TEL AVIV, 16. Dezember. Der Schriftsteller Stefan Heym ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er sei am Sonntag in Israel einem Herzversagen erlegen, bestätigte das Mishkenot-Shaananim Kulturzentrum Jerusalem. Heym hatte dort an einem Kongress über den Dichter Heinrich Heine teilgenommen.Der am 10. April 1913 in Chemnitz als Helmut Flieg geborene Kaufmannssohn floh 1933 vor den Nazis zunächst in die Tschechoslowakei und später in die USA, von wo er als amerikanischer Soldat nach Deutschland zurückkehrte. 1952 siedelte er in die DDR über.Heym beschäftigte sich mit zeitgeschichtlichen und historischen Stoffen. Er war der wohl bedeutendste "oppositionelle Autor" in der früheren DDR. Obwohl er sich zu einem "sozialistischen Deutschland" bekannte, wurde er zu einer Symbol- und Leitfigur für den geistigen Widerstand in dem zunehmend totalitärer werdenden SED-Staat. Nach dem Zusammenbruch der DDR im Herbst 1989 verfasste Heym den Aufruf "Für unser Land" gegen den, wie er meinte, "Ausverkauf an die Bundesrepublik". Bei der Bundestagswahl 1994 errang Heym für die PDS ein Direktmandat im Bundestag. Ein Jahr später gab er dieses zurück. Mit Trauer reagierten Autoren und Politiker. Sein Kollege Erich Loest sagte, Heym sei zuletzt "klein und krumm" gewesen, "aber geistig präsent und vorlaut wie immer". Der Schriftsteller Hermann Kant, unter dessen Präsidentschaft im DDR-Schriftstellerverband Heym 1979 und andere Autoren ausgeschlossen wurden, sagte, er habe "äußerste Hochachtung vor dem Schriftsteller". Politisch seien sie nicht immer einer Meinung gewesen, aber sie beide hätte an die Zukunft einer besseren DDR geglaubt. Der PDS-Spitzenpolitiker Gregor Gysi sagte, er habe einen Freund verloren. (ku.) Seite 3