Diese Woche fotografiert: Die Erdbeer-Nachfrucht im Hochbeet des Autors. Dank der Beipflanzung von Zwiebeln pilzfrei und extra geschmacksintensiv. 
Foto: Rainer Elstermann

Berlin/UckermarkLetzte Woche habe ich in der Hitze Erdbeeren gepflanzt. Denn jetzt, im August, ist die richtige Zeit dafür. So können sie tief einwurzeln und bis zum Herbst viele Blütenknospen fürs nächste Jahr bilden. Pflanzt man sie im Frühling, fällt die erste Ernte eher spärlich aus.

Da Erdbeeren ursprünglich im Wald heimisch waren, lieben sie leicht sauren Boden. Deshalb sammle ich (so ich daran denke) immer mal wieder abgefallene Nadeln unter Fichte & Co. ein und bringe sie um die Erdbeeren herum in den Boden ein. Ein gut abgelagertes Häcksel tut es übrigens auch.

Mit der japanischen Gartenschere lassen sich die „erstgeborenen“ Ableger sauber von der Mutterpflanze trennen.
Foto: Rainer Elstermann

Wie alle kultivierten Fruchtpflanzen brauchen Erdbeeren volle Sonne, damit die Früchte richtig süß werden. Gleichzeitig sollte der Boden nie ganz austrocknen – besonders nicht direkt nach dem Pflanzen, weshalb man ihn gerne locker mit Rindenmulch abdeckt. Traditionell setzt man Zwiebeln zwischen die Erdbeeren, Knoblauch tut es auch. Beide halten Pilzkrankheiten fern und verbessern, so heißt es, den Geschmack. Man pflanzt sie aber erst im Frühling.

Wie man Erdbeeren vermehrt, hat mir vor ein paar Jahren meine Nachbarin Irene (mir als „die mit dem grünen Daumen“ vorgestellt) erklärt. Von ihr stammt auch mein – nicht ganz ernst gemeinter – typisch spröde-brandenburgerischer Lieblingsspruch, was Gartenarbeit und Ablenkungen davon durch Wochenendgäste angeht: „Ich freue mich, wenn sie kommen, und ich freue mich, wenn sie wieder gehen!“

Schweißtreibend: Autor Elstermann beim Vorbereiten des Bodens für die neue Erdbeerplantage. Am Standort sollte guter Luftdurchzug herrschen.
Foto: Rainer Elstermann

Jedenfalls hat Irene mir erklärt, wie man aus den „Kindeln“ vorhandener Erdbeerpflanzen neue zieht. Kindel sind die kleinen Ableger, die an den Trieben einer Mutterpflanze entstehen. Sobald sie eigene Wurzeln gebildet haben, also meist im August, trennt man den der alten Pflanze am nächsten liegenden, also „erstgeborenen“ Ableger mittels einer scharfen Gartenschere von der Mutterpflanze.

Die im Frühjahr fürs Hochbeet gekauften Erdbeerpflanzen habe ich nun also samt vieler Kindel in den Gemüsegarten umgesetzt. Auf das vorgesehene Feld hatte ich erst Phacelia gesät, um den Boden unkrautfrei zu halten. Am Abend vor der Pflanzung wurden sie abgeharkt und danach die Erde gründlich gewässert.

Natürlicher Schutz vor Pilzen: Im Abstand von circa 35 cm werden Kindel und Mutterpflanzen wieder in die Erde gesetzt. 
Foto: Rainer Elstermann

Am nächsten Morgen habe ich die Erde erst mit der Hacke gut gelockert und dann mit einem Kultivator (mit fünf Scharzinken) geglättet und letzte Unkräuter entfernt. Mein Kultivator ist museumsreif, als Stiel habe ich ein altes Stämmchen genommen. Wie jeder Kultivator ist er ein Wunderwerkzeug im Nutzgarten, da er mehrere Arbeitsschritte in einem ausführt. Zum Beispiel bereitet man damit auch die Rillen für die Aussaat von Stauden oder Gemüse vor.

Die Erdbeeren habe ich diesmal relativ dicht gesetzt. Man sollte darauf achten, dass sie an einem Ort mit etwas Luftdurchzug stehen, damit sie nach einem Regen rasch gut abtrocknen. Erdbeeren stehen gerne oben trocken und unten feucht, aber bitte ohne Staunässe im Boden.

Sobald die Erdbeeren gesetzt waren, bekam jede Pflanze mit der Gießkanne eine tüchtige Portion Wasser. Damit sie nicht anfällig für Pilzkrankheiten werden, sollte man sie – wie eigentlich alle Pflanzen – wässern statt gießen: Also mit der Kannentülle nahe am Wurzelballen ansetzen und nicht mit dem Sprühkopf über alle Blätter gehen.

Beim abschließenden Wässern darauf achten: Nur die Pflanze selbst gießen, ihre Blätter dabei möglichst trocken halten.
Foto: Rainer Elstermann

So verhindert man auch Unkraut auf der frisch gelockerten Erde um die Erdbeeren. Das sprießt in jungen Pflanzungen nämlich immer dann sehr stark, wenn die gesamte Erde zwischen den Pflanzen gleichmäßig feucht gehalten wird. Den zuvor erwähnten Häcksel habe ich leicht in die oberste Bodenschicht eingeharkt und dann mit Mulch dünn bedeckt. Statt Mulch kann man auch Stroh nehmen, damit die Früchte schön sauber bleiben im Sommer; allerdings birgt Stroh die Gefahr, dass es sich zwischen den Pflanzen aussät und man auf einmal Ähren zwischen den Beeren sprießen hat. Ist mir schon passiert.

Eine hervorragende Methode, ältere Erdbeerkulturen zu verjüngen, besteht darin, dazwischen Feldsalat anzupflanzen. Als ich das vor ein paar Jahren versuchte, dankten es mir die Erdbeerpflanzen im Jahr darauf mir einer Vitalität, über die ich nur staunen konnte. Zusätzlich war der Boden zwischen ihnen durch den Feldsalat über den Winter und Frühling so abgedeckt, dass keinerlei Unkraut aufkam. Mal abgesehen von dem nicht zu unterschätzenden Plus, dass ich den ganzen Winter über frischen Feldsalat essen konnte.

Geschafft! Gartenkolumnist Rainer Elstermann nach erfolgreicher Neupflanzung seines Erdbeerfelds.
Foto: Rainer Elstermann

Im August ist übrigens auch noch Zeit, Hochbeete anzulegen und Nutzpflanzen für den Winter auszusäen. Ein oft übersehener Luxus der häuslichen Gemüsezucht ist es ja, dass man den ganzen Winter über ernten kann. Feldsalat, Chicoree und Radicchio etwa eignen sich bestens für Kästen und Kübel und verlängern auf Terrasse oder Balkon die Erntesaison um Monate.

An Weihnachten zum Beispiel gibt es bei uns traditionell frisch geernteten Rosenkohl, blanchiert und in Olivenöl kurz angedünstet. Er schmeckt dann nicht nur wegen der festlichen Stimmung besser als im Restaurant: Schon 30 Minuten nach der Ernte reichert sich Rosenkohl mit Stoffen an, die den typisch bitteren Geschmack verstärken. Wer ihn nie frisch aus dem eigenen Beet isst, verpasst also wirklich etwas.


Gartengestalter Rainer Elstermann auf Instagram: https://www.instagram.com/neuelandschaftsgestaltung