Nachdem alle dringenden Termine abgehakt, alle unverschiebbaren Vorträge gehalten, alle wichtigen Akten abgearbeitet sind, der Abwesenheitsassistent eingerichtet ist, die Wäsche gewaschen und alle Koffer gepackt sind, kann sie endlich beginnen, die schönste Zeit des Jahres – der Urlaub.

Urlaub birgt großes Konfliktpotenzial

Doch: Wenn die Ferien losgehen, fängt für einige der Stress erst richtig an. „Die lang ersehnte Auszeit birgt ein großes Konfliktpotenzial“, weiß Martin Solty, systemischer Familientherapeut in Dortmund. Das liege daran, dass die Erwartungen wohl an keine Zeit des Jahres so hoch seien wie an den Urlaub – und so unterschiedlich. Während der eine möglichst aktiv sein will, der zweite ein ausgefeiltes Kulturprogramm geplant hat, möchte der dritte sich höchstens einmal pro Tag am Strand wenden.

Hinzu kommt: Mit unseren Mitreisenden, die wir aus unserem Alltag kennen oder mit denen wir eventuell sogar zusammenleben, hängen wir sonst nicht so viel aufeinander. Im Urlaub sind sie ständig um uns herum – mit allen ihren Liebenswürdigkeiten, aber auch mit all ihren Macken, von denen wir in einer kleinen Ferienwohnung oder im Hotelzimmer auch mehr mitbekommen als sonst. Damit es im Urlaub trotzdem nicht knallt, sollte man drei Grundsätze beachten, wie Dr. Björn Enno Hermans, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF), rät:

1. Was ist mir wichtig? Worauf kann ich verzichten?

Wichtig ist, wie Hermans erklärt, dass jeder Reisende sich schon vor dem Urlaub überlegt, was für ihn Priorität hat und worauf man notfalls verzichten kann. Muss ich unbedingt jede Kirche in Krakau von innen sehen oder reichen vielleicht drei? Muss ich zwei Wochen unbeweglich am Strand von Capri liegen oder reicht vielleicht auch eine, damit noch Zeit bleibt für ein paar Ausflüge in die Natur?

2. Schon vor dem Urlaub Kompromisse aushandeln

„Mit seinen Vorstellungen im Hinterkopf setzt man sich dann an den großen Verhandlungstisch und plant den Urlaub zusammen mit den Mitreisenden“, so Hermans. Ein Abstecher nach Paris gegen einen Tag weniger am Strand? Na gut, weil Du es bist.

3. Während des Urlaubs im Gespräch bleiben

Das Kompromisse-Aushandeln hört mit dem Urlaub nicht unbedingt auf. Vor Ort könne noch einmal alles anders sein als gedacht, so Hermans. Vielleicht braucht man doch noch einen Tag länger, um das Naturschutzgebiet rund um den Urlaubsort zu erkunden oder man ist so neugierig auf das Fischerdorf an der Küste, von dem alle schwärmen, dass man doch die lange Fahrt auf sich nehmen möchte. Dann rät Hermans: „Zurück an den Verhandlungstisch, und beim gemeinsamen Abendessen noch einmal neu beraten, bevor man seinen Missmut fünf Tage mit sich herumträgt und der Urlaub schon fast vorbei ist.“

Ob mit Freunden, mit der Familie oder als Paar - In den verschiedenen Konstellationen können dabei noch einmal ganz unterschiedliche Konflikte im Urlaub auftauchen. Wie man sie vermeidet, steht auf der nächsten Seite.