Für Nase und Augen: die von Artdirector Mario Lombardo kreierte Kerzenfamilie.
Foto: Atelier Oblique

Berlin-MitteWie vieles in diesem Jahr war auch „Beton Brut“ anders gedacht. Als Mario Lombardo begann, über ein neues Parfüm nachzudenken, hatte er Fallingwater im Sinn. Das sensationelle Wohnhaus von 1935, direkt über einem Wasserfall im Südwesten Pennsylvanias errichtet, gilt als beispielhaft für Frank Lloyd Wrights Architektur, die Bau und Landschaft organisch verbindet. Daraus wuchs bei Lombardo die Idee zu einem Duft, der kühl und gleichzeitig lebendig wirken sollte.

Doch dann kam der Lockdown – und mit ihm ein Sinneswandel. Lombardo wollte kein Parfüm mehr, das sich nur auf vom Menschen Konstruiertes bezieht. Vielmehr sollte der Duft die Rückkehr der Natur in unsere Zivilisation beschwören. Und tatsächlich: Mit Noten von Koriander, Salbei und Moschus duftet „Beton Brut“, als würde sich frisches Grün seinen Weg durch eine Steinmauer bahnen.

Ausgerechnet „mein Corona-Duft“ war es, der Lombardo jetzt erdet: „Ich habe dieses Jahr mehr Bodenhaftung gewonnen“, sagt er. „Sonst ist der Weg von der Idee zum fertigen Parfüm viel kürzer. Durch die verzögerten Abläufe dauerte diesmal alles länger, so konnte Beton Brut noch einmal angepasst werden.“ Die gewonnene Zeit „war auch eine Rückbesinnung darauf, meinem Instinkt zu vertrauen und mich weniger hetzen zu lassen“.

Vanessa Obrecht und Mario Lombardo betreiben gemeinsam das Atelier Oblique in Berlin-Mitte.
Foto: David Born

Schon die Gründung von Atelier Oblique im Jahr 2016 war zu einem Gutteil Instinkthandlung. Als bekannter Artdirector hatte Lombardo immer wieder über Duft nachgedacht; doch erst ein Besuch in Argentinien, von wo er als Kind mit seiner Familie geflohen war, gab den Anstoß. Die Gerüche seiner Heimat schienen ihm sofort vertraut. Die allererste Duftkerze war denn auch seiner Mutter gewidmet, eine weitere seiner Tochter, wieder eine andere seiner Partnerin Vanessa Obrecht, mit der er Atelier Oblique nun betreibt.

Damals wie heute beginnt Lombardo jede neue Komposition, ob Kerze oder seit 2018 auch Parfum, über persönliche Eindrücke. Er findet sie in Gebäuden, in Songzeilen oder gar eigenen Gedichten. Diese Versatzstücke schickt er an seine Parfümeure, die in Grasse und Paris sitzen. Serge de Oliveira ist einer von ihnen. Er kreierte neben „Beton Brut“ auch „Voodoo Flowers“, einen hypnotischen Duft, der mit Jasmin, Champagner und Leder genau dorthin passt, wo Lombardo ihn verorten wollte: die Villa Nellcôte in Südfrankreich, wo die Rolling Stones ihren wilden Sommer 1971 verbrachten.

Zu den Kerzen kamen Parfüms hinzu. Das neue „Beton Brut“ wurde vom Corona-Stillstand im Frühling inspiriert.

Foto: Atelier Oblique

Parfums von Atelier Oblique ziehen Käufer an, denen schon der Flakon als Statement gefällt (von Logo bis Farbgebung stammt das Design klarerweise von Lombardo selbst). Die Duftkerzen wiederum, ob aus der „Alphabet“- oder der „Perfumers“-Linie, haben sich als beliebtes Geschenk etabliert, das Bedacht und Besonderheit ausdrückt. Genau wie ein Parfum werden sie mit Kopf-, Herz- und Basisnote kreiert, die Duftöle dafür stammen aus Südfrankreich, das Wachs wird händisch in einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen gegossen und auch die Gläser kommen aus NRW und sind handbemalt. Für diesen Winter, in dem man aller Voraussicht nach viel Zeit zu Hause verbringen wird, empfehlen sich warm duftende, fast schon feierliche Kerzen wie „Bohemian Woods“, „Closer“ und vor allem „Ceremony“, die es demnächst auch als Parfum geben soll.

Derweilen denkt Lombardo über seine nächste Kreation nach. Der Name steht bereits fest: „Quiet Eyes“ soll der Duft heißen. Inspiration? Die Erkenntnis, wie viel wir über Blicke ausdrücken. Die Alltagsmaske erinnert uns ja auch daran.

Atelier Oblique, Almstadtstraße 5, 10119 Berlin-Mitte. Parfüms um 120 Euro, Duftkerzen um 58 Euro, erhältlich auch im Online-Shop unter: atelier-oblique.com