BERLIN, 30. Juli. Sanierte, aber leerstehende S-Bahn-Bögen zwischen Grolmann- und Uhlmannstraße und an der Jannowitzbrücke zeugen von Vermarktungsschwierigkeiten der Gewerbeflächen unter dem Viadukt der Stadtbahn, doch die Deutsche Bahn AG will am Ausbau weiterer insgesamt 210 Bögen festhalten.150 der insgesamt 600 Bögen sind bereits saniert. "Central-Bahn" und "Central-Bahnhof" in einem sollte nach den Plänen des Baustadtrats und Visionärs August Orth die 1880 fertiggestellte Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg werden. Große NachfrageEin Jahrhundert später tragen die Mieteinnahmen aus der hochwertigen Nutzung der Bögen durch Dienstleistungsgewerbe und Handel zur Finanzierung bei. Die meisten Bögen sind für minderwertige Nutzung als Garagen und Lagerräume zu günstigen Konditionen vergeben. "Nur drei bis vier Kilometer aller Bögen liegen in Stadtgebieten, in denen der Ausbau interessant ist", sagt Bahnsprecherin Claudia Triebs.Anfang 2000 sollen die Arbeiten an 80 Bögen zwischen Bellevue und Lehrter Stadtbahnhof an der Paulstraße auf Höhe des Moabiter Werders beginnen. "Wir sehen der Zukunft dieser Gegend mit sehr viel Optimismus entgegen. Die Bögen dort sind vom Regierungsviertel aus fußläufig zu erreichen", sagt Triebs. Der Ausbau beschränkt sich in der Regel auf den Einbau sanitärer Anlagen und einer Fensterfront, in Einzelfällen wird auch der Boden gefließt. Den endgültigen Ausbau finanzieren und gestalten die Mieter. "Die Vermarktung der Bögen am Moabiter Werder läuft auf Hochtouren und erfreut sich großer Nachfrage", sagt Triebs.Für die Lage zu teuer, klagen die Mieter am Savignyplatz, wenngleich man sich dort über den besonderen Flair der Bögen einig ist. "Die Bahn unternimmt zu wenig für die Vermarktung des Standortes", sagt Marianne Streif, Inhaberin des "Carpe Diem".Die von der Bahn versprochene Werbung und Begrünung beschränkte sich auf wenige halbherzige Aktionen. Mangelnde Laufkundschaft, Lärm durch den immer stärker werdenden Zugverkehr und Erschütterungen seien in Anbetracht der hohen Mieten nicht tragbar gewesen, sagt eine Mitarbeiterin von "Schlafwandel". Das Geschäft verließ die Bögen in der Savignypassage, nachdem der Synergieeffekt durch den ebenfalls enttäuscht abgewanderten Stoffhändler "Tessuti" ausblieb.Für die zurückgebliebenen Mieter wird die Situation dadurch noch schwieriger. Auf seiten der Bahn weist man die Vorwürfe zurück: "Die Preise dort sind vergleichsweise moderat", sagt Claudia Triebs. Im Hinblick auf die Bewerbung der Savignypassage erwartet die Bahn auch Eigenengagement auf seiten der Mieter. "Irgendwann muß sich ein Projekt auch einmal selbst tragen", sagt Triebs. Sehr viel zufriedener äußern sich die S-Bahn-Bogen-Mieter zwischen Monbijoupark und Alexanderplatz. Michael Boeke, Inhaber eines Antiquariats in der Dircksenstraße, lobt die Verläßlichkeit seiner Vermieter ausdrücklich. Wie seine Nachbarn zwischen S-Bahn-Station Hackescher Markt und Rochstraße bezahlt er seine Miete an zwei verschiedene Mieter, denn der hintere Teil seines Ladens liegt unter den "Markthallenbögen". Dieser Anbau an das S-Bahn-Viadukt aus dem Jahre 1886 trägt die Gleise für die ehemalige Güterabfertigung der Zentralmarkthalle. Die zwölf Bögen werden seit der Wende vom Bezirk Mitte durch Vermietung verwaltet. Die Mietpreise belaufen sich zwischen fünf Mark pro Quadratmeter für Lagernutzung und 15 Mark für die Nutzung als Verkaufsfläche."Wir passen uns mit diesen Preisen an die Deutsche Bahn an", sagt Jens-Peter Heuer, Finanzstadtrat des Bezirks Mitte. Da die Bahn Anspruch auf die Bögen erhebt, entstand eine komplizierte Rechtslage, bis zu deren Klärung die Stadt zur Sanierung ihres Teils der Bögen nichts unternehmen werde, was außerhalb der normalen Vermieterpflichten liege, betont man beim Bezirk.