Alex hat einer alten Frau die Tasche nach oben getragen. Kurz darauf ist sie tot. Alex steht unter Mordverdacht, wird aber freigelassen. In den nächsten Wochen erschließt sich ihm der hässliche Sinn des Wortes "gedisst". Niemand aus seiner Clique will mehr etwas von ihm wissen, weil er "eine deutsche Frau" ermordet habe."Gedisst" heißt das erste Buch von Daniel Höra, das er heute in Berlin vorstellt. Die Geschichte spielt zwischen den Plattenbauten von Schwedt an der Oder, könnte aber ebenso in Marzahn oder im Märkischen Viertel angesiedelt sein. "Schwedt ist ein Symbol", sagt der Autor, "es geht um den desolaten Zustand von Vierteln, wo Menschen aufeinander hocken, die keine Perspektive für sich sehen."Höra kommt aus Hannover, wuchs in einer Hochhaussiedlung auf und ist als Redakteur beim Fernsehen gelandet. Im Buch, das der Verlag Menschen ab 14 empfiehlt, tritt auch ein TV-Reporter auf. Der führt Alex' Familie als Musterbeispiel des Prekariats vor und landet später in derselben Kneipe wie seine Figuren. "Das ist natürlich eine Parodie", sagt er. Doch wie jede gute Parodie entlarvt sie das Typische.Zwei neue Freunde suchen mit Alex nach dem wirklichen Täter. Das vor allem fällt auf an dem Buch: wie er die Sprache der Straße wiedergibt. Höras Dialoge sind ruppig, hasserfüllt, auch dumpf-national. "Viele Jugendliche reden, als kämen sie aus einem anderen Kulturkreis, ein abgehacktes, polterndes Deutsch", sagt er, "da hat sich eine Bunkermentalität entwickelt." Menschen außerhalb dieser Zirkel befremdet das. Dieses Buch öffnet eine Tür zum Verstehen. (cg.)Philipp-Schaeffer-Bibliothek, Brunnenstr. 181, Mitte, 20 Uhr, Eintritt frei.------------------------------Foto: Daniel Höra, Schriftsteller