Als Vorspeise marinierter Chicorée mit Frühlingskräutern – exakt wie im Cookies Cream.
Fotograf: Tiago Ribeiro/Cookies

BerlinNeben der Tatsache, dass ich wahnsinnig gern esse, liebe ich am Restauranttesten, dass es so herrlich analog stattfindet – unter normalen Umständen. Fürs Homeoffice habe ich bereits allerhand Software runtergeladen, doch selbst beim Essentesten muss ich mich nun mit allen möglichen Apps und Tools herumschlagen.

Zum Beispiel habe ich gerade Cookies Show ausprobiert, das neue At-Home-Menü des Berliner Gastronomie-Stars Cookie, zu dem begleitend ein QR Code mit Videolink mitgeliefert wird. In dem Video bereitet immer ein Chef aus einer seiner Restaurantküchen – Cookies Cream, Crackers oder Data Kitchen – Schritt für Schritt ein Vier-Gang-Menü zu, damit man es ihm zuhause genau nachmachen kann.

Ich war ehrlich gesagt skeptisch, ob sowas funktioniert. Zum einen technisch, was meine Fähigkeit angeht, das richtige Video zu laden und zu starten. Zum anderen als sinnliches Erlebnis, da ich mir das Kochen und Essen mit aufgeklappten PC nicht gut vorstellen konnte.

Also habe ich meinen Mann zum Menü eingeladen – ohne ihn als Backup würde ich die meisten technischen Herausforderungen der Coronazeit ehrlicherweise kaum meistern.

Er war es auch, der die am Bestelltag bis etwa 17 Uhr an die Haustür gelieferten Papiertüten mit den Menü-Komponenten entgegennahm. Entworfen hatte das Menü diesmal Stephan Hentschel aus dem Cookies Cream, der als erster in Deutschland einen Michelin-Stern für vegetarische Küche erhielt. Die erste hübsche Überraschung beim Auspacken: Neben einer Kerze und Glückskeksen findet sich auch der passende Soundtrack fürs Essen auf der gedruckten Menükarte. Ebenso darauf zu finden: der Link zum Video. Beides kann man durch Scannen des QR Codes mit der Handy-Kamera oder Eingeben des Links im Webbrowser starten.

Es ist wirklich beleidigend einfach, auch wenn mein Mann es für mich erledigt hat. Weil er noch unsere Lautsprecherbox per Bluetooth mit der angegebenen Spotify-Playlist verknüpfen wollte, fummelte er dann doch eine Weile herum. Derweil aß ich schon viel zu viel von dem hausgebackenen Sauerteigbrot, zu dem Hentschel ein Schälchen luftig aufgeschlagene Lauchbutter mitschickte. Es schmeckte einfach zu gut.

Show-Time! Heinz „Cookie“ Gindullis mit seinem Liefermenu.
Foto: Tiago Ribeiro

Den ersten Gang, marinierter Chicorée im Rauchmantel mit einem Frühlingskräutersalat, musste man lediglich anrichten. Auch das wurde im Video vorgeführt und war absolut idiotensicher vorbereitet: Der in Plastik vakuumierte, vorgekochte Chicorée war mit dem Buchstaben A gelabelt, ebenso der Pappbecher mit Salat sowie das dazugehörige Plastiktütchen mit Dressing. Den Chicorée-Beutel aufschneiden, auf einen Teller geben, darüber den mit etwas Dressing im Becher geschüttelten Kräutersalat. Fertig.

Während wir den noch knackigen Chicorée essen, der kein bisschen bitter ist, sondern neben Raucharoma auch saftig-fruchtige Essignoten abgibt, die mit den hauchzarten Kräuterblättchen korrespondieren, ziehen am Herd im heißen Wasserbad die Vakuumbeutel mit den Buchstaben B für den zweiten und C für den dritten Gang.

Zehn Minuten später schneiden wir streng nach Videoanleitung den Beutel B mit der Pilzsuppe auf, die wir über die bereits vorgeschnittenen Pfeffercrêpe-Streifen und Schwarzwurzelscheiben gießen. Mein Mann legt über den funkigen Song von „Above the clouds “ von der Playlist ein lautes „fantastisch“ drüber, so begeistert ist er von der klaren, intensiven Pilzessenz mit Madeira. Ich lächle in mich hinein, denn bislang ist ihm nicht einmal aufgefallen, dass wir gerade fleischlos essen.

Sehen auch auf dem eigenen Geschirr animierend aus: Stephan Hentschels Parmesanknödel in Trüffelsauce.
Foto: Tiago Ribeiro/Cookies

Dabei kommt der absolute Hammer noch: Hentschels Signaturgericht aus dem Cookies Cream, die Parmesanknödel mit Périgordtrüffel- Sauce. Sie sind samt Soße im Beutel nun etwa 20 Minuten gezogen. Dann in einen tiefen Teller geben und das Päckchen Pinienkerne darüberstreuen. Der schlotzig-intensive Trüffelsud ergänzt die sehr feinen Käsenoten der fluffigen Knödelchen, ohne ihnen die Show zu stehlen. Und alles schmeckt ebenso wunderbar, wie ich es aus dem Cookies Cream kenne.

Das Aprikosen-Safraneis mit Jalapeño-Popcorn zum Dessert vertagen wir, so satt und glücklich sind wir. Keine Frage, das Menü ist einfach und genial geplant. Nicht nur, dass man nicht die geringste Ahnung von Kochen haben muss und sofort loslegen kann mit dem Essen, während sich die übrigen Gänge praktisch von selbst zubereiten. Das Resultat ist ohne Frage ein sternewürdiges Menü, bei dem man alle Technik vergisst und sich am eigenen Tisch wie im Restaurant fühlt.

Preis für 4 Gänge: pro Person 48 Euro inkl. Lieferung