Dem einstigen Europa-Pokalsieger klappte die Kinnlade herunter. Denn soeben hatte der Fußball-Regionalligist Spandauer SV den ruhmreichen 1. FC Magdeburg mit 1:0 besiegt. Andreas Schiemann war dabei der Held des Tages am Ziegelhof. Er sorgte mit dem entscheidenden Tor vor 653 Zuschauern in der letzten Spielminute dafür, daß dem zahlreichen Magdeburger Anhang der Sonnabend gründlich verdorben wurde.Gerd Achterberg hatte den Spandauer Sieg bereits zur Halbzeit vorausgesagt: "Die Magdeburger Fans werden die Niederlage mannhaft ertragen", sagte der SSV-Manager. Wenn "mannhaftes Ertragen" sich in rechtsradikalen Sprüchen äußert, wie nach Spielschluß in der Vereinskneipe, hatte er durchaus recht. Bereits auf der Fahrt nach Berlin hatten die angereisten "Fußballfreunde" ein Zugabteil zerlegt und noch vor Spielbeginn ein Geschäft an der Seegefelder Straße geplündert.Den Spandauer Kickern dürfte das unflätige Benehmen der Gäste-Anhänger ziemlich egal gewesen sein. Sie rehabilitierten sich mit viel Engagement für die 1:6-Schlappe vor Wochenfrist beim FC Berlin. In der ersten Hälfte aber kam der SSV schwer in die Gänge. Die Sachsen-Anhaltiner wirkten spritziger und machten bereits im Mittelfeld die Räume eng. Die Truppe von SSV-Coach Helmut Koch kam kaum zu einem geordneten Spielaufbau. Das Leder lief selten über mehr als zwei Stationen. Außerdem sorgten zahlreiche Fouls dafür, daß "Zerfahrenheit" das passende Wort für die Beschreibung der ersten Halbzeit ist.Die beste Chance hatte der Magdeburger Marcel Maltritz, der in der zehnten Minute den Pfosten traf. Die umformierte SSV-Abwehr, in der Andreas Schiemann erstmals den Libero-Posten bekleidete, zeigte in einigen Situationen Abstimmungsprobleme. Der etatmäßige Abwehr-Organisator Jewgeni Dragunow war aus disziplinarischen Gründen auf die Bank verbannt worden. Gemunkelt wurde von einer ausgiebigen Kneipentour, die Dragunow unternommen haben soll.Nach dem Seitenwechsel kam der SSV besser ins Spiel, aber kaum zu Torchancen. SSV-Keeper Marco Eckstein verhinderte in der 49. Minute den möglichen Rückstand mit einer Glanzparade gegen den frei vor ihm auftauchenden Mario Lau. Der SSV hatte zwei Möglichkeiten durch Maik Eidtner und Oliver Glöden. Für Jubel sorgte aber schließlich der unermündliche Schiemann, der nach einem Eckball von Andrej Roslakov doch ins Magdeburger Tor traf.