier und heute. Schließlich gibt es gute Argumente, den auf diese Weise benannten kulinarischen Sachverhalt mit einem alternativen Namen zu bezeichnen. Darüber wurde in den letzten Jahren viel diskutiert, vor allem politische Gründe spielten eine Rolle, genauer gesagt: Gründe der Political Correctness. Besonders hervorgetan hat sich der Verein von Sinti und Roma in Hannover, sein Vorsitzender Regardo Rose etwa forderte unlängst die Hersteller von Zigeunersauce auf, sich doch endlich eine andere Bezeichnung einfallen zu lassen und schlug gleich „Paprikasauce“ oder ganz schlicht „Pikante Sauce“ vor.

Dass wir es nicht mit einem bloßen Geschmacksurteil zu tun haben, machte Rose bei der Gelegenheit auch deutlich: Er fühle sich diskriminiert, wenn von Zigeunern die Rede sei, immerhin seien neun Geschwister und weitere Familienmitglieder im Konzentrationslager ermordet worden. Außerdem habe die Zigeunersauce keine kulinarischen Wurzeln in der Küche der Roma und Sinti, sondern eher in Ungarn. Das sind gleich zwei starke Argumente, nämlich ein erinnerungspolitisches und ein kochkundliches. Gleichwohl zeigten sich die so angesprochenen Hersteller bislang ungerührt. Der Verband der Hersteller kulinarischer Lebensmittel verwies auf eine über hundertjährige Tradition bei der Verwendung des Wortes „Zigeuner“.

Ende der Diskussion? Mitnichten! Einer Initiative der Stadt Hannover ist nun zu verdanken, dass doch noch Bewegung in die Angelegenheit kommt: Der garstige Name des Schnitzels, von dem am Anfang die Rede war, wird auf den Speisezetteln der Hannoveraner Rathauskantine verschwinden. Bravo, endlich zeigt die Politik einmal Initiative. Allerdings lässt sie es wieder einmal an visionärer Kraft fehlen. Denn wie soll das Ding nun heißen? Wir schlagen vor: Tomaten- oder Ketchupschnitzel. Das ist zugegebenermaßen etwas schmucklos, ja geradezu ernüchternd trist.

Aber genauso trist ist schließlich auch die kulinarische Wahrheit, mit der wir es hier und heute zu tun haben: War das Schnitzel mit dem garstigen Namen früher eine aufwendig hergestellte Leckerei, bei der in Mehl gewendetes Kalbfleisch in Butter gebraten wurde und die Garnitur aus feinstreifig geschnittener, gepökelter Kalbszunge sowie frischen, in Scheiben geschnittenen Champignons, gehobelten Trüffeln und einer passierten Tomatensauce bestand (und duftendem Rosenpaprika!), kommt heute in der Regel billiges Schwein mit Ketchup und Pommes auf den Tisch (und weichgekochten Paprikawürfeln!). Was soll man dazu noch sagen?