Stiftung hilft Jugendlichen bei der Suche nach einem Beruf: "Jetzt weiß ich, was ich werden will"

Vor der Kfz-Werkstatt der Universal-Stiftung Helmut Ziegner in der Lissabonallee steht ein alter, gelber Post-Transporter. Junge Männer in blauer Arbeitskleidung halten mit Hilfe eines Saughebers eine Fensterscheibe an die Seite des Kleinbusses. Kfz-Meister Wolfgang Sperlich zeichnet mit einem schwarzen Stift die Kanten nach und "vermittelt" die Scheibe, damit das Loch gerade ins Metall geschnitten wird. Gleichzeitig beschreibt er, was er tut, und stellt Fragen. Was wie normaler Lehrlingsalltag aussieht, ist eine neue Berufsorientierungsmaßnahme für 16 Jugendliche, die auf dem freien Markt keinen Ausbildungsplatz finden.Berufe ausprobieren.R. A. (19) aus Steglitz hat in der zwölften Klasse das Gymnasium abgebrochen, "weil ich da mit Stoff abgefüllt wurde, den ich gar nicht brauche". In der Werkstatt der Stiftung fühlt er sich dagegen wohl. "Und ich weiß jetzt, dass ich Automechaniker werden will", sagt R.. Das Einzigartige an dem einjährigen, vor vier Monaten begonnen Werkbusprojekt ist, dass die Jugendlichen Tätigkeiten verschiedener Handwerksberufe ausprobieren können: das Maler- und Lackiererhandwerk, Tischlerei, Metallverarbeitung, Elektrotechnik und Automobiltechnik.Der acht Jahre alte Mercedes-Transporter konnte mit Hilfe der Mittelstandsvereinigung Zehlendorf gekauft werden. Er wird nun zum Infomobil umgebaut. Ausgestattet mit einem Computer und bunt angemalt, soll er ab April des Jahres 2000 auf Festen stehen, damit Jugendliche sich in ihm über ihre Berufsperspektiven informieren können.Viele der Teilnehmer haben die Schule abgebrochen, Drogen genommen oder sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Nach dem einjährigen Lehrgang sollen sie einen Ausbildungsplatz finden. Die Stiftung, die in Berlin 25 Standorte mit fast 1 000 Beschäftigten hat, wurde 1949 vom Journalisten und Regisseur Helmut Ziegner gegründet, um haftentlassene Erwachsene wieder ins Arbeitsleben einzugliedern. "Mittlerweile kümmern wir uns hauptsächlich um Jugendliche", sagt Projektleiter Andreas Richter. "Und es sind immer mehr dabei, die trotz passabler Zeugnisse keine Lehrstelle finden oder mit dem Leistungsdruck in der freien Wirtschaft nicht zurechtkommen. " Um den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern, fangen die angehenden Handwerker nicht, wie in einem normalen Betrieb, mit dem eintönigen Üben von Grundlagen wie monatelangem Feilen ihre Ausbildung an. "Dann würden die gleich wegbleiben", sagt Jürgen Bittrich, der das Projekt als Sozialpädagoge begleitet.LEHRGANG Einstieg in den Beruf // Die Universal-Stiftung Helmut Ziegner wurde 1949 vom Journalisten und Regisseur Helmut Ziegner gegründet, um haftentlassene Erwachsene ins Arbeitsleben einzugliedern.Jugendliche sollen nach einem einjährigen Lehrgang bei der Stiftung einen Ausbildungsplatz in einem regulären Betrieb finden. Sozialarbeiter begleiten die Arbeit der Jugendlichen.Der Kursus begann am 28. Juni. Noch können jedoch weitere Jugendliche an dem Lehrgang teilnehmen. Informationen erteilt die Stiftung unter Tel. : 80 91 43 02.