Die Durchhalteparolen hatten Erfolg: Der alternative Kunstverein Acud kann in seinem Kunsthaus in der Veteranenstraße 21 bleiben. In der vergangenen Woche unterzeichneten die Erbengemeinschaft, der 1998 das Haus rückübertragen wurde, und die Berliner Stiftung "Umverteilen! Stiftung für eine solidarische Welt" ein notarielles Kaufangebot über 900 000 Mark. In den kommenden Tagen wollen die Stiftung und das Acud einen Erbbaurechtsvertrag über 50 Jahre schließen."Wir sind total glücklich. Zumal vor einem Jahr der Grundstückskauf noch scheiterte. Jetzt sind wir einen entscheidenden Schritt weiter", sagt Acud-Geschäftsführerin Jutta Braband. Weil in der Vergangenheit mehrfach Verträge kurz vor der Unterzeichnung geplatzt waren, sei sie in den letzten Tagen "hochgradig nervös gewesen. Für uns fängt die Arbeit jetzt erst richtig an". Schon im Herbst soll die Sanierung des Kunsthauses beginnen. Sie wird 4,5 Millionen Mark kosten, Förderanträge wurden bereits beim Senat und der Lotto-Stiftung gestellt. Vor allem die Räume für Veranstaltungen sollen größer werden. Dazu will der Verein die Remise auf dem hinteren Teil des Grundstücks ausbauen. Im Dachgeschoss ist ein Kino mit 120 Plätzen geplant, in der Etage darunter ein Konzertsaal. Im Erdgeschoss soll ein Café entstehen. An der Arbeit im eigentlichen Kunsthaus, einem rund 100 Jahre alten Wohngebäude, soll sich kaum etwas ändern. Außer dem Kunstverein gibt es dort sieben Vereine vor allem aus der Film- und Kinobranche. Wie bisher will das Acud jungen Künstlern die ersten Schritte und Auftritte ermöglichen, denn sie stellen einen "unverzichtbaren Faktor der Berliner Kulturlandschaft" dar.So rosig wie jetzt sahen die Acud-Leute die Zukunft ihres Kunsthauses nicht immer. Mehrfach war es in seiner Existenz bedroht. Einer Kündigung durch die Erbengemeinschaft folgten sechs Räumungsklagen. Acud organisierte deshalb im November 1999 eine Spendenaktion, um das Haus für 800 000 Mark selbst zu kaufen. Unter der Schirmherrschaft von Filmautor Wolfgang Kohlhaase wurden mehrere hundert Unterstützer gewonnen. Trotzdem verkauften die Erben das Haus im April 2000 an einen Investor, der Eigentumswohnungen bauen wollte. Dieser Kauf ist nach langen Verhandlungen rückgängig gemacht worden. Braband: "Der Investor hatte unsere Arbeit anerkannt und wollte uns nicht kaputtmachen.""In den letzten Tagen haben wir gefeiert. " Jutta Braband, Acud-Geschäftsführerin