Mit einer Kampagne für den kostenfreien Zugang Behinderter zum Internet macht sich der Hamburger Verein Startrampe nicht nur Freunde. Mit dem seit August verfügbaren Internet-Auftritt von Startrampe bietet der Verein ein Forum für Rollstuhlfahrer, Querschnittgelähmte und Interessierte. Die Web-Seiten ermöglichen den Austausch der Nutzer untereinander, stellen Informationen für Betroffene zur Verfügung und sollen die Vorteile des Internet für Behinderte nutzbar machen. Anfang Dezember veröffentlichte Startrampe eine Petition: "Weg mit den Online-Gebühren für Schwerbehinderte in Deutschland." Der Grund: Der Mangel an Bewegungsfreiheit führt bei vielen Rollstuhlfahrern auch zu einer Einschränkung der sozialen Kontakte. Das Netz räumt diese Barriere beiseite. Florian Seelmann-Eggebert, Initiator des Projekts, verweist auf Mitglieder von Startrampe, die ausgiebig von den Chatrooms Gebrauch machen: "Teilweise frühstücken sie sogar zusammen." Bereits um die dreihundert Mitglieder zählt die Nutzergemeinde von Startrampe. Gerüchte, der Verein wolle seine Aktivität einstellen, lösten sofort Proteste aus. Das Angebot, meint Seelmann-Eggebert, habe den richtigen Nerv getroffen. Neben der Pflege persönlicher Bekanntschaften betont Startrampe auch den ungehinderten Zugang zu Informationsangeboten. Medizinische Entwicklungen werden vorgestellt und Experten zum Online-Austausch gebeten. HerausforderndDer Nutzung des Internet stehen jedoch Telefongebühren und Kosten für den Provider entgegen. Sie sprengen den Rahmen der ohnehin knappen finanziellen Mittel: Eigene Verdienstmöglichkeiten fallen oft aus, Medikamente und Hilfsmittel müssen bezahlt werden. Neben Zustimmung löste die Petition auch Vorurteile aus: die Gesellschaft solle mehr Freiräume schaffen, obwohl die Rücksichtnahme auf Körperbehinderte weit genug gehe. Seelmann-Eggebert zuckt nur mit den Schultern: Die Behauptung, mit der Petition eher an das Mitleid der Gesellschaft zu appellieren, widerlegt Startrampe mit dem eigenen Auftreten. Über die Web-Seiten des Projekts rauscht ein herausfordernd und selbstbewusst dreinblickender Rollstuhlfahrer. Die Werbeagentur Springer&Jacoby variiert in ihrer gerade laufenden Kampagne für Startrampe die Selbstdarstellung. Superheld Batman, im Rollstuhl sitzend, rettet eine leicht bekleidete Schöne aus den Flammen. Darüber prangt das Motto: "Lass dich nicht behindern." Doch außer Aufmerksamkeit löste die Initiative auch Kritik aus: Sehbehinderte beschwerten sich, dass das Angebot ihnen nicht zugänglich sei. Tatsächlich befinden sich die Macher in einem Dilemma: die technische Umsetzung von Startrampe berücksichtigt die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit ihres Publikums und arbeitet vorwiegend mit großen grafischen Elementen, auf denen sich die Maus positionieren lässt. Die Browser-Software für Blinde gerät jedoch aus diesem Grund in Verwirrung. Seelmann-Eggebert vergleicht das Problem mit der Situation im Straßenverkehr: "Bordsteinkanten markieren den Beginn der Straße. Für Rollstuhlfahrer sind sie lästig, für Blinde essenziell."Lass dich nicht behindernDas Angebot der Initiative ist frei von Werbung. "Und das soll auch so bleiben", erklärt Andrea Otte von der Agentur GiveMe5, die sich um das Konzept und die Organisation kümmert. Stattdessen bemüht man sich um Sponsoren, deren Angebote auch Behinderten das Leben erleichtern. Unterstützung erhält Startrampe zum Beispiel von einer Direktbank, mit der Bankgeschäfte über das Internet erledigt werden können. Aber auch ein elektronischer Supermarkt, bei dem die Produkte über das Netz bestellt und nach Hause geliefert werden, engagiert sich. Unter den Sponsoren findet sich auch eine Online-Jobvermittlung, denn die Zunahme von Telearbeitsplätzen könnte in Deutschland gerade für Behinderte wichtig werden. Computer lassen sich je nach Behinderung auch mittels Sprache oder spezieller Eingabegeräte steuern. Damit öffnete sich Behinderten zumindest ein Teil der Arbeitswelt, der in Zukunft deutlich wachsen werde. Seelmann-Eggebert:"Das Internet bietet viele Möglichkeiten."STARTRAMPE Tor zur Welt // Der Hamburger Verein Startrampe wurde am 5. März 1999 als eingetragener Verein angemeldet. Die Website des Vereins versteht sich als "virtuelles Zuhause für Rollstuhlfahrer und Querschnittgelähmte".Der Computer soll Körperbehinderten als "Tor zur Welt" dienen.In einer Online-Petition fordert der Verein: "Weg mit den Online-Gebühren für alle Schwerbehinderten!"Startrampe e. V.www. startrampe. net