Die Bewohner des Autonomen-Zentrums Köpi in Mitte sind im Visier der Polizei, weil sie linksradikal sind, eine illegale Kneipe betreiben und auch sonst rebellisch sind. Doch auch die neuen Besitzer der Immobilie bekamen jetzt Besuch von der Polizei. Das Landeskriminalamt ermittelt gegen etwa zehn Beteiligte eines Firmengeflechts, das zum Teil mit dem Kauf des Areals an der Köpenicker Straße zu tun hat. Der Vorwurf lautet Betrug. Die Beschuldigten sollen in früheren Jahren etliche Handwerksbetriebe am Bau um ihr Geld geprellt haben, indem sie "Strohgesellschafter" und "Strohgeschäftsführer" einsetzten. Undurchsichtige Verhältnisse herrschen auch heute bei den neuen Köpi-Eigentümern. Wer sich auf ihre Spur begibt, verliert sich leicht im Dickicht der Firmen, die mit dem Geschäft irgendwie zu tun hatten. Sie tragen Namen wie "Sanus" und "Vitalis" oder "Plutonium 114 Köpenicker Str. 133-138 GmbH". Wie sich erst später herausstellte, ist Letztere neuer Eigentümer der Köpi und der Nachbargrundstücke. Geschäftsführer ist Besnik Fichtner, ein 40-jähriger Kosovare, der in Berlin und Brandenburg lebt. Wer mit wem zu tun hat, das interessiert nun die Berliner Staatsanwaltschaft. Justizsprecher Michael Grunwald bestätigte gestern der Berliner Zeitung, dass im Auftrag der Staatsanwaltschaft Polizisten am Mittwoch bundesweit 25 Objekte durchsuchten. "Die Beweiserhebungen waren erfolgreich. Rund 25 Umzugskartons Beweismittel müssen ausgewertet werden", sagte er. Durchsucht wurden in Berlin 16 Wohnungen und Büros, etwa in der Winterfeldtstraße, der Pacelliallee und am Kudamm. Auch in Düsseldorf, Konstanz und Friedrichshafen waren Polizisten im Einsatz. "Die Durchsuchungen werden in einem Ermittlungskomplex gegen S. und andere Tatbeteiligte durchgeführt", so Grunwald. Bei dem Hauptbeschuldigten handelt es sich um den 43-jährigen S., der unter anderem Vorstand der Sanus Beteiligungs AG mit Sitz am Kudamm ist. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bei sechs Berliner Bauvorhaben GmbHs als Generalübernehmer beauftragt zu haben, die wiederum kleinere Mittelständler als Subunternehmer für die Arbeiten anheuerten. Nach Fertigstellung, seien die Generalübernehmer jedes Mal pleite gegangen. Die bauausführenden Firmen seien deshalb größtenteils nicht bezahlt worden. Betroffen waren demnach Altbausanierungen an der Frankfurter Allee, der Knaack-, Winterfeldt-, Immanuelkirch-, Meyerheim- und Niederbarnimstraße. "Es wurde ausgenutzt, dass die meist kleinen und finanzschwachen Subunternehmen nicht in der Lage sind, ihre berechtigten Ansprüche vor Gericht geltend zu machen", so der Vorwurf eines Ermittlers. S. wies die Vorwürfe gestern als "nicht nachvollziehbar" zurück: "Wir sind unseren vertraglichen Verpflichtungen immer nachgekommen." Das Netzwerk der beteiligten Firmen hält er für transparent. Es sei normal, dass für verschiedene Vorhaben Projektgesellschaften errichtet werden. Eine solche Gesellschaft ist die Plutonium 114 GmbH mit Besnik Fichtner. Auch seine Wohnung in Schöneberg, wie auch sein Firmensitz in Liebenwalde wurden durchsucht. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien "absoluter Schwachsinn", sagt er. Ein Grund dafür könnte nach seinen Worten Ärger sein, den es bei früheren Bauprojekten mit Firmen gab, die ihre Leistungen nicht ordentlich erbracht hätten und deshalb nicht bezahlt worden seien. (mit db.) ------------------------------ Eigentümer will Luxushäuser und Bootsstege Die Köpi gilt als europaweite Hochburg der autonomen Szene. In dem 1905 gebauten Haus leben rund 70 Menschen, viele ohne Mietvertrag. Das Haus und mehrere Nachbargrundstücke wurden im Mai versteigert. Besnik Fichtner ist neuer Eigentümer. Auf dem Areal, das bis an die Spree reicht, stellt er sich Geschäftshäuser und Wohnungen vor - "etwas Luxuriöses, mit Liegeplätzen für Boote". In der nächsten Woche, sagte Fichtner der Berliner Zeitung, wolle er mit seinem Architekten reden. "Da wird schon sehr viel entschieden." Die jetzigen Bewohner der Köpi sollen irgendwann raus. "Wer einen Mietvertrag hat, kann noch eine Weile bleiben", so der Eigentümer. Der Verkauf der Köpi zog Demos und Proteste der linken Szene nach sich. Ein Abriss dürfte Krawalle nach sich ziehen. Fichtner, ein Kosovo-Albaner, stört das nicht: "Ich komme aus einer harten Ecke, mich stört das nicht." ------------------------------ "Etwa 25 Kartons mit Beweismitteln werden jetzt ausgewertet." M. Grunwald, Justizsprecher