Ruinen inmitten eines düsteren Waldes und junge Berliner Hipster, die sich aufmachen, um sich dort einer Mutprobe stellen: Eine ganze Nacht wollen sie in den verfallenen Gebäuden verbringen, in denen es angeblich spuken soll. 

Das ist die Handlung des Films „Heilstätten“, der am 22. Februar in die Kinos kommt und dessen Trailer man sich hier ansehen kann. Die Macher des Films spielen auf die Beelitz-Heilstätten im Landkreis Potsdam-Mittelmark an.

Laut der offiziellen Facebook-Seite des Films handelt es sich um den „ersten deutsche Social-Media-Horrorfilm, welcher in den düsteren Hallen des verwitterten Kurortes die tödlichste Challenge im Internet dokumentiert“.

Die Beelitz-Heilstätten sind ein Anziehungspunkt für Anhänger des „Dark Tourism“

Tatsächlich wurde der Film aber nördlich von Berlin in der Heilstätte Grabowsee bei Oranienburg gedreht. Allerdings gibt es in dem Film etliche Verweise auf Beelitz und die Geschichte der Heilstätten.

Einst waren die Beelitz-Heilstätten im Landkreis Potsdam-Mittelmark eine renommierte Klinik im Kampf gegen Tuberkulose. Heute gelten sie als Abenteuerspielplatz für Berliner Hipster, Fotografen und Künstler.

Die Ruinen dienen häufig als Schauplatz von Shootings oder Filmdrehs wie beispielsweise für „Operation Walküre“ mit Tom Cruise oder Roman Polanskis „Der Pianist“. Vor allem aber sind sie ein Anziehungspunkt für Anhänger des Dark Tourism. Der sogenannte „schwarze Tourismus“ lockt Reisende, die sich gruseln wollen und gerne an einstige Tatorte oder Kriegsschauplätze reisen.

Verrottete Krankenbetten und Behandlungsstühle

Auf Instagram finden sich unter dem Hashtag #beelitzheilstätten etliche Bilder der verfallen Gebäude, ehemaliger Krankenbetten und Behandlungsstühle. Teilweise ist das medizinische Mobiliar noch vorhanden und verrottet an dem mysteriösen Ort. Ein Bild zeigt sogar Flaschen mit einem Rest Medizin. Die sechzig Gebäude, die sich auf ein 200 Hektar großes Gebiet verteilen, stehen unter Denkmalschutz.

Bei der einstigen Klinik rund vierzig Kilometer von Berlin entfernt handelt es sich in jedem Fall um einen geschichtsträchtigen Ort: Mit dem Bau der Klinik wurde bereits 1898 begonnen, komplett fertiggestellt wurden Krankenhaus und Sanatorium erst 1930, wie die Stadt Beelitz auf ihrer Internetseite schreibt. Im ersten und zweiten Weltkrieg dienten die Gebäude als Lazarett für verwundete Soldaten. Sogar Hitler ließ sich dort behandeln, wie das Aktionsbündnis Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit berichtet.

1945 vereinnahmte die Rote Armee das Krankenhaus und bis 1994 galt es als größtes Militärhospital der sowjetischen Armee und später russischen Armee im Ausland. 1990 wurde Erich Honecker dort wegen Leberkrebs behandelt.

Serienmörder „Rosa Riese“ trieb hier sein Unwesen

Die Geschichte der Beelitz-Heilstätten wird allerdings noch gruseliger: Der Serienmörder „Rosa Riese“ ermordete 1991 in der Nähe eine junge Arztgattin und ihr Baby. 2008 soll dort ein Fotograf ein Fotomodell getötet und sich sich an ihrer Leiche vergangen haben. 2011 erhängte sich den Potsdamer Neueste Nachrichten zufolge ein Obdachloser in den Ruinen, nachdem er dort längere Zeit gelebt hatte.

Dennoch scheint sich der morbide Ort langsam zu wandeln: Inzwischen sind Teile der Gebäude saniert, sie beherbegen unter anderem eine neurologische Rehabilitationsklinik. Auch weitere Ruinen werden derzeit saniert, laut der Projektentwickler von Refugium Beelitz entstehen dort Atelierwohnungen für Kreative.Sie wollen die einstigen Heilstätten mit dem schaurigen Ruf nach eigener Aussage zu einem „idyllischen ,,'Creative Village'“ umwandeln.

Die Stadt Beelitz warnt davor, die Heilstätten auf eigene Faust zu erkunden: Vor etwa zehn Jahren seien die teils verfallenen Gebäude Sanatoriums Ziel von abenteuerlustigen Jugendlichen und Plünderern gewesen, berichtet Stadtsprecher Thomas Lähns. Einige Gruselfans hätten sich dort verletzt und ein Jugendlicher sei bei einem Sturz aus einem Fenster ums Leben gekommen.

Heimliche Streifzüge sind gefährlich

Heimliche Streifzüge durch die malerischen Ruinen seien gefährlich, so Lähns. Gruselfans, die sich nachts heimlich auf das Gelände der Beelitzer Heilstätten schleichen wollten, müssten mit Anzeigen und entsprechenden Strafen rechnen, warnt der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth.

Wer sich die Ruinen anschauen möchte, kann das seit 2016 auch von oben tun: Ein Baumkronenpfad in 23 Metern Höhe führt über das Gelände. Eine Tour beinhaltet aber auch die Besichtigung des ehemaligen Badesaals und eines Patientenzimmers im Chirurgie-Pavillon.(rer/dpa)