Morgens um halb zehn in Deutschland: feine Cocktail-Auswahl mit Espresso Martini (oben li.) und Margarita. 
Foto: Krystian Lipiec

Berlin-SchönebergMein wunderbarer Job bringt es mit sich, dass ich sehr viel Zeit in gastronomischen Einrichtungen verbringe. Für mich gab es bislang immer nur eine feste Restaurantpause am Tag: den Morgen. 

Berlin hingegen bezeichnet sich gern als Hauptstadt des Frühstücks, in der viele Cafés ihr morgendliches Angebot gehörig ausgebaut haben. Smoothies, Müslis, Eiergerichte, Stullenkreationen – das gibt es in dieser Stadt vielerorts den ganzen Tag lang. Dennoch zögerte ich bisher, mein Geld dafür auszugeben.

Lieber frühstückte ich gemütlich zu Hause und sparte mir den ersten Gastronomiebesuch des Tages fürs Mittagessen auf, statt schlecht geschultes Cafépersonal dafür zu bezahlen, mir Zutaten aus zweifelhafter Quelle auf den Frühstücksteller zu häufen. Einkaufen kann ich ja selber, gut kochen jedoch nicht. Ohnehin ist das mit den Frühstücken eine Glaubenssache. Die Wissenschaft streitet seit Jahrzehnten darüber, wie wichtig die erste Mahlzeit am Tag sei. Endgültig wurde die Frage bisher nicht geklärt. Während den einen, den Frühstücksverweigerern, nur der Kaffee unverzichtbar ist, zelebriert die andere Fraktion ihr pochiert-frittiertes Eierritual am Morgen geradezu religiös.

Vielleicht mussten erst drei Frühstücksnerds wie Lukas Mann, Maximiliane Wetzel und Martin Pöller mit ihrem revolutionären Konzept kommen, um morgendliche Essensverweigerer (und -sparer wie mich) zu überzeugen.

Deftig: Langosch mit krossem Speck, Sauerrahm und geriebenem Parmesan.
Foto:  Krystian Lipiec

Die Idee nennt sich Frühstück3000 und genauso haben die drei Gründer ihr schickes Tagesrestaurant getauft, das kürzlich in Schöneberg eröffnet hat. Nutella, Instant-Rührei und Aufbackbrötchen werden hier nicht gereicht. Im Frühstück3000 sind richtige Köche am Werk, die für die erste Mahlzeit am Tag ambitionierte Gerichte entworfen haben und diese sogar mit einer Wein- und Cocktailkarte begleiten. Bisher hatte das Gründer-Trio sein Konzept als sporadisch-lässige Pop-up-Reihe in Spitzenrestaurants wie dem Nobelhart & Schmutzig oder dem Cookies Cream angeboten. Ihre eigene Location ist nun nicht weniger stilvoll, schließlich haben die drei in Häusern wie Adlon, Ritz Carlton und Grill Royal gelernt.

Bei meinem Besuch nimmt ihr Lokal die erste Hürde, den obligatorischen Cappuccino, mit Bravour. Bohnenröstung, Maschine, Crema, Porzellanwahl – alles ist perfekt. Das sollte es aber auch bei dieser Vorgeschichte, und somit überraschte es mich nicht. Interessanter fand ich die Frage, ob die Breakfast-Margarita mit Mandarinentequila, Cointreau und Limette wohl morgenkompatibel ist. Und ob Gerichte wie Langosch mit Sauerkrautgranitee und Fenchelamaranth, ein mit Soja gebeiztes Tatar oder eine vietnamesische Reissuppe mit Ente tatsächlich bereits um 9:30 Uhr schmecken.

Sie sind Frühstück3000: Restaurantleiter Holger Scheu (links) mit den Gründern Maximiliane Wetzel, Martin Pöller und Lukas Mann.
Foto: Manu Becerra

So früh sitze ich auch tatsächlich hier, auch wenn das Frühstück bis 17 Uhr angeboten wird. Ich verlasse mich auf die Empfehlung des Service und nehme die Reissuppe als Auftakt. Und die morgendliche Margarita. Begleitet von den frischen Erbsenkrapfen. Es heißt ja, dass Frittiertes zum Alkohol dabei hilft, den Kater abzuwehren. Um es kurz zu machen: Meine Zweifel wurden schnell zerstreut. Alles lässt sich bereits morgens wunderbar genießen.

Nicht nur schmecken die Zitrusfruchtnoten in der Margarita besser als der übliche O-Saft. Der Drink macht auch Laune, ohne dass man betrunken wird, denn der Alkohol wird dezent eingesetzt. Auch der Salzrand ist mit Fruchtzucker und Orangenstaub abgemildert. Mit Harmonie und dem Eigengeschmack der Zutaten punkten auch die Gerichte. Auf starke Gewürze, allzu Kontrastreiches sowie Fettiges und Schweres wird verzichtet. Die goldgelb gebackenen Erbsenkrapfen sind nicht ölig, sondern knusprig, fluffig und leicht. Das süßliche Erbsenaroma wird mit frischen Salatblättern kombiniert, dazu kommt süßsauer eingelegter Fenchel, dessen Minzjoghurt-Dressing auch als Dip für die Krapfen funktioniert.

Etwas leichter: French Toast mit  Quark-Espuma, Sanddorn und Leinöl.
Foto: Krystian Lipiec

Besonders spannend fand ich die Suppe: Sie hat die Kräuter-Ingwer-Zimt-Sternanis-Aromatik einer flüssigen Pho, ist hier aber als dicklicher Reisbrei interpretiert. Als Topping ergänzen Grapefruitspalten die typischen Röst- und Frühlingszwiebeln. Und am Grund der Schüssel warten ein flüssiges Eigelb und ausgelöstes Entenfleisch auf mich. 

Dieses fantastische Wohlfühlfrühstück liegt für mich eindeutig auf Fine-Dining-Niveau. Dafür gehe ich zukünftig gern auch morgens öfter mal ins Restaurant.

Frühstück3000, Bülowstraße 101, 10783 Berlin-Schöneberg
Grafik: BLZ/Galanty

Preise: Salziges, Süßes und Eiergerichte 10 bis 16 Euro, große Frühstücksgerichte (auch für zwei Personen geeignet) 29 bis 90 Euro, Extras 2 bis 9 Euro, alkoholische Cocktails 10 bis 11 Euro. Coffee & Co 2,50 bis 5 Euro.

Frühstück3000, Bülowstraße 101, 10783 Berlin-Schöneberg, Tel: + 49 30 43666659. Geöffnet Mo–Fr von 8 bis 17 Uhr, Sa & So von 9 bis 17 Uhr.