Da ist er wieder, der Trenchcoat!

Der einst von Thomas Burberry ersonnene Kriegsmantel ist längst ein Klassiker. In manchen Saisons ist er besonders angesagt, so wie jetzt gerade. 

Schau mir in die Augen, Kleiner: Auch Kate Moss ist ein Fan des Trenchcoats.
Schau mir in die Augen, Kleiner: Auch Kate Moss ist ein Fan des Trenchcoats.Imago

Als ich vor einigen Monaten in Kopenhagen war, fiel es mir das erste Mal auf: Der Trenchcoat ist wieder da. Natürlich, wie bei jedem Comeback, etwas anders gestylt und kombiniert, dennoch grundsätzlich unverändert. Es ist schon erstaunlich, wie der Jahrhundertklassiker immer wieder die Generationen begeistert und sich damit den Status eines zeitgenössischen Kleidungsstücks bewahrt. Der Trenchcoat wurde 1879 von Thomas Burberry als wetterfester Mantel für die Armee erfunden. Die von Burberry entwickelte wasserabweisende Gabardine machte es möglich, regenfeste Mäntel für die Armee zu weben.

Nun ist der Krieg kein schöner Anlass, dennoch werden für ihn viele Dinge erfunden, von denen auch die zivile Gesellschaft profitiert. So verdankt das Kleidungsstück diesem Verwendungszweck auch seinen Namen. In den Schützengräben (engl.: trenches) des Ersten Weltkrieges wurden die Mäntel auf englischer und französischer Seite getragen. Bis heute sind wichtige Merkmale des Mantels, die aus seinem militärischen Gebrauch kommen, erhalten geblieben: Der doppelte Rückenkoller sollte vor Regen schützen und die einseitige Passe das Abstützen des Gewehres beim Schießen erleichtern. An die Metallösen, die sich am Gürtel befinden, wurde das Fernglas oder die Wasserflasche gehängt. Aus dem anfänglich immer doppelreihigen Mantel entwickelte sich der einreihige, ganz schlichte „Staubmantel“, der ebenfalls schnell im zivilen Leben Einzug hielt. Später wollte Burberrys Konkurrent, die britische Marke Aquascutum, ein eigenes Modell. Et voilà – heute gehen die Mäntel dieser Marke ebenfalls als Klassiker durch.

In verschiedensten Filmen war der Trenchcoat das Kleidungsstück der Helden oder Heldinnen. Ob Humphrey Bogart in „Casablanca“, Alain Delon in Melvilles „Der eiskalte Engel“ oder Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“: Ihre Mäntel lösten Modewellen aus. Und in Slapstick-Komödien trug der Exhibitionist typischerweise immer als einziges Kleidungsstück: einen Trench!

Audrey Hepburn als Holly Golightly im Givenchy-Trench in „Frühstück bei Tiffany“, 1961. Neben ihr George Peppard (links) und Buddy Ebsen.
Audrey Hepburn als Holly Golightly im Givenchy-Trench in „Frühstück bei Tiffany“, 1961. Neben ihr George Peppard (links) und Buddy Ebsen.Imago

Und die Mode? Der Schnitt, der jedem Outfit funktionale Eleganz verleiht, inspirierte auch die großen Designer. Yves Saint Laurent warf ihn in Goldleder über Couture-Roben, Martin Margiela verwandelte ihn aus grobem Nesselstoff in die weiße Leinwand eines Malers. Und bei Demnas Balenciaga sieht es heute, dank schwerem Satin und überdimensionierten Schulterpolstern,  fast so aus, als ginge der Trenchcoat mit seinem Träger spazieren. Jeder Designer fügte etwas hinzu oder verfremdete die Materialien, doch Basisschnitt und militärische Attribute blieben immer erkennbar.

Man sieht in einem Trenchcoat immer gut angezogen aus und wirkt trotzdem unangestrengt, über einen Jogginganzug geworfen ebenso wie mit Doc Martens oder Birkenstocks kombiniert. Kontraste zu stylen, das funktioniert mit diesem Mantel fast immer. Die Burberry- oder Aquascutum-Veteranen sind von begnadeter Qualität und halten lange, weshalb auf dem Vintage-Markt auch jetzt viel Auswahl besteht. Es lohnt sich also, nach diesen Originalen zu schauen, denn sie machen lange Freude. Ein Tipp: Die Modelle der 1980er und 1990er sind geräumig geschnitten, und man kann mit ihnen wunderbar den Oversize-Look kreieren, der gerade von fast allen Modehäusern propagiert wird. Wer XL oder L kauft, ist mit Sicherheit auch in der nächsten Saison glücklich damit. Wann gibt es das schon in der Mantelmode: Passt über alles, nimmt nichts übel. Perfekt.