STENDAL, 10. September. Im Stendaler Prozeß um die 36 Jahre zurückliegenden Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze auf einen westdeutschen Journalisten sind die beiden Angeklagten vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen worden. Den zur Tatzeit 18 und 19 Jahre alten Angeklagten sei eine Tötungsabsicht nicht nachweisbar, erklärte der Vorsitzende Richter der Jugendkammer des Landgerichts, Erik Götze, am Mittwoch. Außerdem habe nicht geklärt werden können, wer die tödlichen Schüsse auf den Chefreporter der "Westfälischen Rundschau", Kurt Lichtenstein, abgegeben habe.Lichtenstein war 1961 nahe der niedersächsischen Ortschaft Zicherie über die noch unbefestigte Grenze gegangen, um im Osten mit Landarbeitern zu reden. Er wurde durch zwei Schüsse schwer verletzt und starb noch am selben Tag .Der zur Tatzeit 19jährige Postenführer sei fest vom Sozialismus überzeugt gewesen, sagte Richter Götze. Der zur Tatzeit 18jährige Posten hingegen sei an politischen Vorgängen nicht interessiert gewesen. Mit den Schüssen hätten beide lediglich Befehle befolgt. Die beiden früheren Grenzsoldaten seien angehalten worden, Grenzverletzungen unter allen Umständen zu verhindern.