Im Bezirksamt herrscht weiterhin Uneinigkeit über die künftige Nutzung des Krankenhaus-Geländes West-Staaken: Die Abteilungen Umwelt und Gesundheit lehnen die Ansiedlung sozialer Einrichtungen in dem Industriegebiet ab. Doch zwei Stadträte bestehen auf eine Kindertagesstätte und Schulen.Die benachbarten Betriebe und der geplante Ausbau des Brunsbüttler Damms ließen eine sensible Nutzung des Geländes nicht zu, sagt die Leiterin des Umweltamtes, Cornelia Niemeitz. Wie berichtet, erhärtet ein Gutachten dieses Urteil. Demnach verursachen die Schadstoffe in der Luft eine mittlere Belastung, der zu erwartende Autolärm werde die Grenzwerte deutlich überschreiten. "Hier soziale Einrichtungen unterzubringen, verstieße gegen das Bundesemissionsgesetzes. Das Gelände eignet sich nur als Mischgebiet, also für Gewerbe und Wohnungen."Als feststand, daß das Krankenhaus West-Staaken bis zum 31. Dezember 1997 von dem 180 000 Quadratmeter großen Gelände an der Schulstraße wegzieht, herrschte zunächst Begeisterung für die Nutzung als Sozialstadt. Freie Träger wollten hier Wohnungen für Behinderte, ein Altenpflegewohnheim und therapeutische Wohngemeinschaften, der Bezirk eine Kita sowie eine Gesamtschule und eine Körperbehindertenschule ansiedeln.Inzwischen ist jedoch auch Dieter Lietz (CDU), Stadtrat für Gesundheit und Soziales, gegen diese Pläne. "Das Bezirksamt sollte sich nicht über das Bundesemissionsgesetz hinwegsetzen. Es ist zu erwarten, daß erhebliche Beschwerden der Bevölkerung auf uns zukommen, wenn das Wohlempfinden gestört wird", so der ehemalige Umweltstadtrat. Stattdessen plädiert er für die Unterbringung von mittelständischen Betrieben oder Teilen des Bezirksamtes. Jugendstadtrat Fredy Stach (SPD) und Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) sind anderer Ansicht. Hanke: "Mangels fehlender Standort-Alternativen bestehe ich auf beiden Schulen. Es gibt genügend Schulen im Bezirk, die an Hauptverkehrsstraßen liegen. Es besteht keine Gesundheitsgefährdung, sondern lediglich eine Belästigung." Stach: "Wo Wohnungen hinkommen, muß es auch eine Kita geben. Luftfilter und Schallwände müssen die Belastung vermindern." Seine Abteilung betreibt bereits vier Kindertagesstätten in West-Staaken. Umweltstadtrat Thomas Scheunemann (SPD) hält dagegen: "Die Geruchsbelästigung durch Lösungsmittel überschreitet die Geruchsschwelle mehr als um das Fünfhundertfache. Da hilft auch kein Filter. Eine Schallwand nützt nur den Gebäuden im unmittelbaren Lärmschatten." Für Hanke ist das kein Argument: "Man muß das Pferd auch mal von der anderen Seite betrachten. Dann müssen eben die Genehmigungen der Betriebe geändert werden." +++