Er war arbeitslos, lebte von Sozialhilfe und war Alkoholiker. Das reichte den Tätern offenbar aus: In der Nacht vom 23. zum 24. Mai dieses Jahres starb der 60-jährige Dieter E. in seiner Wohnung in Buch. Er wurde erst mit Fäusten und Füßen traktiert, bis er bewusstlos war. Dann, zwei Stunden später, kehrten die Täter noch einmal zurück. Einer von ihnen stach Dieter E. mit einem Messer ins Herz. Die mutmaßlichen Täter hatten gegenüber der Polizei zugegeben, der rechtsextremen Szene anzugehören. Man habe "einen Assi aufklatschen wollen", sagte einer beim Verhör. Seit Dienstag stehen vier jungen Männer wegen Mordes an Dieter E. vor dem Landgericht. Sie sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. Nur einen Tag nach dem Urteil um die tödliche Hetzjagd auf einen Algerier im brandenburgischen Guben geht es damit vor Gericht erneut um eine Gewalttat mit offenbar rechtsextremistischem Hintergrund. Demnach wäre Dieter E. in diesem Jahr der vierte Sozialhilfeempfänger, der rechten Schlägern zum Opfer fiel.Aber für die Berliner Justiz ist es bisher nur ein "normaler" Mord. Der Staatsanwalt nennt die Tat lediglich einen "Verdeckungsmord", weil die vier Dieter E. nur deshalb getötet hätten, damit er sie nicht verrät. Der Staatsanwalt spricht nicht von niedrigen Beweggründen, wie man etwa einen Mord aus Ausländerhass juristisch ahnden kann. Die Richter des Oberlandesgerichtes Sachsen-Anhalt hatten zum Beispiel den Mördern eines Mosambikaners mit dieser Argumentation niedrige Beweggründe unterstellt und sie deshalb zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der Mosambikaner war in Dessau von drei Skinheads so zusammengeschlagen worden, dass er drei Tage später an den Verletzungen starb. Ein Verteidiger der vier Berliner Angeklagten sagte zum Prozessauftakt, die vier seien nie richtig rechts gewesen. Die Ermittler haben aber andere Erkenntnisse. So sollen die Angeklagten Kameradschaftstreffen veranstaltet und Kontakte zu Neonazi Arnulf Priem unterhalten haben. Nachbarn hatten sich bereits über "Sieg-Heil"-Rufe in der Wohnung des Angeklagten René R. (18) beschwert. Er ist der Sohn eines Bundesgrenzschutzbeamten und wohnte im selben Haus wie das Opfer. Unmittelbar vor der Tat hatten das Quartett beim Bierholen an einem Imbiss einen Farbigen angepöbelt. Warum sie den Mann beleidigt hätten, wurde ein Angeklagter gefragt. Er antwortete: "Na ja, weil er farbig war." Polizei und Staatsanwaltschaft sahen dennoch in dem Mord an E. keine politisch motivierte Tat. So hatte die Öffentlichkeit erst drei Monate nach dem Tod von Dieter E. überhaupt etwas über die rechte Gesinnung der mutmaßlichen Täter erfahren. Ein Justizsprecher erklärte damals zur Begründung: Man könne nicht "über jeden Fall eine Presseerklärung abgeben". Ein Polizeisprecher sagte: Solchen Schlägern tue man "fast zu viel der Ehre an, wenn man noch ein politisches Motiv unterstellt". In der Anklage findet sich kein Wort über die politische Haltung der Angeklagten. Staatsanwalt Ralph Knispel sagte, es könne zwar sein, dass eine rechtsextremistische Gesinnung mit eine Rolle gespielt habe. Aber das müsse noch geprüft werden. "Nicht jede Tat eines Rechtsextremisten ist eine rechtsextremistische Tat."