Stephane Stoecklin wirft nur noch selten für Frankreich: Asterix schmort auf der Ersatzbank

BOZEN, 2. Juni. Die Nummer eins ist sauer. Stinksauer. Beim Treff der europäischen Elite in Italien wollte Stephane Stoecklin beweisen, daß die Wahl zum "Welthandballer 1997" den richtigen traf. Doch nun macht ihm Frankreichs Trainer Daniel Konstantini die Show zunichte. Statt auf der gewohnten Position im rechten Rückraum, stellt Konstantini den Linkshänder auf die Außenposition oder setzt ihn auf die Bank. Anstatt dem Spiel seinen Stempel aufdrücken zu können, sich in der Torschützenliste wie in der Bundesliga ganz vorne zu plazieren, sieht er sich auf die Außenbahn verbannt, muß den Dirigentenposten einem überlassen, der diesen noch gar nicht ausfüllt, ausfüllen kann.Cedrik Burdet aus Montpellier ist zum Nachfolger erkoren, 23 Jahre erst, mit nur neun Länderspielen nach Südtirol gereist. Konstantini setzt auf die Zukunft. Stoecklin, gerade 29, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Wenn überhaupt. Doch letztlich hat er sich selbst ins Abseits manövriert. Daß er vor zwei Jahren von Frankreich nach Deutschland ging, hatte der Coach noch gutgeheißen: "Das erweitert den Horizont. Wer dort spielt, kann seine Fähigkeiten vervollkommnen." Stoecklins Entwicklung beim GWD Minden bestätigte das.Nun zieht es "Asterix" so in der westfälischen Wahlheimmat getauft wegen seiner in Handballkreisen vergleichsweise geringen Größe (1,85 m) und der enormen Wurfgewalt (120 km/h) nach Japan. Ein Konzern (Honda) will zum 50. Firmenjubiläum sein Team aufrüsten. Stoecklin hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben und soll jährlich 600 000 Mark netto verdienen. "Handballspielen ist mein Beruf, ich ernähre damit die Familie", wirbt der Franzose um Verständnis für einen Wechsel, der ein sportlicher Abstieg sein wird.Der Wechsel nach JapanGemessen am europäischen Standard ist die Japan-League eine Art Operettenliga. Den Ausschlag für die Entscheidung, so Stoecklin, habe Frederic Volle gegeben, viele Jahre Kollege im Nationalteam. Volle, zuletzt in Diensten von Wallau-Massenheim, wird den Freund nach Tokio begleiten. Der 32jährige wurde schon im Vorjahr von Konstantini aus der Auswahl verbannt.Nun droht Stoecklin das gleiche Schicksal. Konstantini setzt schon bei der EM auf die Jungen. Der Coach, der Frankreich Ende der 80er Jahre aus der C- und B-Klassigkeit in die Weltspitze führte, der in den 90ern bei allen Welttitelkämpfen eine Medaille holte (1993 Silber, 1995 Gold, 1997 Bronze), will in Sydney 2000 endlich den Olympiatriumph. Eine schlechtere Plazierung auf dem Weg dorthin nimmt er in Kauf. Bei der EM ist ein Abstieg wahrscheinlich, denn schon zuvor gab es Hiobsbotschaften ohne Ende. Marc Wiltberger (Wallau) mußte sich einer Schulteroperation unterziehen, Stephane Joulin (bisher Eisenach/künftig Niederwürzbach) riß das Kreuzband, Bernard Latchemy (Wallau) ist nach Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter ein halbes Jahr gesperrt. Zuletzt verletzten sich Jackson Richardson (Wallau) und Guillaume Gille (Chambery), die französische Entdeckung der Saison. In die Bresche springen sollen heute im richtungsweisenden Spiel gegen Deutschland Jerome Fernandez (21), Didier Dinart (21), Semir Zuzo (21), Patrick Cazal (22) und Leandri Pascal (23).Gegen Italien zog Konstantini die Notbremse und stellte Stoecklin zumindest für 30 Minuten wieder auf die halbrechte Rückraumposition. Geholfen hat es wenig. Stoecklin war zwar mit sechs Treffern der erfolgreichste Werfer seines Teams, hatte aber eine Erfolgsquote von nur 55 Prozent. Frankreich rettete gerade mal ein glückliches 23:22.