Football's coming home. Jeder kennt das Lied. Zumal so kurz vor einem Sommer, in dem der ganz große Fußball in Deutschland, in Berlin einkehrt. Der Fußball und sein Zuhause, die Spielstätten, die Stadien. Berlin hat eine ganze Menge davon, auch wenn einige besonders schöne und besonders legendäre Sportplätze längst vom Stadtplan verschwunden sind. Manchmal erinnert noch eine große Brachfläche an das ehemalige Stadionrund, ein anderes Mal gar nichts mehr. Weshalb es auf dieser Seite genau darum gehen soll: ein Rückpassspiel zu Berlins vergangenen Fußballtempeln.------------------------------Deutsches Stadion: Zeppeline und Kunstflieger kreisten am 8. Juni 1913 über dem nördlichen Grunewald. Armeekapellen spielten zu Ehren des Kaisers und zum Lobe des Sports. Rechtzeitig zu diesem Tag war sogar die Berliner Untergrundbahn bis ins westliche Charlottenburg verlängert worden. Bis zur Haltestelle "Stadion", die genau genommen "Deutsches Stadion" hätte heißen müssen. Denn die an diesem Tag eingeweihte Sportarena war genau wie sein Nachfolgebau, das Olympiastadion, eine nationale Angelegenheit.Kein gutes Omen im Übrigen: Der Kaiser, der sich mit und in diesem Stadion feiern ließ, war schon bald Geschichte. Und anstelle der olympischen Spiele von 1916, auf die Wilhelm II. spekuliert hatte, herrschte Krieg in Europa.Das Deutsche Stadion immerhin strahlte in den Weimarer Jahren heller als zuvor - von knapp 30 000 Plätzen war sein Fassungsvermögen auf bis zu 60 000 erweitert worden. Unüberdachte Stehplätze zumeist - die einzigen überdachten Sitze in einem von griechischer Klassik inspirierten und von preußischer Strenge kündenden Bau blieben auch nach 1918 jene in der pavillonartigen Kaiserloge. Das Deutsche Stadion wurde 1936 abgerissen. An gleicher Stelle baute Werner March das Olympiastadion. Er war der Sohn von Otto March, der dort 23 Jahre zuvor das Deutsche Stadion errichtet hatte.Poststadion: Ein Biotop inmitten der Stadt, ein eigenartiges Gefüge aus Stein, Schrott und Gestrüpp. "PORT" stand bis vor kurzem in gelben, verbeulten Lettern an einer Fassade; das "S" war bereits vor einiger Zeit heruntergefallen. Inzwischen wurden auch die übrigen Blechbuchstaben entfernt - denn Sport wurde hier lange nicht getrieben. Immerhin ist die Tartanbahn instand gesetzt und ein neuer Rollrasen verlegt. Auch an der verfallenen Haupttribüne haben die Bauarbeiten begonnen. Was die Denkmalbehörde wohl zu den neuen Kunststofffenstern sagen wird?Das Poststadion in der Lehrter Straße unweit des Lehrter Bahnhofs war einmal ein stolzer Bau. Dezent expressionistisch in der Architektursprache, ein Fassungsvermögen von knapp 60 000 Zuschauern zu Stehplatzzeiten, Spielstätte von diesen und jenen, vom Postsportverein natürlich, später vom SC Union 06 oder von Tennis Borussia Berlin. Ja sogar die Hertha hat hier 1986 ihre Heimspiele ausgetragen, so nah an ihrem Weddinger Heimatkiez wie seitdem nie mehr.Entworfen wurde das Poststadion von einem Olympiateilnehmer: Georg Demmler war Fußballer, "Cricketer" und Leichtathlet, zudem mehrmaliger Deutscher Meister in einer eigenwilligen Disziplin namens Fußballweitstoß. Neben dem 1927 fertig gestellten Poststadion plante er auch die Erweiterung des Katzbachstadions in der Kreuzberger Dudenstraße. Dort, und nicht im zwischenzeitlich baupolizeilich gesperrten Poststadion, wird dem sportiven Architekten mit einer Gedenktafel gedacht.Stadion der Weltjugend: Die ehemalige Arena in der Chausseestraße hält vermutlich zwei Rekorde. Zum Einen ihre ungewöhnlich kurze Bauzeit: In nur vier Monaten wurde das Stadion anlässlich des Deutschlandtreffens der Freien Deutschen Jugend im Frühjahr 1950 fertig gestellt. In ähnlich beschleunigtem Gestus wurde der Bau mitsamt den Stilelementen der klassischen Moderne - dem wundervoll geschwungenen Sprecherturm etwa - 1992 abgerissen. Statt der veranschlagten 15 Millionen Mark beliefen sich die Abrisskosten letztlich auf mehr als 30 Millionen Mark, "hektikbedingt zu hoch", so die kleinlaute Kostenanalyse der damaligen Senatorin für Stadtentwicklung, Michaele Schreyer.Jegliche Form der Städteplanung und Stadtentwicklung macht seitdem einen weiten Bogen um die Chausseestraße. Die geplante Olympiahalle wurde nie gebaut. Seit 1996 üben Golfer ihre Abschläge auf der 13 Hektar großen Brachfläche, auf der am 5. August 1951 70 000 Menschen mit ihrer Mannschaft mitfieberten. Damals verlor die Nationalmannschaft der DDR im Stadion der Weltjugend mit 1:5 gegen Dynamo Moskau.Plumpe: Ein eigentümlicher Name für eine längst vergessene "Kampfstätte". Dabei ist beides ganz naheliegend: Plumpe bedeutet einfach Pumpe, und eine solche hatte es in der Brehmstraße am Gesundbrunnen einmal gegeben. Genau dort war nun die Plumpe, Herthas Spielstätte im Weddinger Heimatkiez. Am 9. Februar 1924 wurde das Stadion mit den gewaltigen trapezförmigen Stehtribünen eröffnet. VfB Pankow hieß der Gegner in dieser Partie, die die Hertha durch ein Tor von Erich Gülle mit 1:0 gewann. Die Plumpe wurde zu dem Berliner Fußballstadion, einem der wenigen nach britischem Vorbild: Zwischen Spielfeld und Zuschauerrängen lag keine störende Aschenbahn, die Tribünen fielen steil herab und endeten Wand an Wand mit den angrenzenden Mietskasernen. Ganz ähnlich sieht Old Traffort in Manchester heute noch aus."Begeisternd, klein und eng" sei die Plumpe gewesen, so Nationalspieler Erich Beer. Zu klein und zu eng für die Bundesliga, weswegen die Hertha mit der Ligagründung ins Olympiastadion umzog. In die Plumpe am Gesundbrunnen kehrte der Verein nur noch einmal zurück - nach dem Bundesligaabstieg in der Saison 1965/66. Das Stadion selbst wurde 1974 abgerissen, ohne Abschiedsspiel und sentimentale Worte. Zwar sollte die Hertha noch einmal gegen den 1. FC Nürnberg auflaufen. Da aber stand die Plumpe unter Wasser. Eine sinnbildliche Wetterlage für das trostlose Aus einer Stadionlegende.------------------------------Foto: Rund 60 000 Zuschauer trafen sich zu seinen besten Zeiten im Poststadion an der Lehrter Straße. Derzeit wird das Tribünengebäude restauriert.------------------------------Foto: Stadion der Weltjugend 1973: DDR-Sportstätte mit Westkontakt.