10 Fragen über Mode an Aino Laberenz

Es geht um Socken und um Miuccia Prada: Ein Versuch, etwas mehr über die geheimnisvolle und stets gut gekleidete Berlinerin Aino Laberenz zu erfahren.

Die Kostümbildnerin Aino Laberenz kennt den Schlüssel zum guten Look: Es braucht nicht viel, wenn die Details stimmen.
Die Kostümbildnerin Aino Laberenz kennt den Schlüssel zum guten Look: Es braucht nicht viel, wenn die Details stimmen.Imago

Als Kostümbildnerin hat Aino Laberenz einen tiefgründigen Zugang zu Mode, denn die Kleidung einer Theater- oder Filmfigur sollte im besten Fall deren Seelenleben entsprechen. Und das ist in den Geschichten wie im echten Leben ja oft ambivalent. Diese intellektuelle Annäherung an die  Mode hat sicher auch den Look der Wahlberlinerin mitgeprägt. Zumindest hat sie eine Vorliebe für kluge Marken.

Aino Laberenz wurde in Finnland geboren. Sie studierte Kunstgeschichte, bevor sie 2001 begann, an großen deutschsprachigen Theatern zu arbeiten. Als Fotografin, Kostüm- und Bühnenbildnerin war sie schon am Schauspielhaus Zürich, an der Volksbühne und der Staatsoper Berlin engagiert. Mit René Pollesch, Schorsch Kamerun und Armin Petras arbeitete sie im Bereich Film. Aktuell ist sie am Wiener Burgtheater für das Kostüm von Tina Laniks Shakespeare-Inszenierung „Was ihr wollt“ verantwortlich.

Heute verwaltet Laberenz außerdem den Nachlass ihres verstorbenen Mannes Christoph Schlingensief und ist Herausgeberin der 2012 posthum erschienenen Biografie „Ich weiß, ich war’s“ sowie des Gesprächsbands „Kein falsches Wort jetzt“ (2020).  Seit 2010 ist sie die Geschäftsführerin von Festspielhaus Afrika, mit dem sie Schlingensiefs 2009 ins Leben gerufene Operndorf Afrika in Burkina Faso fortführt. Im Interview versuchen wir, mehr über die manchmal so geheimnisvolle und ernste, doch stets gut gekleidete 41-Jährige zu erfahren.

1. Inwieweit hat die Arbeit als Kostümbildnerin Ihre Sicht auf Mode verändert?

Ich arbeite im Theater oder auch im Film inhaltsbezogen. Ich mache mir also zuerst Gedanken um die Geschichte, die Charaktere, die Schauspieler und Schauspielerinnen, mit denen ich arbeite, sowie die Zeit und auch den Raum. Von da aus gehe ich in die Ästhetik über. Dadurch habe ich sicher auch privat so etwas wie eine „Aufsicht“ auf Mode bekommen, und es hat mich wahrscheinlich offener für andere Herangehensweisen an das Thema Mode gemacht. Persönlich probiere ich gerne aus, bin aber auch immer sehr stark an die Stimmung gebunden.

2. Mode und Kunst wachsen immer mehr zusammen. Welche jüngere Kollaboration halten Sie für besonders gelungen?

Ich glaube, dass es eine Beeinflussung gibt, ist nichts Neues. Ob ich eine Zusammenarbeit gut finde, hängt vor allem davon ab, ob ich die Beteiligten gut finde. Ob mir die Arbeit des Künstlers oder der Künstlerin gefällt, oder ob ich das Label spannend finde oder dessen Design-Team. Anne Imhof und Eliza Douglas in Kooperation mit Balenciaga finde ich zum Beispiel spannend, und ich mochte auch die Kampagne mit Rosemarie Trockel für Bottega Veneta (auch wenn das keine Kollaboration ist). Dann mag ich die Marke Leorosa super gerne. Die arbeiten ja eh sehr eng mit der Kunst zusammen. Oder die Kooperation von Sterling Ruby und 032c, die man auch im neuen Store der Marke sehen konnte. 

3. Nach welchen Kriterien kaufen Sie Ihre Kleidung?

Pragmatisch, aber auch nach Launen. Qualität versuche ich dabei vor Quantität zu stellen. Meinen Stil würde ich eher als maskulin und effortless, aber dennoch dezent weiblich beschreiben. Ich ziehe das an, worin ich mich wohl und selbstbewusst fühle. Ich habe keine speziellen Outfits für besondere Anlässe.

4. Welches ist Ihr liebstes Kleidungsstück momentan?

Ich habe gerade gedreht und bin quasi nahtlos in eine Theaterproduktion übergegangen, also ist meine Kleidung derzeit eher funktional. Aber so bin ich wahrscheinlich grundsätzlich. Ich liebe zum Beispiel Jeans, trage meistens eher Hosen als Röcke. Ich brauche es immer bequem. Komplizierte Kleidungsstücke, in denen ich mich unwohl fühlen würde oder mir verkleidet vorkomme, gehen für mich nicht. Ich würde auch nichts tragen, was nicht zu mir passt, nur weil es gerade in ist. Ich habe ein Vuokko-Hemd meines Vaters aus den 70er-Jahren. Das wird immer bei mir bleiben. Ich liebe Kleidungsstücke, zu denen ich eine persönliche Verbindung habe. So leben Erinnerungen weiter.

5. Gibt es bestimmte Details an Kleidung, auf die Sie besonders großen Wert legen?

Oh, da gibt es viele, obwohl ich es nicht zu überladen mag. Es ist interessant, mit Silhouetten oder Formen zu spielen. Außerdem trage ich gerne scheinbar Gegensätzliches, so wird ein Look schnell interessanter. Und ich mag Socken gerne. Und Mäntel! Ein Mantel ist ein großartiges Kleidungsstück, er kann mit einem Mal eine Haltung und Stärke geben. Ich mag es eben auch privat, mit meinem Look Geschichten zu erzählen.

6. Haben Sie Lieblingsmarken?

Es gibt sicher Marken, Designer oder Designerinnen, die mich immer wieder begleiten. Miuccia Prada für  Prada und Miu Miu oder Demna Gvasalia bei Balenciaga haben durch ihre Arbeit den Zeitgeist und den Stil von Generationen beeinflusst. Aber ich mag auch Martine Rose super gerne oder Marine Serre. Und ich mochte Alessandro Michele für Gucci.

7. In welchen Städten kaufen Sie bevorzugt Kleidung oder Accessoires?

Das kann ich so gar nicht sagen. Es ist ja schön, wenn Orte einen anderen Blick auf Kleidung erlauben. Ich liebe die Vintage-Läden in London, Paris oder New York. Aber auch in Brüssel. Wahrscheinlich schaue ich auch da eher wieder von „außen“ und mag es, Dinge zu entdecken. Außerdem: Warum Dinge kaufen, nur um sie in der nächsten Saison wieder wegzutun?

8. Welchen Trend mögen Sie gar nicht im Moment?

Trend ist an sich ein schwieriges Wort.

9. Wie oft sortieren Sie Ihren Kleiderschrank aus und wo landen die Sachen?

Ich versuche, öfters auszusortieren und bringe das dann in Secondhandläden. Mein Kleiderschrank ist aber nicht nur mein privater, sondern auch mein Fundus für meine Arbeit. Also wandert meine Kleidung viel umher und wird in verschiedenen Zusammenhängen wiederverwendet. 

10. Was ist Ihre preisliche Schmerzgrenze bei einem Kleidungsstück?

Definieren Sie Schmerz.