BERLIN, 21. April. Bei ihren Ermittlungen wegen der verschwundenen Computer-Festplatte des Münchner Rechtsanwalts Max Strauß will die Staatsanwaltschaft Augsburg jetzt auch Unterlagen der Firma Convar in Pirmasens prüfen. Anlass dafür ist ein Bericht der "Berliner Zeitung" von vergangener Woche, wonach das Software-Unternehmen im Jahre 1996 nach einer Prüfung der gelöschten Festplatte zu dem Ergebnis gekommen war, ein Viertel der Daten rekonstruieren zu können. Wie der Leiter der Augsburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz, gegenüber dieser Zeitung sagte, sei seine Behörde über dieses Angebot damals nicht informiert gewesen.Ein Convar-Sprecher hatte vorige Woche dieser Zeitung unter Berufung auf Unterlagen des Prüfvorganges von 1996 gesagt, dass man seinerzeit ein Angebot zur Rekonstruktion einschließlich eines Kostenvoranschlages nach Augsburg übermittelt habe. Diesem Angebot hätten auch Stichproben von bereits wieder hergestellten Daten der Strauß-Festplatte beigelegen. Oberstaatsanwalt Nemetz sagte hingegen, die Firma Convar habe der Staatsanwaltschaft 1996 lediglich mitgeteilt, dass nur einzelne Buchstaben auf der Festplatte wieder lesbar gemacht werden könnten, auf keinen Fall aber zusammenhängende Datensätze. Zudem hätten sich weder ein Preisangebot noch Stichproben bei dem Convar-Schreiben befunden. Um diese Widersprüche aufzuklären, will die Staatsanwaltschaft jetzt die vollständigen Prüfunterlagen der Firma Convar von 1996 einsehen.Letzter Hinweis datiert von 1996 Am Dienstag vergangener Woche war bekannt geworden, dass die Festplatte von Max Strauß spurlos verschwunden ist. Sie stammte aus einem Notebook des Rechtsanwaltes, das Anfang 1996 von der Staatsanwaltschaft Augsburg beschlagnahmt worden war. Kurz vor der Beschlagnahme war die Festplatte gelöscht worden. Gegen Max Strauß, Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten, wird wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche ermittelt. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit Geschäften des bayerischen Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber und der Privatisierung der ostdeutschen Ölraffinerie Leuna.Wie Oberstaatsanwalt Nemetz sagte, stamme der letzte schriftliche Hinweis auf das Vorhandensein der Festplatte vom 5. November 1996. Noch ist aber ungeklärt, wo sich die Festplatte zuletzt befand. Im Jahre 1996 war sie wechselweise bei Gutachtern in Augsburg und München in Verwahrung. Wie Nemetz sagte, könne bislang nur ausgeschlossen werden, dass das Beweisstück nach 1996 in seine Behörde zurückgekehrt und dort verschwunden sei.