So klappt es mit den Zimmerpflanzen: Die besten Tipps für kapriziöses Grün

Auf der Suche nach einer Pflanze für daheim ist unsere Kolumnistin über die schwierige Alocasia gestolpert. Wie sie diese gesund hält, erklärt sie hier.

Zimmerpflanzen können viel Freude bereiten, auch wenn ihre Pflege zeitintensiv sein kann. Man kann es aber auch ein wenig übertreiben mit der Begrünung der eigenen vier Wände. 
Zimmerpflanzen können viel Freude bereiten, auch wenn ihre Pflege zeitintensiv sein kann. Man kann es aber auch ein wenig übertreiben mit der Begrünung der eigenen vier Wände. Unsplash

Ach, Januar. Du und ich, wir werden keine Freunde mehr. Mit Wehmut schaue ich hinaus in meinen Garten. Wäre schon März, ich hätte längst meine 10.000 Schritte auf der Uhr. Ich hätte den Rasen belüftet, die Rosen freigeschaufelt, und im Staudenbeet würden die ersten Tulpen ihre Nasen aus der Erde strecken. Jetzt im trüben Jänner dagegen ist das Einzige, was wächst, mein innerer Schweinehund. Aktuell schaffe ich es kaum, den Papiermüll vor die Tür zu tragen oder die Zimmerpflanzen zu wässern.

Apropos: Ein großer Fan von Wohnzimmergewächsen bin ich nicht, aber über die Jahre durfte dann doch das ein oder andere bei mir einziehen. Ich vermute, das ist ein Phänomen mittelalter Damen. Gabriele Pape zum Beispiel, die Chefin der Gartenakademie, antwortete mir einst, als ich sie fragte, ob sie Zimmerpflanzen schätzen würde: „Ich habe angefangen, ihnen ein bisschen Zuneigung zu geben. Aber nicht wirklich viel.“ So ist das auch bei mir. Zimmergrün bringt mich über den Winter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Pflanzen spüren natürlich, dass sie hier nur die zweite Geige spielen und strafen mich mit einer entsprechenden Ausfallquote ab.

Besuch beim Pflanzendoktor

Von den fünf Phalaenopsis blüht aktuell nur eine, die Cymbidie machte im Dezember endgültig die Grätsche, die Yucca-Palme meiner Oma (die begleitet mich allerdings schon seit fast vierzig Jahren) hat unverschämt viele braune Spitzen, und darauf, dass der Weihnachtskaktus ein zweites Mal blüht, warte ich bislang vergeblich. Aber hier besteht berechtigte Hoffnung, immerhin hat der Kakteenexperte mir erklärt, dass es bis zur zweiten Blüte vier Wochen dauern kann. Ich werde berichten.

Was mir tatsächlich Freude macht dieser Tage, ist meine Alocasia. Die steht im Wohnzimmer auf der Ecke eines alten Radios und streckt divenhaft ihre acht Blätter in die Luft. Als die Pflanze bei mir einzog, hatte sie nur fünf. Darauf bin ich stolz. Alocasien nämlich sind zickig. Von allen Zimmerpflanzen ist diese die schwierigste – und erhält doch den Löwenanteil meiner spärlichen Zuwendung. Warum, fragen Sie? Weil ich, wenn diese Pflanze noch bis Ende Januar durchhält (und davon gehe ich aus), eine Flasche Champagner gewinne.

Und das geht so: Vor knapp einem Jahr besuchte ich René Wadas. Der ist in den sozialen Netzwerken eine kleine Berühmtheit und erfreut unter dem Pseudonym „Der Pflanzenarzt“ seine stetig wachsende Anhängerschaft mit grünen Tipps rund um das Thema Garten. Auf Facebook, TikTok und Instagram knöpft der Gärtnermeister sich alles vor, was Wurzeln oder Blätter hat. Obendrein hat der Mann diverse Sachbücher geschrieben, die allesamt Bestseller wurden, und einmal in der Woche öffnet er seine „Pflanzenklinik“ im niedersächsischen Kissenbrück.

Dort bietet er dann eine Sprechstunde für Hobbygärtner und deren Sorgenkinder an. Sollte also Ihre Monstera schwerwiegende gesundheitliche Probleme haben und wollten Sie sowieso längst mal wieder in Niedersachsen Urlaub machen, wissen Sie nun, was zu tun ist: Schnallen Sie die Patientin auf dem Rücksitz fest und fahren Sie beim Pflanzenarzt vorbei. Der Mann, so viel steht fest, ist in Sachen Pflanzen in etwa so umtriebig wie CDU-Bundestagsabgeordnete, was ihre Nebeneinkünfte angeht.

Ich war damals mit René in seinem Gewächshaus – pardon – in seiner „Klinik“ verabredet, um einen kurzen Beitrag für das Morgenmagazin zu drehen. Einige Kilometer vor Kissenbrück allerdings fiel mir auf, dass ich meine Forellenbegonie, die als Vorzeigepatientin für diesen Dreh herhalten sollte, auf dem heimischen Küchentisch hatte stehen lassen. Wir hielten an einer Gärtnerei, und mein Blick fiel auf eine Topfpflanze, deren lange Stängel wie bei einem Zebra schwarz-weiß geringelt waren. Am Ende eines jeden Stängels bildete die Pflanze ein großes, herzförmiges Blatt. „Alocasia Zebrina (Elefantenohr)“ stand auf dem Schild, das in dem Topf steckte.

Die Alocasia mag es mollig und warm

Ich fand den Namen witzig, und da nirgends eine Forellenbegonie zu sehen war, nahm ich das Elefantenohr als Ersatz. Wer beim Fernsehen arbeitet, der muss schließlich flexibel sein. Als wir endlich in Kissenbrück vorfuhren, schlug eisiger Nieselregen gegen unsere Windschutzscheibe. Wir parkten neben einem großen Schild, auf dem ein Arztkoffer mit weißem Kreuz und der Schriftzug „Pflanzenarzt“ leuchteten. Die Alocasia unterm Arm stieg ich aus dem Wagen, und während ich noch überlegte, welches der vier Gewächshäuser das richtige sein möge, öffnete sich eine der Türen, und René streckte seinen Kopf heraus. „Ohhhh“, sagte er und deutete auf die Pflanze, „wenn du willst, dass die nicht innerhalb von zehn Minuten im Eimer ist, solltest du nicht weiter mit der hier draußen herumlaufen.“

Eilig schob er die Pflanze und mich in sein beheiztes Gewächshaus. „So eine Alocasia“, erklärte der Gartenprofi, ohne dass ich ihm überhaupt eine Frage gestellt hatte, „wächst in den Tropen, die mag es mollig und warm. Die braucht Wohnzimmeratmosphäre.“ Ich stellte den Topf ab und sah, dass die Pflanze tatsächlich bereits ihre Elefantenohren hängen ließ. Was für ein Seelchen! Renés „Klinik“ sah aus wie das RTL-Dschungelcamp, nur eine Nummer kleiner. Auf dem Boden und in den Holzregalen ruhten in wildem Durcheinander große Ficus-Kübel neben kleinen Blattbegonien, Bogenhanf und flammenden Käthchen.

Einige der Schützlinge waren nur zum Überwintern gebracht worden, andere päppelte der Pflanzen-Doc bereits seit Monaten. Und in der Mitte des Gewächshauses, umrahmt von hängenden Dreimasterblumen und Schwertfarn, war eine Art Übertragungsstudio mit Stativen, Lichtschmeichlern und Kamera aufgebaut. Der Social-Media-Star hatte eine Ausrüstung, gegen die unser ZDF-Equipment anmutete wie Hollywood für Anfänger. Im Grunde, dachte ich, hätten wir unsere Kameras auch zu Hause lassen können.

René ist nicht nur ein sympathischer Kerl, der Mann hat obendrein auch tatsächlich Ahnung. In kürzester Zeit lieferte er uns ein Feuerwerk an geballtem Pflanzenwissen, später im Schnitt hatte ich größte Mühe, all die großartigen Informationen in einen kurzen Fernsehbeitrag zu quetschen. Zum Glück schreibe ich mittlerweile diese Kolumne und fasse drum mal das Wichtigste zusammen.

Erstens: Je dunkler das Blatt einer Zimmerpflanze, desto weniger Licht benötigt sie. Zweitens: Beim Gießen empfiehlt der Experte stets eine Fingerprobe. Ist die Erde etwa zwei Zentimeter tief im Topf trocken, wird gegossen. Aber erst dann. Drittens: Gute Pflanzerde sollte, wenn man sie mit der Hand zusammenpresst, locker auseinanderfallen. Viertens: Gegen Schildläuse und Spinnmilben empfiehlt der Pflanzenarzt eine Dusche mit Orangenöl. Fünftens (und das ist jetzt ganz wichtig!): Zimmerpflanzen lieben handwarmes und kalkfreies Wasser. Gießwasser achtlos aus dem Hahn gezapft, das sollte man tunlichst vermeiden. Für die Gewinnung größerer Mengen kalkfreien Wassers hatte der Pflanzenprofi übrigens einen simplen Trick. „Du gehst raus in den Garten, rupfst Moos aus dem Rasen und legst es in eine gefüllte Gießkanne. Nach 24 Stunden hat das Moos den Kalk aufgesogen, und du kannst mit wunderbar weichem Wasser deine Pflanzen versorgen.“

Bester Gesundheit

Eins, zwei, drei hatten wir unsere Aufnahmen im Kasten, und zum Abschied wickelte mir René meine tropische Madame vorsichtig in Zeitungspapier. „Da haste dir aber auch ein besonders zickiges Exemplar ausgesucht“, erklärte er. Alocasien, lernte ich, sind die anspruchsvolleren Zeitgenossen unter den Zimmerpflanzen. Sie brauchen gleichbleibende Wärme, mögen keine Staunässe, verlangen viel Platz, sollten hell stehen, aber nicht zu sonnig, und mögen es, wenn man ihre Blätter regelmäßig mit einem feuchten Tuch abwischt. Na super! Sonst noch Wünsche?

„Ich bin gespannt, wie lange die es bei dir aushält“, sagte René und drückte mir den Topf in die Hand. „Ich ehrlicherweise auch“, antwortete ich, wissend, was für ein Schattendasein meine Zimmerpflanzen führen. Der Pflanzenarzt und ich schlossen eine Wette ab: Wenn die Alocasia in einem Jahr noch am Leben sein sollte, schuldet er mir eine Flasche Schampus. Macht sie schlapp, geht die Flasche auf mich.

Tja, was soll ich sagen? Das Jahr ist fast rum, und das gute Stück erfreut sich bester Gesundheit. Ich war aber auch stets lieb zu ihr, hab die Blätter feucht abgewischt und ihr freundlich zugesprochen. Trotz des inneren Schweinehundes. Der Januar möge jetzt bitte möglichst schnell zu Ende gehen. Und das nicht nur, weil ich dann Champagner trinken werde.


Sabine Platz arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Fernsehjournalistin beim ZDF. Dort produziert sie unter anderem für die Rubrik „Platz im Garten“ im „Morgenmagazin“ regelmäßig Berichte rund um das Thema Natur, Garten, Ökologie und Nachhaltigkeit. Im Oktober 2021 erschien ihr Buch „Im Garten: Zwischen Knolle und Kompost liegt das ganze Leben“.