Berlin-KreuzbergPassenderweise beginnt die Geschichte der Teppichmarke Berberlin in einem Wohnzimmer. Dort lagen die Kelims und Beni Ourains, die Julia Schauenburg-Kacem und ihr Mann Walid von Reisen durch dessen Heimatland Tunesien mit nach Berlin gebracht hatten. So entstand die Idee, sie nicht nur fürs eigene Heim und Freunde mitzubringen, sondern professionell zu importieren. Echte Berberteppiche waren in Deutschland damals schwer zu bekommen. Außerdem sehnte sich das Paar nach der Geburt des ersten Kindes nach einem anderen Rhythmus: Julia wollte mit nachhaltigeren Produkten arbeiten, als sie es als Fotografin aus der Modebranche gewohnt war; Walid mehr Zeit zu Hause verbringen, was seine damalige Festanstellung als Ingenieur nicht zuließ. 

„Ich hatte diese Vorstellung, dass wir das Business in meiner Elternzeit nebenbei aufziehen könnten“, sagt Julia am Telefon. „Es stellte sich schnell heraus, dass ‚nebenbei‘ nicht möglich ist, wenn man ein Geschäft gründet.“

Der Azilal „Arrida“ misst 140 x 105 Zentimeter und ist aus Schafswolle handgeknüpft. Um 280 Euro bei Berberlin.
Foto: Billie Clarken

Das war die erste Erkenntnis, mit der es 2015 losging. Eine weitere: Etwas Neues zu schaffen bleibt ein steter Lernprozess – von der Suche nach den Lieferanten über die Entwicklung eigener Designs bis zu Gründung eines Ateliers in Marokko, in dem ein Frauenkollektiv in Eigeninitiative Teppiche knüpft. Von großem Vorteil sei, dass ihr Mann Arabisch und auch ein wenig Berberisch spräche, erzählt Julia. Das öffnete die Türen zu Familienbetrieben, zu denen man sonst schwer Zugang gefunden hätte.

Dabei musste auch Walid lernen, anders zu kommunizieren. „Wir wunderten uns, dass die Teppiche manchmal zehn Zentimeter breiter und länger ankamen als bestellt“, erinnert Julia sich. „Das war aber keine Schlamperei, sondern reine Großzügigkeit. Wir mussten dann erklären, dass das natürlich wahnsinnig nett sei; aber wenn in Deutschland jemand einen Teppich von zwei mal drei Metern wünscht, macht er ungern Kompromisse.“

Eine Anekdote, die stellvertretend für die weitgehende Unplanbarkeit der letzten Jahre steht. Was wiederum auch den Charme der Marke ausmacht. Nachdem die beiden anfangs nur bestehende Designs aufkauften, gestaltet Julia, die Kunst studiert hat, inzwischen auch eigene Entwürfe. Sie entstehen nicht am Computer, sondern mit Buntstiften auf Papier. „Die Muster sollen keine Millimeterarbeit sein, das würde auch gar nicht zu unserem Produkt passen. Sie sollen etwas Verspieltes und Fröhliches ausdrücken. Jeder Teppich ist ein wenig anders, der Zufall und das Nicht-Perfekte gehören bei uns dazu.“

Das Ehepaar Walid Kacem und Julia Schauenburg-Kacem.
Foto: AnneLiWest

Diese neu kreierten Azilal-Teppiche werden von der Berberlin Women’s Initiative geknüpft, mit der die Marke selbstbestimmtes, nachhaltiges Arbeiten fördern will. Traditionell sind es zwar die Frauen, die im Teppichgeschäft die Fäden in der Hand halten, denn sie knüpfen und weben. Aber die Männer färben und – verkaufen.

Die Idee entwickelte sich aus der Zufallsbekanntschaft mit einer Weberin, die in ihrem Heimatdorf im marokkanischen Atlasgebirge nun das Kollektiv leitet. „Es ist anders als mit Betrieben, die seit Generationen eingespielt sind: Mitunter klaffen unsere Vorstellungen davon, was ‚freies Arbeiten‘ bedeutet, auseinander“, sagt Julia Schauenburg-Kacem und lacht. „Doch um ehrlich zu sein: Auch wir mussten uns die Selbstständigkeit erstmal beibringen. Gerade, da wir aktuell nicht vor Ort sein können, um Strukturen und Leitung vorzugeben, ist es nicht leicht.“ Dennoch: „Es ist doch schön, dass die Weiterentwicklung nie aufhört.“

Erhältlich im Online-Shop unter: berberlin.com


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