POTSDAM. Bei der Aufklärung der Affäre um den früheren Potsdamer Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen wollen die Rechtsanwälte der Stadt und die Justiz zusammenarbeiten. Die von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) beauftragte Kanzlei Freyschmidt, Frings, Pananis, Venn und Bärlein nahm gestern telefonisch Kontakt zur Staatsanwaltschaft Potsdam auf, wie deren Sprecher Helmut Lange sagte. Beide gehen dem Verdacht nach, der im Mai zurückgetretene Paffhausen könnte durch Sponsorenverträge, Bürgschaften oder Darlehen der Kommunalbetriebe für den Fußball-Drittligisten SV Babelsberg03 zuständige Gremien übergangen und so Untreue begangen haben.Jakobs hatte zuvor eine "enge Abstimmung" zwischen den Rechtsanwälten und den Ermittlern befürwortet. Die Berliner Kanzlei soll auch prüfen, ob die Vorwürfe gegen Paffhausen Folgen für seine Abfindung haben können: In der Stadtverordnetenversammlung stößt die Tatsache, dass der frühere Geschäftsführer der Stadtwerke und ihrer Tochterfirma EWP (Energie und Wasser Potsdam) nicht gekündigt wurde, sondern für sein Ausscheiden angeblich rund eine Million Euro erhalten soll, auf harsche Kritik. Diese "Gestaltung des Aufhebungsvertrages" stellt Oberbürgermeister Jakobs nun infrage: Würde Paffhausen eine Straftat nachgewiesen, dürfte er kaum mit einem goldenen Handschlag rechnen. Jakobs lässt zudem die EWP-Finanzen der vergangenen Jahre prüfen, nachdem erste Untersuchungen für 2009 und 2010 den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten verstärkt hatten.Anzeigen eingegangenBei der Staatsanwaltschaft ging gestern nach Angaben von Lange die angekündigte Anzeige des Bundes der Steuerzahler gegen Paffhausen ein. Dem Ex-Geschäftsführer werden darin neben Untreue, die ohnehin Gegenstand der Justizermittlungen ist, auch die Abfindungsvereinbarung und die Beauftragung einer Detektei vorgeworfen. Die Justiz soll laut Anzeige prüfen, ob die Berliner Sicherheitsfirma aus Mitteln der EWP bezahlt wurde und ob diese Dienstleistung steuerlich geltend gemacht wurde. Mit dem Auftrag an die Detektei soll Paffhausen versucht haben, Informationen über den Chef eines anderen städtischen Betriebs zu gewinnen. Das Bekanntwerden dieser Bespitzelung hatte die Affäre ins Rollen gebracht und zum Sturz des mächtigen Stadtwerke-Chefs geführt.Auch gegen Oberbürgermeister Jakobs reichte ein Privatmann eine Anzeige wegen einer Vielzahl vermeintlicher Delikte an. Zuständig dafür ist die für Korruption zuständige StaatsanwaltschaftNeuruppin.