Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Absolut niemand. Auch der größte Nervkünstler aus unserem umfangreichen Problembärchen-Sortiment dieser kleinen, staunenden Spezialsozialkolumne hätte es nicht geschafft, vergangene Woche meine Laune zu trüben, denn ich habe sie in London bei den Feierlichkeiten zum Platinum Jubilee der Queen verbracht. Und das war für mich als alte Royalistin natürlich so aufregend wie ein Take-That-Konzert und „Die Passion“ zusammen.

Haben Sie Elizabeth II. denn auch leibhaftig gesehen?

Tatsächlich ja, und das kann ich immer noch nicht wirklich fassen. Weil ich zu nachtschlafender Zeit aufgestanden war, hatte ich am Donnerstag einen sehr guten Platz entlang der royalen Prozessionsstrecke zum zeremoniellen Event Trooping the Colour, und da ritten beziehungsweise fuhren schon Prinz William, Prinz Charles, Prinzessin Anne, die Herzoginnen Camilla und Catherine und die drei Cambridge-Kinder in nächster Nähe an mir vorbei. Danach habe ich mich unter Aufbietung all meiner Schlängelkünste in der Menschenmasse so weit vor den Buckingham Palast durchgeschlagen, dass ich tatsächlich auch die Queen bei ihrem kurzen Balkonauftritt sehen konnte. Ich bin von all dem emotional immer noch komplett ermattet. Und deswegen nur ein bisschen sauer, dass es mir gerade wie Kim Kardashian geht: Wir hätten beide sehr gerne Tickets für das große Konzert heute Abend im Garten des Buckingham Palastes gehabt, und haben uns beide sehr darum bemüht – allerdings beide vergeblich.

privat
Anja Rützel und Hund Juri

Komplett unverständlich, in beiden Fällen.

Finde ich auch. Immerhin habe ich – zumindest bis eben grade – nicht öffentlich darüber gejammert, wie das PR-Team von Kim. Die konnten es wohl auch nicht ganz fassen, dass die amerikanische Version von Royalty bei den britischen Original-Royals nichts wert ist.

Haben Sie in Ihrem royalen Glückstaumel dann überhaupt Zeit gehabt, das Urteil im Prozess von Amber Heard und Johnny Depp zu verfolgen?

Ich hätte gerne darauf verzichtet, um meine gehobene Stimmung nicht mit der Erinnerung an die schnöde Realität zu beschmutzen, aber natürlich kam ich daran nicht vorbei. Johnny Depp hat also offiziell recht bekommen, die Jury hat die Missbrauchsvorwürfe von Amber Heard abgeschmettert und sieht es als erwiesen an, dass sie gelogen hat. Gleichzeitig aber muss auch Depp eine Strafe zahlen, weil sein Anwalt Heard diffamiert habe, als er behauptete, ihre Missbrauchsvorwürfe seien erfunden. Diese beiden Punkte bringe ich gerade noch in kein logisches Verhältnis.

Extrem emotional war jedenfalls ein Insta-Kommentar von Gwyneth Paltrow. Sie kommentierte ein Foto, das Ethan Hawke anlässlich des 33-jährigen Jubiläums des Films „Der Club der toten Dichter“ gepostet hatte, und zwar mit ziemlich schlüpfrigem Unterton.

Kann man so sagen. Auf dem Foto ist der junge Ethan zusammen mit seinen Castkollegen zu sehen, die meisten von ihnen ebenfalls ziemlich jung. Hawke kommentierte es mit einem Satz, der sich auf die Filmszene bezieht, in der er auf sein Schulpult klettert, und erinnerte daran, wie wichtig es sei, Dinge auch immer wieder mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Paltrow schrieb darunter: „Bester Film ALLER ZEITEN. Ich wünschte, ich hätte mit mehr von euch rumgemacht, als ich es getan habe.“ Und Hawke machte das Cringe-Fest komplett, indem er ihren Kommentar mit „Wir wünschen uns alle dasselbe“ erwiderte. Vielleicht geht da ja noch was. Bis jetzt haben die beiden nur einmal für einen Film zusammengearbeitet, das war 1998 beim Remake von „Große Erwartungen“. Damals spielten die beiden ein Paar, waren im echten Leben aber beide anderweitig gebunden: Paltrow datete Ben Affleck, und Hawke war da schon mit Uma Thurman verlobt. Es ist schon immer wieder erstaunlich, aus welchem Schmusepartnerpool diese berühmten Leute schöpfen können. Wirklich fair ist das ja nicht.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Wie fast immer weiß man das nicht ganz sicher. Aber ich habe so eine Ahnung, dass sie auch nicht zur Party im Buckingham Palace eingeladen ist. I feel you, Helene.

Die Fragen stellte Christian Seidl


Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.