Der Rost kommt weg: Gestern begannen die Sanierungsarbeiten am Schöneberger Gasometer an der Torgauer Straße. Der 1910 errichtete Gasbehälter wurde vor mehr als 15 Jahren stillgelegt, seitdem ist das 78 Meter hohe Bauwerk als Industriedenkmal geschützt. Doch Denkmalschutz hilft nicht gegen Verwitterung - die 1,1 Millionen Tonnen schwere Stahlkonstruktion rostet vor sich hin. In den nächsten vier Jahren soll das Stahlgerüst nun schrittweise saniert werden.3,8 Millionen Euro bringt die Euref AG dafür auf. Das Unternehmen hatte im Jahr 2007 das ehemalige Gasag-Gelände gekauft. Euref-Chef Reinhard Müller will es zu einem CO2-neutralen Stadtquartier entwickeln, zu einem Gelände für Forschung, Ausbildung und Wissensvermittlung rund um das Thema Energie. Rund 550 bis 600 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren investiert werden, etwa 30 Millionen Euro hat Müller mit seiner Firma nach eigenen Worten bisher dort schon eingesetzt. Statt 114 Arbeitsplätze (2007) gibt es inzwischen 600, bis zu 5000 sollen es einmal werden."Vision", das Wort benutzt der umtriebige Projektentwickler, der in Berlin und darüber hinaus bestens vernetzt ist, gern. Anfangs gab es durchaus Skepsis gegen seine Pläne. Zu gigantisch, zu unbezahlbar erschienen sie vielen. Doch inzwischen hat sich rund um den Gasometer sichtbar etwas getan - denkmalgeschützte Häuser wurden saniert, Firmen haben sich angesiedelt, der Bauantrag für einen Neubau ist gestellt. Drei weitere Bauanträge sind in Vorbereitung. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg erhielt einen neuen Park an der Nordspitze des Geländes. An den Kosten von mehr als einer Million Euro beteiligte sich die Euref wesentlich. Spätestens aber als bekannt wurde, dass Fernsehmoderator Günther Jauch ab dem 11.September jeden Sonntag um 21.45 Uhr im Schöneberger Gasometer zum ARD-Polittalk einladen wird, sind viele Skeptiker verstummt.Durch die Arbeiten am Gasometer wird der Fernsehstar nicht gestört. Zum einen, weil sonntagabends am Gasbehälter nicht gewerkelt wird. Zum anderen, weil die Sendung in einem der Reichstagskuppel nachempfundenen Pavillon, der während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 am Brandenburger Tor aufgebaut war, stattfindet. Dieser steht inmitten der Stahlkonstruktion und wird während der Sanierung mit einem speziellen Zelt geschützt. Auch der Gasometer selbst wird verhüllt - allerdings nur abschnittweise. Dort, wo gerade gearbeitet wird, wird er mit einem verschiebbaren Element eingehaust.Gereinigt wird der Gasometer in einem Mischverfahren aus Laserreinigung, Nadelverfahren und Mikrotrockenstrahlentechnologie. "Zwei Jahre lang haben wir intensiv untersucht, was das günstigste Konzept für ein nachhaltiges Resultat ist", sagt Matthias Chronz, Geschäftsführer der beauftragten Firma Opus Denkmalpflege. Mit der nun gewählten Methode müsse der stählerne Koloss frühestens nach 30 Jahren neu behandelt werden. Dessen Farbe, das wurde mit der Denkmalpflege so abgestimmt, bleibt, wie sie heute ist: grün und anthrazit.------------------------------Euref-CampusIm Jahr 2007 kaufte die Euref AG von Reinhard Müller die 55000 Quadratmeter große Fläche an der Torgauer Straße von der Gasag.20 Gebäude soll es um den Gasometer geben, davon 15 Neubauten. Firmen, Forschungs- und Lehreinrichtungen sollen sich ansiedeln. Die TU Berlin eröffnet drei Masterstudiengänge.Geplant sind auch Wohnungen. Laut Firmenchef Reinhard Müller gibt es daran großes Interesse. Der Wohnanteil soll rund 20 Prozent betragen.------------------------------Foto: Im Gasometer steht der Kuppelbau.