Fast elf Jahre nach dem Mauerfall ist der nördliche S-Bahn-Ring immer noch nicht wieder in Betrieb. Das jüngste Buch des Fachautors Bernd Kuhlmann zeigt, dass Bahnbauten in Berlin manchmal auch sehr viel schneller abgeschlossen werden. So konnte der sowjetische Diktator Stalin nur wenige Wochen nach Kriegsende per Zug zur Potsdamer Konferenz reisen, weil Rotarmisten die Berliner Stadtbahn zügig auf die russische Breitspur umgebaut hatten. Mit solchen Anekdoten gibt Kuhlmann seinem Buch "Bahnknoten Berlin" Farbe. Akkurat und mit vielen, bislang in Archiven und der Fachpresse versteckten Abbildungen zeigt er, wie sich Berlins Bahnnetz seit 1838 entwickelt hat. Dabei gelangen die Kapitel über den Kalten Krieg und die Teilung besonders eindrücklich - eine gute Erinnerung an jene graue Zeit, als die Bahn im Westen Berlins eine unbedeutende Randerscheinung war. Manches, zum Beispiel die penibel geführten Listen am Schluss, wird nur Fans interessieren. Auch endet die Chronik des heutigen DB-Mitarbeiters 1992, so dass nichts über die aktuellen Bauvorhaben zu erfahren ist. Dennoch hält diese kleine Schatzkiste der Berliner Verkehrsgeschichte auch für Laien viele Überraschungsfunde bereit. (pn.)Bernd Kuhlmann: Bahnknoten Berlin.Verlag GVE, Berlin 2000, 132 Seiten, 19,80 Mark.