BERLIN. Er hat spät gemerkt, dass es so schwierig wird. Dass sie ihm seinen schönen Plan eben nicht so ohne weiteres durchgehen lassen. Strahlend wie ein kleiner Junge, der seine erste Carrera-Bahn bekommt, hat Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner im August vergangenen Jahres die Übernahme der Senderkette ProSiebenSat.1 durch den Zeitungskonzern verkündet. "Wir sind ... zuversichtlich, dass es gute Gründe für eine Genehmigung des Zusammenschlusses beider Unternehmen gibt", sagte er damals zu dem Einwand, Springer könnte zu mächtig werden in Deutschland.Döpfner irrte sich. Die Wettbewerbshüter des Bundeskartellamts und die Meinungswächter der Kontrollkommission KEK verweigern bisher ihre Zustimmung zu dem Geschäft. Vor ein paar Tagen, das drohende Scheitern schon vor Augen, hat Döpfner mit beißendem Humor darauf reagiert, dass die Gremien immer höhere Hürden für die Übernahme der Sender errichteten. Auf dem Neujahrsempfang der Axel Springer AG am Dienstag in Berlin spottete er, dass im Vergleich zu den Auflagen, die der Konzern für eine Genehmigung erfüllen soll, die "DDR wie ein ordo-liberales Wirtschaftsparadies" erscheine.Doch Mathias Döpfner kämpft, er kämpft, wie er in seinem Berufsleben bisher noch nicht kämpfen musste. Während die Zeitungen noch über seine Kritik an den Medienkontrolleuren schrieben und über das Ende des Deals orakelten, saß der Springer-Chef schon beim Kartellamt in Bonn, um mit einem überraschenden Zugeständnis die Übernahme doch noch möglich zu machen. Er schlug den Verkauf von ProSieben vor, um die Genehmigung zumindest für die Fusion mit den verbleibenden Sendern, Sat.1, Kabel 1 und N 24 zu erlangen.Viele hatten das bis vor kurzem für undenkbar gehalten. Vielleicht sogar er selbst. Die Wettbewerbshüter immerhin begrüßen Döpfners neues Angebot. Ob sie am Ende zustimmen, wird sich zeigen. Bis zum 20. Januar haben sie Zeit für ihre Entscheidung.Die Abgesänge auf den gelernten Journalisten, der seit 1998 vom erfolglosen Chefredakteur im Verlag Gruner+Jahr zu einem der mächtigsten Medienmanager des Landes aufstieg, kommen jedenfalls zu früh. "Es ist ein runder Deal", sagte Döpfner auf dem Neujahrsempfang. Die Banken seien begeistert gewesen. Und Döpfner ist es wohl auch. Immer noch.Mit dem "runden Deal", wenn er denn noch zu Stande kommt, schließt sich für ihn zudem ein Kreis, dessen Anfang und Ende die Medienunternehmer Axel Springer und Leo Kirch markieren.Die beiden waren einander nie besonders zugetan. Axel Springer hielt den Münchner Filmhändler Kirch, der mit dem Privatfernsehen erst richtig groß wurde, für einen Gauner. Beider Unternehmen sind aber seit gut zwanzig Jahren auf die eine oder andere Weise miteinander verwoben. Kirch, der damals vierzig Prozent am Springer-Verlag hielt, war es, der Mathias Döpfner 1998 als Chefredakteur der "Welt" empfahl. Döpfners erste Amtshandlung, nachdem er am 1. Januar 2002 den Vorstandsvorsitz im Hause Springer übernommen hatte, war es, von Kirch knapp 770 Millionen Euro zu verlangen. Die sollte der Partner aus München für Springers Anteile an ProSiebenSat.1 bezahlen, die der Verlag damals noch abstoßen wollte. Eine entsprechende Option wurde fällig. Döpfner zog sie, wenn nicht ungerührt, so doch im Wissen um die Konsequenzen für Kirch.Dessen Unternehmen sind inzwischen verkauft. Seine Anteile an Springer haben die Verlegerwitwe Friede Springer und eine amerikanische Investmentfirma übernommen. Kirchs Sender gehören seit knapp drei Jahren dem US-Investor Haim Saban - der sie nun an Springer weiterverkaufen will. Döpfner könnte gelingen, was andere Springer-Chefs vor ihm nicht geschafft oder gar nicht erst gewagt haben: die Fusion des Verlages mit einem Fernsehkonzern.Der Aufstieg des Mathias Döpfner im Axel Springer Verlag verlief nahezu reibungslos. Konkurrenten um den Vorstandsvorsitz wie der frühere Bild-Chefredakteur Claus Larass verließen das Unternehmen. Als sich Döpfner die Chance auf den Chefposten bot, griff er zu. Widerstände im Aufsichtsrat überwand er vor allem dank Friede Springer, die Döpfner nicht nur als Journalisten sehr schätzt. Die beiden duzen sich. Friede Springer ist in Potsdam Nachbarin der Familie Döpfner und Patin eines der Kinder.Friede Springer imponierte einerseits, wie Döpfner aus dem verstaubten Altherrenblatt "Welt" eine konservativ-liberale Zeitung mit moderner Optik gemacht hat. Die "Welt", nicht die "Bild", lag ihrem Mann immer besonders am Herzen. Andererseits war Friede Springer auch von Anfang an von Döpfners Persönlichkeit beeindruckt. Der kunstsinnige Journalist, der in Musikwissenschaften promovierte und in der FAZ schrieb, gefällt ihr wegen seines Stils und seines Auftretens. Der groß gewachsene Journalist verbindet in Friede Springers Augen konservative Gesinnung mit liberaler Haltung. Aus ihrer Sicht ist er der erste würdige Nachfolger des Verlagsgründers. Als eine Bekannte einmal auf die Ähnlichkeit zwischen Döpfner und Axel Springer zu sprechen kam, soll sich Friede Springer sehr gefreut haben.Nachdem Döpfner mit ihrer Unterstützung Vorstandsvorsitzender geworden war, bewies er zunächst, dass er betriebswirtschaftlich zu denken versteht. Er baute im Verlag 2 700 Stellen ab und verkaufte unrentable Tochterfirmen. Er legte die Redaktionen von Welt und Berliner Morgenpost zusammen, was den Blättern publizistisch nicht gut bekam. Doch mit all diesen Maßnahmen führte er den Verlag aus der Verlust- in die Gewinnzone. Die Mitarbeiter grummelten, die Gewerkschaften protestierten - die Aktionäre, allen voran Friede Springer, freuten sich.Wichtige Posten besetzte Döpfner, der am Sonntag 43 Jahre alt wird, mit Leuten seines Vertrauens. "Bild"-Chef Kai Diekmann ist ein langjähriger Weggefährte, Claus Strunz, Chefredakteur der "Bild am Sonntag", ein Mitstreiter aus "Welt"-Tagen. Im Vorstand sitzen mit Steffen Naumann (zuständig für die Finanzen) und Andreas Wiele (zuständig für die Zeitschriften) zwei Männer aus seiner Generation. Mathias Döpfner ist unter ihnen unangefochten die Nummer eins.Inzwischen kultiviert er selbst das Image, legitimer Nachfolger von Axel Springer, wenn nicht gar sein eigentlicher Erbe zu sein. Vor ein paar Wochen, der Verlag hatte zu einer Buchpräsentation in sein Hochhaus in Berlin geladen, hatte Mathias Döpfner einmal mehr Gelegenheit, den Herrn des Hauses zu geben. Hoch über der vorweihnachtlich erleuchteten Stadt, dort, wo Axel Springer einst Vertraute in seiner Bibliothek empfing und sich in einem Separee gelegentlich ein Abendessen servieren ließ, stellte das Zeitungshaus ein Buch mit Texten über den Verlagsgründer vor.Mathias Döpfner hielt eine Rede an diesem Abend. Er sprach über Axel Springer, der nicht in allem, aber doch in sehr vielem Recht behalten habe, der ein Liberaler gewesen sei mit einem festen Wertegerüst. Und Döpfner erzählte von sich. Wie er 1994 als Chef der "Wochenpost" im Streit mit der Redaktion auf gewisse Prinzipien gepocht habe, an denen sich die Zeitung orientieren soll: das Bekenntnis zur Wiedervereinigung und zur sozialen Marktwirtschaft, die Ablehnung einer jeglichen Form von Totalitarismus sowohl von rechts als auch von links sowie die Einsicht, dass den Deutschen eine besondere Verantwortung für den Staat Israel zukommt. Ein Redakteur habe ihm daraufhin entgegnet, dann könne er, Döpfner, doch gleich zu Springer gehen. Dort stehe das sogar in den Anstellungsverträgen. Er sei damals überrascht gewesen, sagte Döpfner in seiner Rede. Die Geschichte ist nicht neu. Sie steht auch schon in einem Buch, das die Journalistin Inge Kloepfer über Friede Springer geschrieben hat. Aber sie passt natürlich wunderbar in den Lebenslauf von Mathias Döpfner.Damals, kurz vor Weihnachten, begann es langsam brenzlig zu werden für Springer in Sachen ProSiebenSat.1. Über drei Milliarden Euro hat Springer dem Besitzer Haim Saban für die vier Sender versprochen. Und jetzt machte das Kartellamt große Schwierigkeiten. Dabei hatte die Behörde schon auf die ersten Voranfragen des Verlages mit großer Skepsis reagiert. Doch Springer nahm die Mahnungen lange nicht ernst genug.Wenn das Kartellamt den Deal platzen lässt, wird das der erste schwere Rückschlag, den Döpfner in seiner Zeit bei Springer hinnehmen muss. Auf dem Neujahrsempfang des Verlags sagte er, er nehme es "sportlich", wenn dem Haus der Kauf der Senderkette verwehrt bleibe. Aber noch ist das Spiel nicht aus. Sollte Döpfner das Geschäft glücken, wäre er im Verlag auf Jahre hinaus so unangefochten wie einst nur Axel Cäsar Springer.------------------------------Als eine Bekannte einmal auf die Ähnlichkeit zwischen Döpfner und Axel Springer zu sprechen kam, soll sich Friede Springer sehr gefreut haben.------------------------------Foto: Mathias Döpfner ist seit 2002 Vorstandschef des Springer-Verlages. Der geplante Kauf von ProSiebenSat.1 ist seine bisher größte Bewährungsprobe.