Eine Überraschung war das Urteil nicht: Mehmet E., der Mörder des Polizisten Uwe Lieschied, wurde gestern zu lebenslanger Haft verurteilt. Das bedeutet, dass er mindestens 15 Jahre im Gefängnis bleiben muss, bis er zum ersten Mal einen Antrag auf Entlassung stellen darf. "Wir haben keine Zweifel, dass Mehmet E. sein Opfer aus kurzer Distanz wissentlich erschoss", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Der 42-jährige Lieschied wurde am 17. März 2006 an der Hasenheide in Neukölln getötet, als er zwei verdächtige Männer kontrollieren wollte.Zur Urteilsverkündung war es im Schwurgerichtssaal 500 voll wie schon lange nicht mehr. Etwa 30 Kollegen des getöteten Polizisten saßen auf der Zuschauerbank. In den ersten Reihen hatten Angehörige des Toten Platz genommen, alle schwarz gekleidet, unter ihnen Lieschieds Witwe mit ihren beiden Söhnen. Sie müsse das Urteil erst mal verkraften, sagte sie später sichtlich mitgenommen in die Kameras. Eigentlich finde sie es in Ordnung, wenngleich sie sich doch eine härtere Strafe gewünscht hätte, eine, wie sie Staatsanwalt Ralph Knispel gefordert hatte. Knispel hatte neben der lebenslangen Haftstrafe noch die Feststellung der Schwere der Schuld beantragt. Das hätte bedeutet, dass Mehmet E. nicht in 15 Jahren freikommen kann, sondern in der Regel erst nach 20 Jahren. Er sei nicht davon überzeugt, dass die Entscheidung des Gerichts, dem nicht zu folgen, richtig war, sagte Knispel nach dem Urteil. Die Staatsanwaltschaft werde prüfen, ob sie Revision einlegt.Neben dem 40-jährigen Mehmet E. stand auch ein 30-jähriger Freund von ihm vor Gericht. Beide Männer hatten an jenem 17. März zunächst eine Frau überfallen und ihr die Handtasche geraubt. An der Hasenheide war eine Zivilstreife auf sie aufmerksam geworden, weil sie rannten. Zwei Zivilbeamte stiegen aus dem Auto und gingen auf die Männer zu. Mehmet E. zog sofort die Waffe und feuerte mit ausgestreckter Hand aus einer Entfernung von etwa fünf Metern auf Uwe Lieschied - so lange, bis das Magazin leer war. Insgesamt fielen acht Schüsse, eine Kugel traf Lieschied in den Kopf.Die Staatsanwaltschaft hatte beide Männer zunächst wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Der Freund von Mehmet E. wurde aber gestern nur wegen des Handtaschenraubes verurteilt, zu einer Strafe von fünf Jahren Haft. Sein Anwalt will Revision einlegen. Der Anwalt von Mehmet E. wollte sich zu dem Urteil nicht äußern. Er hatte in dem Prozess immer wieder versucht, die Täterschaft seines Mandanten in Zweifel zu ziehen. Er kritisierte Gutachten und Tatortskizzen wegen angeblicher Fehler. Er behauptete, dass sein Mandant bei der Polizei misshandelt worden sei und deshalb ein erstes Geständnis von ihm nicht stimmen könne.Dabei gab es handfeste Beweise: So hatten die Ermittler in der Hasenheide Handschuhe mit Schmauchspuren von der Tatwaffe und mit DNA von Mehmet E. gefunden. Und es war Mehmet E. selbst, der die Polizisten nach seiner Festnahme zu jener Stelle am Wannsee geführt hatte, wo die Tatwaffe lag. Er habe ihnen genau gezeigt, wo sie graben sollten, hatte eine Beamtin vor Gericht gesagt.------------------------------Foto: Die Witwe des ermordeten Polizisten, Heike Lieschied, nach dem gestrigen Urteil