Die Außenstelle der russischen Botschaft Unter den Linden hat ihren Revolutionsführer Lenin in die Verbannung geschickt. Vor drei Wochen wurde das Denkmal im Vorgarten abmontiert und im Innenhof der großflächigen diplomatischen Anlage wieder aufgestellt. Dort soll die Büste auch in Zukunft bleiben. "Wir sanieren das Gebäude und wollen das architektonische Gesamtensemble von 1952 wiederherstellen", sagte Pressesprecher Jewgenij Grasjnjow gestern.Ursprünglich habe kein Denkmal vor der Botschaft gestanden. Erst Mitte der 70er Jahre sei die ein Meter hohe Marmor-Statue aufgestellt worden. Vernichtet, wie häufig in Rußland geschehen, werde das Lenin­Standbild jedoch nicht: "Wir müssen unsere Geschichte respektieren", so Jewgenij Grasjnjow. Direkt hinter der russischen Botschaft ist aber auch der Öffentlichkeit noch ein Relikt aus alten Zeiten zugänglich: An einer Wand der Schwimmhalle in der Behrenstraße prangt ein großer Lenin-Kopf.Von den ehemals Dutzenden Lenin-Denkmälern in der Stadt sind kaum welche übriggeblieben. Eine Lenin­Statue aus Eisleben steht seit 1990 im Foyer des Deutschen Historischen Museums.Die meisten Eislebener Bürger wollten die dreieinhalb Meter hohe Statue nach der Wende nicht mehr in ihrer Stadt haben. So nahm das Museum die Bronze­Statue so lange "in Quarantäne", bis entschieden ist, ob es wieder in Eisleben oder an einem anderen Ort gezeigt wird. Geschichtsträchtig ist die Ikone auf jeden Fall: Sie gilt als das erste Standbild, das nach Lenins Tod 1924 angefertigt wurde. Zur Touristenattraktion ist indes die bronzene Lenin-Statue auf dem Hof der Lex-Autovermietung in Tempelhof geworden: "Japaner steigen aus Reisebussen und lichten sie ab, aber im Bezirk wollen Kaffeekränzchen sogar Bürgerinitiativen dagegen bilden. Da haben wir die Statue aus Prinzip vorne gelassen und nicht auf den Hinterhof gebracht", sagte ein Bevollmächtigter von Lex. Die fünf Meter hohe und sechs Tonnen schwere Figur wacht seit Dezember 1996 auf dem Hof der Autovermietung, nachdem sie ein Unbekannter nachts dort einfach abgeladen hatte. Tempelhofs Bezirksbürgermeister Wolfgang Krueger (CDU) ist darüber verärgert: "Ein Schandfleck. Diese nachträgliche Verherrlichung muß bei unserer jüngsten deutschen Vergangenheit nicht sein." Trotz vieler Proteste und Briefe könne der Bezirk nichts dagegen unternehmen, da sich das Gelände in Privatbesitz befinde, sagte der Bürgermeister. Die 19 Meter hohe Lenin­Statue, die in Ostberlin auf dem ehemaligen Leninplatz (heute: Platz der Vereinten Nationen) stand, liegt in 125 Einzelteile zerlegt in den Seddinbergen im Köpenicker Forst. Die Senatsumweltverwaltung ist für die Lagerung zuständig. Ab und zu werde kontrolliert, wie der Zustand sei. Ob dieser Lenin noch einmal zu sehen sein werde, sei noch offen, so ein Sprecher der Verwaltung.