Luxus statt Leerstand: Alhambra auf dem Kudamm findet endlich dauerhaften Mieter

Seit 2009 hatte das historische Lichtspielhaus leer gestanden, auch nach der Großrenovierung gab es nur kurze Eventvermietungen. Nun tut sich im Alhambra was.

So gut sieht's heute aus: Alhambras üppige Fassade mit Pilastern, Halbsäulen und Stuckelementen.
So gut sieht's heute aus: Alhambras üppige Fassade mit Pilastern, Halbsäulen und Stuckelementen.Anastasia Hermann

Berlin sieht sich äußerst ungern als Schlusslicht. Lieber laufen wir mit großen Schritten voran, lassen nonchalant Deutschlands andere Großstädte hinter uns, die wir als solche, als „Großstädte“ ohnehin kaum gelten lassen. Insofern könnte man beinahe eingeschnappt sein, dass erst der achte Apropos The Concept Store nach Berlin zieht.

Aber wer hat hier eigentlich etwas von „Schlusslicht“ gesagt? Es sieht kaum danach aus, als würden die Apropos-Gründer und -Geschäftsführer nach der Berliner Eröffnung Schluss machen. Eher scheinen Klaus Ritzenhöfer und Daniel Riedo ganz und gar auf Wachstum eingestellt: Nach zwei Stores in Köln und weiteren in Düsseldorf, Hamburg, München und Gmund hatten sie im September erst eine Dependance in Rottach-Egern am Tegernsee eröffnet; wer weiß schon, was für eines von Deutschlands erfolgreichsten Concept-Store-Konzepten nach dem Opening am Kurfürstendamm 68 kommt.

Dort wird das Luxusgeschäft im Juli 2023 das geschichtsträchtige Alhambra beziehen: Zwischen 1921 und 1922 nach den Plänen des Architekten Max Bischoff als Lichtspielhaus erbaut, erstrahlt die üppige Fassade mit seinen Pilastern, Halbsäulen und Stuckelementen seit Herbst 2021 wieder im neuen-alten Glanz. Vor der umfassenden Renovierung hatte das sechsstöckige Gebäude, in dem vor genau 100 Jahren der weltweit erste Tonfilm uraufgeführt wurde, seit 2009 leer gestanden. Und auch seit seiner Wiedereröffnung hatte es bisher bloß Eventvermietungen gegeben; der Fashion Council Germany war hier zu Gast, zuletzt veranstaltete im September Topmodel Toni Garrn einen Charity-Flohmarkt im Alhambra.

Ein Apropos-Store in Köln: Für Berlin soll allerdings ein ganz eigenes Interior-Konzept erarbeitet werden.
Ein Apropos-Store in Köln: Für Berlin soll allerdings ein ganz eigenes Interior-Konzept erarbeitet werden.Apropos

Nun wird sich also Apropos breitmachen auf den rund 1000 Quadratmetern Ladenfläche des Hauses, das der Berliner Investmentgruppe Wertconcept gehört. Ab Juli 2023 soll es Mode für Damen und für Herren geben – an seinen anderen Stellen arbeitet der Store zum Beispiel mit Marken wie Celine, Dior und Fendi zusammen –, darüber hinaus ein Angebot an Kosmetik- und Interior-Produkten sowie einen Bar- und Loungebereich. Und mit Marketingexperte Pepe Burkhardt als Markendirektor für sämtliche Apropos-Stores wurde gleich noch eine wichtige Personalie neu besetzt.

Mit dem neuen Berliner Geschäft wird sich Apropos einreihen in den imposanten Eröffnungsreigen der vergangenen Wochen und Monate: Gerade hat der ähnlich ausgerichtete Concept Store The Square am Gendarmenmarkt eröffnet, seit gestrigen Donnerstag gibt es im KaDeWe Berlins ersten Store der spanischen Luxusmarke Loewe. Hinzu kommen wahnsinnig viele neue Edel-Gastronomien; Restaurants wie Cumberland, Frederick’s und Coccodrillo, dazu Hotelneueröffnungen wie Stilwerk auf der Kantstraße, Château Royal sowie Hotel Telegraphenamt in Mitte.

So viel neuer Luxus nach zwei Coronajahren, inmitten einer Energiekrise – das überrascht durchaus. Nun hat sich allerdings das Luxussegment in den vergangenen Krisenjahren zwar nicht unbedingt als krisenresistent gezeigt. Wohl aber als Stehaufmännchen, das sich nach dem Umfallen schnell wieder berappelt. Auch in Berlin.