Zwei Zahlen klangen im Kulturausschuss nach wie Donnerhall. Sie kamen von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und lauteten: Wir versuchen, das Raumvolumen der Staatsoper von 6 500 auf 9 500 Kubikmeter zu erhöhen. Das ist nötig, damit die Staatsoper besser klingt. Noch vor zwei Jahren hätten solche Zahlen nur bei Bauexperten Beachtung gefunden. Unterdessen allerdings ist eine teure Ausschreibung um die Modernisierung des Staatsopern-Saales vom Senat niedergeschlagen worden. Die Wettbewerbssieger Klaus Roth hatte erklärt, man könne nur den Denkmalschutz beachten oder Akustik und Sicht mit neuem Raumvolumen verbessern, wie es die Ausschreibung verlangte. Beides zusammen gehe nicht. Monatelang debattierte Berlin über den Saal, bis Klaus Wowereit den Wettbewerb mit der Begründung abbrach, kein Architekt habe den Denkmalschutz beachtet.Gestern unterbreitete die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher eine Variante, die den Denkmalschutz auf andere Art aushebelt: Der Raum wird um ein Drittel vergrößert, nach allen Seiten. Das Dach wandert vier Meter nach oben. Was mit dem verbleibenden Platz passiert, in dem locker ein vierter Rang Platz hätte, ist unklar.Unklar? Der Wettbewerbs-Abbruch war im Juli 2008. Zeit zu überlegen, wie vier Meter Höhe "überbrückt", der Raum "erweitert" und dazu am Ende immer noch Paulick-Saal gesagt werden kann. Die Meinung der Denkmalschützer bleibt ohnehin immer dieselbe: Ein Denkmal ist ein Denkmal, weil es so gelassen wird, wie es ist.Weil aber Generalmusikdirektor Daniel Barenboim 1,6 Sekunden Nachhallzeit ohne elektronische Regulierung verlangt und weil er in dieser Stadt immer bekommt, was er will, legt die Bauverwaltung einen Raum für 1,6 Sekunden Nachhallzeit an. Man arbeite gerade an "Lösungen für den Denkmalschutzkonflikt". Einigen Varianten hätten die Denkmalschützer zugestimmt, anderen nicht, so Regula Lüscher am Rande der Sitzung. "Der Saal wird ausgebaut und wieder eingebaut und dabei nicht jede Schraube wiederverwendet." Aber die Proszeniumslogen, die den Blick auf die Bühne verstellen, die bleiben. Die Sichtverhältnisse zu verbessern, sei eine klar nachgeordnete Aufgabe für die Bauverwaltung. Auch der Neigungswinkel des Parketts werde nicht verändert.Warum eigentlich nicht? Reichen 239 Millionen Euro nicht? Immerhin haben Koalitionäre im Bauausschuss die Mittel für die Staatsoper gesperrt. Jetzt wollte auch der Kulturausschuss mehr über die Verwendung wissen. Es gab nur sehr grobe Zahlen: 126 Millionen fließen in das Opernhaus, 19 Millionen in das unterirdische Bauwerk für die Anlieferung der Kulissen, 71 Millionen in Intendanz und Magazin, zehn Prozent Spielraum für Unvorhergesehenes sind eingerechnet.Macht zusammen 239 Millionen Euro, die Sparvariante. Es gab auch Pläne mit 272 Millionen Euro. Für eine energie-effiziente Sanierung reicht das Geld genauso wenig, wobei das auch der Denkmalschutz nicht erlaube, so Lüscher. Unvollendet bleibt zudem das Magazin neben der Intendanz, das wird nur zur Hälfte renoviert. Die andere Hälfte soll später verkauft werden. Von außen sieht man dann ein Dach und eine Fassade - die eine Seite schick und neu, die andere oll und grau, in der Mitte die Grenze. Weil 239 Millionen nicht reichen.