Die Weste ist ein seltsames Ding, denn auf der Skala von Hass bis Herrlichkeit deckt sie alles ab. Sie kann sehr cool sein in Form einer offen getragenen Anzugsweste über einem gerippten Unterhemd. So gesehen an Kate Moss, an der aber ohnehin alles fantastisch aussieht, sogar eine Zigarette. Sie kann ein lässiges Statement sein, wenn sie als Anglerweste von Joseph Beuys getragen wurde, der damit der ansonsten der Hipness gänzlich unverdächtigen Stadt Düsseldorf einen Anflug von rauem Charme verlieh. Ebenso wie an Andy Warhol, der es Beuys später nachtat. Warhol trug die Weste mit den vielen Taschen über einem geringelten Matrosen-T-Shirt à la Picasso und gab seiner Erscheinung so eine Note, die am besten mit preppy umschrieben wird. Das Outfit für ein Wochenende in den Hamptons, und bei Warhol natürlich ein ironisches Spiel mit den Kostümierungen der oberen Stände. Seine Hommage an jene immer auf Lässigkeit bedachte Ostküsten-Society, über die sich der Künstler in seinen Tagebüchern gern von liebevoll bis bösartig ausließ.

Das Negativbeispiel eines prominenten Westenträgers ist hingegen der Schauspieler Johnny Depp. Denn der sieht ja irgendwie nur noch verkleidet aus. Als ob Mr. Depp völlig vergessen hätte, dass die Dreharbeiten zum „Jack The Ripper“-Schocker „From Hell“ längst beendet sind. Denn warum sonst wankt er seitdem nur noch in verlotterte Keith-Richards-Fummel gewandet durch die Landschaft?

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